Nahrungsquellen der Menschheit

Um gesund zu bleiben, benötigt der männliche Erwachsene im Durchschnitt 2300 bis 2700 Kalorien täglich und ca. 37 bis 62 Gramm Proteine. Darüber hinaus braucht er ausreichende Mengen geeigneter Spurennährstoffe (Minerale und Vitamine). Nicht nur von der Höhe der Lebensmittelproduktion, sondern auch von deren gerechter Verteilung hängt es ab, ob die Weltbevölkerung diesen Ernährungsstand erreicht. Frühere Nahrungsquellen
Erst in letzter Zeit bekam der Mensch seine Nahrungsmittelquellen einigermaßen unter Kontrolle. Als Jäger wilder Tiere und Sammler von Nüssen und Beeren war der Mensch ursprünglich vollauf mit der täglichen Nahrungssuche beschäftigt. Infolge mangelnder Kontrolle über seine Lebensmittelquellen drohte ihm ständig der Hungertod. So hielt sich die Zahl der Menschen in Grenzen. Vor etwa 10 000 Jahren – am Übergang von der Mittel- zur Jungsteinzeit – begann der Mensch, das Land systematisch zu bestellen. Zuerst in Mesopotamien, den sehr fruchtbaren Überschwemmungsgebieten des Euphrat und Tigris, säte er Getreide und erschloss sich eigene Nahrungsquellen. Ergänzend zum Fischfang in Flüssen, Seen und Meeren lernte er, Tiere zu zähmen und zu züchten. Von nun an verließ sich der Mensch mehr auf Furche und Saat als auf Pfeil und Bogen. Er verstand es so, seinen Nahrungsmittelquellen eine größere Zuverlässigkeit zu geben. Der Anbau bestimmter Getreideflächen und die entsprechende Größe des Viehbestandes garantierten ihm genügend Nahrung für das kommende Jahr. Und doch war er bis zu einem gewissen Grad immer noch den Naturgewalten, die er nicht kontrollieren konnte, ausgesetzt. Eine plötzliche Dürre konnte die gesamte Ernte vernichten, Heuschreckenschwärme die Pflanzen zerstören oder Krankheiten die Herden dezimieren. In Zeiten mit Naturkatastrophen stellte der Hungertod eine unverminderte Gefahr für den Menschen dar. Er war gezwungen, Nahrungspflanzen in geeigneten Gebieten anzubauen. Getreide gedieh nur auf verhältnismäßig flachem, fruchtbarem Land und verlangte genügend Regen und lange Wachstumszeiten. Der Feuchtigkeitsbedarf und die Wachstumszeiten der verschiedenen Getreidesorten waren sehr unterschiedlich, deshalb wuchsen einige Sorten in bestimmten Gegenden der Welt besser als in anderen. Reis beispielsweise gedieh besser in tropischen Gebieten, wo die Temperaturen relativ hoch waren und es intensiver regnete, als in den gemäßigten Klimazonen, in denen die Niederschlagswerte geringer und die Temperaturen niedriger lagen. Unter Berücksichtigung der geographischen Breiten- und Höhenlage, der unterschiedlichen Fruchtbarkeit des Bodens, der Niederschläge und Temperaturen hat sich gezeigt, dass mindestens 70% der Landoberfläche der Erde für Ackerbau ungeeignet sind. Dennoch gelang es dem Menschen, die Lebensmittelproduktion im Lauf der Jahrhunderte mit Hilfe wichtiger Neuerungen erheblich zu steigern. Dazu gehören die Errichtung von Bewässerungsanlagen und Dränagesystemen, der Austausch von Ernteerzeugnissen zwischen der Alten und der Neuen Welt (z. B. Weizen, Gerste, Mais und Maniok), die Erfindung von Kunstdünger und Pestiziden, die Anwendung der Vererbungsgesetze bei Pflanzen und Tieren sowie die Entwicklung vielfältiger landwirtschaftlicher Maschinen. Die Ernährung der Bevölkerung
Diese und verschiedene andere Neuerungen machten es dem Menschen möglich, seine Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen. Gleichermaßen stieg jedoch die Bevölkerungszahl an, so dass die Erzeugung von Lebensmitteln oft kaum Schritt mit ihr halten konnte. Man schätzt, dass die Weltbevölkerung zu der Zeit, als mit der systematischen Agrarwirtschaft begonnen wurde, nur zehn Millionen betrug. Zurzeit Christi waren es 250 Millionen, am Beginn der Industriellen Revolution eine Milliarde, um 1900 anderthalb Milliarden, 1950 zweieinhalb Milliarden, 1977 vier Milliarden, und 2008 erreichte die Weltbevölkerung nahezu sieben Milliarden. Da die Bevölkerungszahl fast ebenso schnell anwuchs wie die Fähigkeit des Menschen, genügend Lebensmittel zu erzeugen, werden große Teile der Welt weiterhin von Hungersnot bedroht. Unterernährung einst und jetzt
In Jahren mit Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Dürren, die einen plötzlichen Rückgang der Nahrungsmittelproduktion in der Welt verursachten, war die Gefahr von Hungersnöten besonders groß. Viele Menschen starben, als Italien im Jahr 436 v. Chr. und Indien 1291 n. Chr. von einer großen Hungersnot heimgesucht wurden. 1846 bis 49 forderte die durch eine Kartoffelmissernte ausgelöste Hungerkatastrophe in Irland fast 800 000 Opfer (12% der damaligen Bevölkerung), während gleichzeitig über 700 000 Menschen das Land verließen und zumeist in den USA eine neue Heimat fanden. In jüngster Zeit haben verschiedene Länder für Katastrophenfälle Nahrungsmittelreserven angelegt, um sie im Ernstfall an andere Nationen weiterzugeben. Trotzdem bleibt die Unterernährung weitverbreitet. Die UN schätzen, dass 700 Millionen Menschen nicht die nötigen Mengen geeigneter Nahrung erhalten. Oft fehlt es an Kalorien, Proteinen und den wichtigen Spurenelementen. Die körperliche und geistige Entwicklung von Kindern wird schon durch Proteinmangel ernsthaft beeinträchtigt. Die häufige Unterernährung liegt weniger an unzulänglicher Nahrungsmittelproduktion als vielmehr an der ungleichen Verteilung der Nahrung. Über die Hälfte aller erzeugten Lebensmittel wird vom »wohlhabenden« Drittel der Erdbevölkerung verbraucht.

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Info 23.11.2017 19:14
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