Kurt Schumacher – Kurze Biografie

Kurt SchumacherKurt Schumacher, Jahrgang 1895, stammte aus dem westpreußischen Kulm an der Weichsel. Im Ersten Weltkrieg verlor der Kriegsfreiwillige den rechten Arm für das Vaterland. Er blieb sein Leben lang Preuße und deutscher Patriot. In Stuttgart begann 1920 seine politische Laufbahn als politischer Redakteur und württembergischer SPD-Landtagsabgeordneter. In den Reichstag gewählt, hielt Schumacher im Februar 1932 eine flammende Rede gegen Goebbels. Er wurde zum unermüdlichen Aktivisten im Kampf für die Demokratie und gegen die Nazis. Dafür wurde er 1933 verhaftet und ins KZ eingeliefert. Sein unbeugsamer Wille, die Niederlage von 1933 nicht hinzunehmen, gab ihm die Kraft, das Grauen und die Qual der zwölf Jahre zu überwinden. Im Mai 1945 gründete er in Hannover die SPD neu. Allen Neuorientierungen, wie Zusammenschlüssen mit Kommunisten oder Christen, sagte er den Kampf an. Nur die SPD als Partei der Arbeiterklasse sei unbelastet und ungebrochen aus der deutschen Katastrophe hervorgegangen, und habe damit den Anspruch auf die politische Führung. Reich, Nation, Klasse, Demokratie und Sozialismus müssten eins werden. Schumacher war ein mitreißender Redner, niemand konnte sich der magnetischen Wirkung entziehen, die von der gestochenen Schärfe seiner Argumentation ausging. Die auf Haut und Knochen abgemagerte Figur mit dem Schmerzensantlitz wurde zum Symbol des schwergeprüften Deutschland. Er erkannte aber nicht, dass die Menschen um ihn nicht kämpfen, sondern besser leben wollten und von der »großen Politik« genug hatten. Dem leidenschaftlichen Parlamentarier fehlten die Geduld, das Augenmaß für das Mögliche und der Pragmatismus seines großen innenpolitischen Gegenspielers Konrad Adenauer. Schumachers Forderungen nach deutscher Gleichberechtigung und einem Vorrang der Wiedervereinigung vor der europäischen Integration waren unerfüllbar. So wurde Schumacher († 1952) zur großen tragischen Gestalt der deutschen Nachkriegspolitik.

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Info 22.11.2017 17:35
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