Gründung der Reformabtei

Die Erschütterungen, die das Abendland im Laufe des 9. Jahrhunderts heimsuchten (Zerfall der königlichen Autorität, innere Wirren, Einfälle der Normannen, Sarazenen und Ungarn), gingen auch an den Klöstern nicht spurlos vorüber. Ganz abgesehen davon, dass viele Niederlassungen zerstört, Mönche und Nonnen erschlagen oder vertrieben wurden, vergriffen sich manche adelige Herren, deren Pflicht es gewesen wäre, die Klöster mit bewaffneter Hand zu schützen, nicht selten am Gut ihrer Schutzbefohlenen. Bei den Abtswahlen war es weithin üblich geworden, dass der zuständige Bischof oder die adelige Stifterfamilie das Wahlrecht der Mönche einschränkte und ihren eigenen Kandidaten durchsetzte, einen Verwandten zum Beispiel, der auf diese Weise eine angemessene Versorgung erhielt und für die Einsetzung unter Umständen noch eine Geldsumme zu bezahlen hatte. Nicht immer kamen auf diese Weise die geeigneten Persönlichkeiten zur Würde eines Abtes, sodass sich in zahlreichen Klöstern, besonders in den vornehmeren mit vorwiegend adeligen Insassen, die mönchische Zucht bedenklich zu lockern begann. Diese Zustände ließen nicht nur bei Männern der Kirche, sondern auch bei vielen frommen Laien den Wunsch nach Reformen aufkommen, der zu Beginn des 10. Jahrhunderts zu einer Reformbewegung führte, die von dem lothringischen Kloster Gorze und von dem burgundischen Kloster Cluny ausging. Ein frommer Laie, der Herzog Wilhelm von Aquitanien, war es, der im Jahre 909 im Zusammenwirken mit dem sitten- und regelstrengen Abt Berno die Reformabtei Cluny gründete. In der Gründungsurkunde verbot er ausdrücklich allen geistlichen und weltlichen Männern, sich am Klostergut zu vergreifen oder in irgendeiner Weise auf die Wahl des Abtes einzuwirken. Um die Freiheit Clunys zu sichern, entzog er das Kloster jeglicher Einflussnahme eines geistlichen oder weltlichen Herrn, auch des Königs, und unterstellte es direkt dem päpstlichen Schutz. »Klosterreform ist Regelreform und Reform der Lebensführung nach der Regel« formuliert Gerd Tellenbach, ein Spezialist auf diesem Gebiet und einer der »großen« Historiker des 20. Jahrhunderts. Auch in Cluny wurde nicht etwa eine ganz neue Regel des mönchischen Lebens geschaffen, vielmehr griff Abt Berno auf die Regel des Ordensgründers Benedikt von Nursia (um 500) zurück, die Benedikt von Aniane, der Berater Ludwigs des Frommen, im 9. Jahrhundert neu gefasst und für alle Klöster des fränkischen Reiches verbindlich gemacht hatte, gewiss haben die späteren großen Äbte von Cluny das Reformwerk des Gründungsabtes weiter entwickelt, aber die Grundsätze blieben unverrückt: Bete und arbeite und lerne zu schweigen!

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Info 18.12.2017 00:16
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