Helene Lange – Kurze Biografie

Helene LangeSind Frauen zu wissenschaftlicher Lehrtätigkeit fähig? Es erschreckt uns heute, dass eine solche Frage erst und noch am Ende des 19‘s Jahrhunderts in Deutschland gestellt und beantwortet werden konnte. Dass es überhaupt geschah, verdankt die deutsche Frauenbewegung Helene Lange. Die 1848 in Oldenburg geborene, früh verwaiste Kaufmannstochter hatte sich nach jahrelanger Erzieherinnentätigkeit nicht nur für eine Reform des Mädchenschulwesens, sondern auch für die Gleichberechtigung der Frau in der wissenschaftlichen Lehrerbildung eingesetzt und zu diesem Zweck 1889 die Berliner Realschule für Frauen gegründet, die sie vier Jahre später in Gymnasialkurse überleitete. Immer wieder hatte sie einen zähen Kampf zu führen gegen männliche Vorurteile und altväterlich-konservative Schulgremien, die häufig genug die Auffassung vertraten, weibliche Bildung sei nur nötig, damit »geistige Kurzsichtigkeit der Frau die Hingabe des Mannes an höhere Interessen nicht lähme«. Nur mit viel Ausdauer, Charme, Humor und Trotz konnte Helene Lange ihre Erfolge sichern. Sie war keineswegs eine Exzentrikerin oder Schwärmerin, sondern hatte einen sicheren Blick für das Nötige und Mögliche. Bedeutung erlangte auch ihre schriftstellerische Tätigkeit. So nahm sie in der Zeitschrift »Die Frau« zu vielen Fragen der Frauenbildung Stellung und gab zusammen mit der Schriftstellerin Gertrud Bäumer ein mehrbändiges »Handbuch der Frauenbewegung« heraus. Als Vorsitzende des von ihr gegründeten »Allgemeinen deutschen Lehrerinnenvereins« stellte Helene Lange in die Mitte ihrer Bemühungen den geistig-seelischen Eigenwert der Frau, nicht deren »Emanzipation von ihrem ureigensten Wesen«. Über die wissenschaftliche Ausbildung hinaus trat Helene Lange auch für die politische Bildung der Frau ein, eine zukunftsweisende Tat – mehr jedenfalls als ihr Eintreten für die weibliche Dienstpflicht während des Ersten Weltkriegs. Wenige Wochen nach ihrem 82. Geburtstag starb sie 1930 in Berlin.

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Info 18.12.2017 00:22
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