Münzwesen und Preispolitik im 17. Jahrhundert

Wenn es das Glück in früheren Zeiten mit einem Menschen gut meinte, ließ es ihn einen Schatz finden. Schätze und Schatzsuche haben seit alters her die menschliche Fantasie beschäftigt - bis auf den heutigen Tag: Allein im ersten Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Rheinland über 600 Schätze geborgen! Die meisten der in Deutschland gehobenen Funde stammen aus dem 17. Jahrhundert. Während des Dreißigjährigen Krieges haben Bauern und Bürger ihren wertvollen Besitz, nicht selten Ersparnisse von Generationen, vor der plündernden Soldateska zu retten versucht. In irdenen Töpfen wurden Gold- und Silbermünzen in Gewölbewinkeln vermauert oder im Wurzelwerk markanter Bäume vergraben - und aus unerfindlichen Gründen oft nicht wieder hervorgeholt. Aus Grimmeishausens »Simplizissimus« wissen wir, mit welch »peinlichen« Verfahren die Marodeure die geheimen Verstecke aus den Bauern »herauszukitzeln« verstanden. - Lange hat es indes gedauert, bis das Rätsel gelöst war, warum ausgerechnet die wertvollsten Funde zweifelsfrei auf die Jahre vor Kriegsbeginn datiert werden müssen: Zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges wurde Deutschland von einer beispiellosen Inflation erschüttert.

Teuerung und Teufelswerk
Die Menschen der damaligen Zeit haben in dieser Teuerung das Werk des Teufels gesehen. In Wirklichkeit hatten skrupellose Geschäftemacher sich die Schwächen des deutschen Münzwesens zunutze gemacht und eine wirtschaftliche Krise ausgelöst, die in ihren Auswirkungen auf den »gemeinen Mann« einen Vorgeschmack von den Schrecknissen und dem Elend des kommenden Krieges gab.

Das Geld wird weniger wert
Das deutsche Geldwesen der frühen Neuzeit spiegelt in seiner regionalen Zersplitterung ziemlich genau den trostlosen politischen Zustand des Reiches wider. Seit dem Mittelalter hatten die deutschen Könige das ihnen eigentlich allein zustehende Münzrecht in einer Großzügigkeit ohnegleichen an kleine und kleinste Herren weiterverliehen, bald durften auch viele Städte eigenes Geld prägen und in Umlauf bringen - das Münzprivileg erwies sich als eine ganz vorzügliche Finanzquelle. In bestimmten Zeitabständen wurden die umlaufenden Münzen jeweils »verrufen«, das heißt, außer Kraft gesetzt und eingeschmolzen. Die Neuprägungen zeigten dann regelmäßig verringertes Gewicht und verminderten Feingehalt. Der Gewinn aus solcher »Münzverschlechterung« - nicht selten mehr als zehn Prozent! - floss als »Schlagschatz« in die Schatulle des Münzherrn; Leidtragender bei dieser schleichenden Geldentwertung war immer das Volk: »So oft eine neue Münze, so oft ein Heerzug durch das Land!« kommentierte bitter das Sprichwort. Bis ins 17. Jahrhundert hinein existierten innerhalb des Deutschen Reiches die verschiedenartigsten Münzsorten in den unterschiedlichsten Qualitäten nebeneinander: Einzig die Geldwechsler fanden sich noch in diesem Chaos aus Gulden, Taler, Schilling, Kreuzer, Batzen, Albus, Stüber, Groschen, Pfennig, Heller zurecht und wurden dabei reiche Leute!

Für die deutschen Großhändler war dieser Zustand unerträglich: Mit ›ihrem‹ Geld konnten sie auf den internationalen Märkten, die von den stabilen Goldwährungen des venezianischen Dukaten und des Florenzer Florenen beherrscht wurden, nicht konkurrieren. Goldvorräte gab es in Deutschland nur in begrenztem Maße. Die ersatzweise geprägten Silber-Gulden - der seit 1519 aus Joachimsthal kommende »Taler« wurde bald Leitmünze - mussten in ihrem Wert ständig den Preisschwankungen angepasst werden. Die dringlich geforderte Geld-Einheit für das Deutsche Reich scheiterte letzten Endes immer wieder an den münzpolitischen Gegensätzen der Fürsten: die rheinischen Bischöfe beharrten auf ihrem Goldgulden; die »Silberreichen« (die Kurfürsten von Sachsen und Böhmen, die Herzöge von Tirol und Schwaben) bestanden aus eigensüchtigen Interessen auf einem hohen Silbergehalt der Münzen und diktierten dabei den Metallpreis - und die »restlichen« Herren mussten begreiflicherweise das genaue Gegenteil wollen. Wie misslich die Lage dieser »Habenichtse« war, zeigt das Beispiel des Würzburger Bischofs, für dessen Prägungen nach zeitgenössischem Bericht »die Silberheiligen und Kirchenkleinodien, desgleichen der Bürger Silbergeschirr folgend draufgangen« sind.

Als schließlich im 16. Jahrhundert doch noch »Reichsmünzordnungen« zustande kamen, bewirkten sie zwar in der Praxis nichts, weil die mächtige sächsische »Silberpartei« nicht mitspielte, lösten aber fatalerweise jene Entwicklungen aus, die geradewegs in die große Inflation hineinführten.

Kredit 1642Kredite werden unerschwinglich. Oder - wie ein satirisches Flugblatt von 1642 formuliert: »Was Jammer o was grosse Nothl Credit ligt auffdem Sarck ist todt«.

Kleingeldmangel, ein Indiz für Inflation
In Deutschland war 1559 eine Doppelwährung geschaffen worden: Gold und Silber wurden in ein festes Wertverhältnis zueinander gesetzt. Als dann gegen Ende des 16. Jahrhunderts der Silberpreis anzog - die Minen im Erzgebirge und in Tirol begannen sich allmählich zu erschöpfen - überstieg der Edelmetallwert von Taler und Gulden rasch die aufgeprägten Nennwerte: Die Münzen wurden heimlich von Spekulanten eingeschmolzen und gewinnbringend ins Ausland »verschoben« - dem Volksvermögen gingen wertvolle Silbervorräte verloren!

Das eigentliche Verhängnis aber begann beim Kleingeld. Die »Münzordnungen« hatten den Feingehalt von Groschen, Pfennig, Kreuzer viel zu hoch angesetzt: Die Prägekosten überstiegen so zum Teil erheblich den Gewinn - die Herstellung von Kleinmünzen wurde zum Verlustgeschäft und daher meist eingestellt oder nur ganz nebenbei betrieben.

Für den alltäglichen Krämerhandel bedeutete das eine schwere Behinderung: Es fehlten die notwendigen »Scheidemünzen«, jene Geldstücke, die Käufer und Verkäufer bei ihren Geschäften ohne Rest voneinander »schieden«. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts mussten die Hausfrauen bei Bäcker und Metzger »anschreiben« lassen, bis eine runde Summe aufgelaufen war: Auf Holzleisten wurden entsprechende Markierungen angebracht - »etwas auf dem Kerbholz« zu haben, war damals durchaus nicht ehrenrührig, es war schlichte Notwendigkeit. Auf den schlechtesten aller schlechten Auswege aber verfielen die Münzherren selbst: sie fälschten ihr eigenes Geld!

Staatliche und private Falschmünzerei
Die Falschmünzerei ist sicher nicht viel jünger als die Münzerei selbst - zu allen Zeiten aber war sie bisher von den Münzherren unnachsichtig verfolgt worden. Seit dem Mittelalter drohte den »Beyschlägern« eine der schrecklichsten Todesstrafen: das Sieden in Öl; in der Rechtspraxis wurde dies aber meist in Verbrennen bei lebendigem Leibe ›abgemildert‹. Die Unzahl der deutschen Geldsorten und ihre schlechte Prägequalität forderten illegale Nachahmungen geradezu heraus. In großem Stil wurde Falschmünzerei schon kurz vor Beginn des 17. Jahrhunderts betrieben: In die Spanischen Niederlande geschmuggelte gute Münzen wurden eingeschmolzen, umgeprägt und als »schlechtes Geld« wieder in den deutschen Handel eingeschleust - auf 56 000 Gulden bezifferte man den jährlichen Gewinn aus solchen Transaktionen! In Würzburg konnte eine ganze Falschmünzerbande dingfest gemacht und dem Henker zugeführt werden, und 1618 nahm man in Nürnberg gar den »ehrenwerten« Münzmeister in Arrest.

Verglichen aber mit dem, was sich in den ersten Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts abspielte, müssen diese Münzverbrechen eher als Bagatellen erscheinen. Um dem Mangel an Kleingeld abzuhelfen, waren nämlich immer mehr Münzherren dazu übergegangen, entgegen den Reichsverordnungen minderwertige Stücke zu prägen; zur Rechtfertigung deklarierte man sie dann einfach als »Landesmünzen«. Nachdem dieses Verfahren sich als recht einträglich erwiesen hatte und die Nachfrage ständig stieg, begann die Entwicklung bald auszuufern - unter Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel nahm sie seit 1617 kriminelle Formen an.

Überall im Territorium des Fürsten - »in Stätten, Klostern, Klausen ... auf Dorffen auch woll im Felde« - entstanden jetzt Münzstätten, die treffend als »Hecken-Münzen« bezeichnet wurden. Ihr Betrieb war, wie es später in den Gerichtsakten heißt, an »allerley loss Gesindelein« verpachtet, an falsche Münzmeister, heruntergekommene Goldschmiede, Schuster, Schneider, Alchimisten, Zöllner, ja selbst an Abdecker und Schinder! Dass es solche ›Münzbeamten‹ einzig auf betrügerischen Gewinn abgesehen hatten, liegt auf der Hand: Sie rafften überall im Land die guten Münzen, alles greifbare Silber zusammen und schmolzen es zu minderwertigem Geld um. Das Volk nannte diese Leute - nach der Schaukelbewegung ihrer Balkenwaagen - seit 1620 allgemein »Kipper und Wipper«. Bei ihren Machenschaften hielt sich der Herzog diskret im Hintergrund - er begnügte sich mit dem Kassieren; als Münzbilder erscheinen Fantasiewappen, anstelle der Herrscherumschrift fromme Sprüche: »Ahn Gottes segen ist alles gelegen«. Die Praxis der staatlichen Falschmünzerei von Braunschweig begann sich rasch in allen Teilen des Reiches zu verbreiten - selbst so redliche Münzherren wie die Reichsstadt Nürnberg oder der Bischof von Würzburg mochten sich da nicht ausschließen: die ungeheueren Kosten des beginnenden Großen Krieges ließen oft gar keine andere Wahl. Die Grafen von Mansfeld errichteten in ihrem kleinen Ländchen über 40 Kipper-Münzen! 1622 verpachtete der Kaiser aus Geldmangel alle seine Prägestätten in Österreich, Böhmen und Mähren gegen einen Zins von sechs Millionen Gulden an ein Konsortium, dem neben reichen »Münzjuden« auch General Wallenstein angehörte.

Anfänglich suchte man bei der Ausgabe des Kipper-Geldes noch den »Schein« zu wahren: Die minderwertigen Stücke wurden mit allerlei Essenzen »geschönt«, so dass sie wenigstens äußerlich für kurze Zeit Silberglanz vortäuschten. »Das neue Geld«, berichtet eine zeitgenössische Chronik, »war fast lauter Kupfer, nur gesotten und weiß gemacht, das hielt etwa acht Tage, dann wurde es zunderrot«. Das Volk sprach verächtlich von den »roten Seufzern«!

Galoppierende Inflation, Spekulationsgewinne und wirtschaftliche Scheinblüte
Der durch die starke Nachfrage beständig steigende Silberpreis und die dadurch immer minderwertiger werdenden Prägungen ließen den Wert des Geldes zusehends verfallen. Im März 1621 wurde der Gulden in Böhmen um die Hälfte herabgesetzt, ein halbes Jahr später war er auf ein Viertel seines ursprünglichen Wertes gefallen. Erhielt man im April 1621 für einen Reichstaler in Braunschweig drei Kipper-Taler, so waren es im September bereits acht. Die Inflation galoppierte!

Diese stürmischen Bewegungen am Geldmarkt erzeugten ein wildes Spekulationsfieber: Für ein naives Gemüt musste es beglückend sein, für einen alten Taler fünf oder sechs ›neue‹ zu erhalten - dass sie nichts wert waren, merkte man erst später. »Die Ärzte verlassen ihre Kranken«, klagt eine Streitschrift, »und denken viel mehr an den Wucher als an Hippokrates und Galenus, die Juristen vergessen ihre Akten...« Nicht minder hektisch wurde Jagd gemacht auf das »Verschnittmetall« Kupfer. Hausfrauen verhökerten ihre Pfannen und Kessel, und »wo eine Kirche ein altes kupfernes Taufbecken hatte, das musste fort zur Münze und half ihm keine Heiligkeit; es verkauften's, die darin getauft waren«.

Der Kreis der echten »Inflationsgewinnler« blieb dennoch klein. Die Mitglieder des österreichischen Münzkonsortiums kauften mit ihren enormen Gewinnen die Güter des vertriebenen protestantischen Adels in Böhmen auf. Viele wurden auf billigste Weise ihre Schulden los oder konnten jetzt alte Steuerrechnungen begleichen. Nicht wenige aber hatten in ihrem »Geldrausch« in kürzester Zeit das Sparvermögen von Generationen durchgebracht.

Die allgemeine Ernüchterung war um so schmerzlicher: der Scheinblüte folgte zwangsläufig eine Teuerung von ungeahnten Ausmaßen. In Dresden stiegen die Getreidepreise von 1620 auf 1622 um das Fünffache; die Bauern weigerten sich schließlich ganz, ihre Produkte gegen Kipper-Geld abzugeben. In Mansfeld musste der Rat 1621 Vieh aufkaufen und an die Bevölkerung verteilen, da Fleisch und Fisch in den Geschäften nicht mehr angeboten wurden. Am härtesten waren die Empfänger fester Bezüge, Beamte und Rentner, von den Preissteigerungen betroffen. Im Erzgebirge wurden öffentliche Sammlungen veranstaltet, um Geistliche und Lehrerfamilien vor dem Verhungern zu bewahren! Verständlicherweise richtete sich bei dieser Lage der Volkszorn in aller Schärfe gegen die Kipper und Wipper. In unzähligen Flugschriften wurden ihre Praktiken angeprangert und sie selbst als »letzte Bruth und Frucht des Teufels« beschimpft; es finden sich gar öffentliche Aufforderungen zum Mord! Bei einem Aufstand am 26. Februar 1622 plünderten mansfeldische Bergleute die Hecken-Münzen ihrer Gegend. Nicht zu Unrecht aber konnten sich die »armen Kipper und Wipper« in einer anonymen Schrift damit verteidigen, dass »alles mit Wissen, Willen und Beifall der Obrigkeit« geschehe.

Waydlich 1622»Wir schlagen waydlich drauff«, sagen die Gesellen des Münzmeisters und mindern so den realen Geldwert. Kupferstich auf einem Flugblatt von 1622.

Text der Zeit
Johann Heberle berichtet 1621 über die Kipper- und Wipperzeit

Anno 1621 ist das Schachern angegangen und hat ein jeder wollen reich werden. Der eine ist da, der andere dort hinausgeloffen, bis sie das gute Geld vertragen und das böse, lose Geld, das nichts gewesen dann lauter Kupfer und Glockenspeis, in unser Land darfürgebracht, dadurch alle Länder sind verderbt worden und alle Waren auf das Höchste gestiegen. Alle Kaiser und Könige, Fürsten und Herren [...] Städt und Flecken, Keßler und Landfahrer haben gemünzet und münzen dürfen, dass einer ein gelehrten Zungen und ein gut Gesicht hat haben müssen, der alle Überschriften hat können lesen und sehen. Es ist ein leichtes und falsches Geld gewesen, das keinen Bestand gehabt, denn von Anfang an war es schön, als wann es lauter Silber wär, aber hernach in 3, 4, 5 oder aufs längst in die 8 Wochen ist es abgefallen und rot worden, wie das Kupfer [...]. Weil aber ein solcher Jammer und Not ist mit dem Geld worden, so haben etliche Ständ und Städt im Römischen Reich sich miteinander vereiniget, wie sie der Ungelegenheit möchten ein wenig wehren; da haben sie Geld gemünzet und habens genannt Landmünz oder Scheidegeld, ein schlechtes und ein verachtetes Geld, welches man nirgend genommen hat dann in deren Herrschaft, welcher Herr gemünzet hat.
Aus: Aufzeichnungen des Bauern Johann Heberle aus Weidenstetten. (Abgedruckt in K. Wild: Zustände während des 30jährigen Krieges = Teubners Quellensammlung II, 46.)

Die staatliche Währungsreform von 1623: Rückkehr zur Reichsmünzordnung
Auf die Fürsten fiel ihr eigener Betrug dann schließlich auch wieder zurück: Als sie die Wertlosigkeit der eingehenden Steuergelder erkennen mussten, setzten sie noch 1623 überall in Deutschland Reformen ins Werk - kurioserweise machte dabei jener Friedrich Ulrich von Braunschweig den Anfang, der das ganze Übel eigentlich erst verursacht hatte. Die Hecken-Münzen wurden aufgehoben, die schlimmsten Kipper vor Gericht gestellt. Münzverpachtung war fortan strikt untersagt. Die meisten Territorien kehrten zu den Festlegungen der alten »Reichsmünzordnung« zurück. Das Problem der noch umlaufenden Kipper-Münzen konnte nur durch einen »harten Schnitt« gelöst werden: Sie wurden gegen einen geringen Teil ihres ursprünglichen Wertes von den fürstlichen Kassen umgetauscht - der »gemeine Mann« hatte doch letztlich die Zeche zu zahlen! Nach Schätzungen von Richard Gaettens hat die Inflation der Kipper und Wipper »den materiellen Wohlstand Deutschlands stärker zerstört als der Dreißigjährige Krieg«.

Die große Krise hatte aber auch ihre positiven Auswirkungen. In Nürnberg wurde 1621 als erste süddeutsche Bank die Banco Publico gegründet: Durch bargeldlosen Zahlungsverkehr sollten jene Schwierigkeiten in der Münzwirtschaft umgangen werden, die sich eben so verderblich ausgewirkt hatten. Die Banco Publico stieg später zu einer der vier größten Banken Europas auf.

Durch die »Währungsreformen« des Jahres 1623 hatten sich in den deutschen Territorien die Geldverhältnisse weitgehend beruhigt, so dass - wenn die Ereignisse des Krieges dies zuließen - Handel und Wirtschaft ganz langsam wieder in Gang kamen. Wie weit Deutschland jedoch von einer Münzhoheit entfernt war, zeigt die Tatsache, dass König Gustav II. Adolf von Schweden auf seinen Feldzügen eigenes Geld prägen und als vollwertige Münzen in Umlauf setzen konnte. Und als Kardinal Richelieu 1640 in Frankreich mit dem »Louis d'or« (frz., etwa: Ludwig aus Gold) eine neue Goldwährung münzen ließ, glaubten deutsche Fürsten sogleich, auch ihre eigene Bedeutung durch Prägung von Max d'ors, August d'ors oder Wilhelm d'ors gebührend herausstellen zu müssen.

Die Übernahme der Spindelpresse aus Frankreich hingegen brachte für die Prägetechnik der Münzstätten einen bemerkenswerten Fortschritt: Mit Recht werden die vielfältigen Münzen des 17. Jahrhunderts zu den ästhetischen Höhepunkten deutscher Prägekunst gezählt.

In der Münzpolitik der deutschen Staaten werden solch schöne Fortschritte indes nicht erkennbar. Als die kriegerischen Verwicklungen mit Frankreich und der Türkei in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts große finanzielle Aufwendungen erforderten, griffen einzelne Landesherren unbedenklich wieder zu eben den zweifelhaften Methoden der Geldbeschaffung, die jene verhängnisvolle Inflation von 1622 verursacht hatten; dass jetzt eine ähnliche Katastrophe ausblieb, ist wohl nur glücklichen Umständen zu danken. Wie sehr deutsche Fürsten in kurzsichtiger Gewinnsucht befangen waren, erhellt am Rande auch ihre einfältige »Laune«, sich mit aller Macht jene Scharlatane an die Höfe zu holen, die vorgaben, Gold machen zu können. - Erst seit der »Münzkonvention« von 1753 sollte sich allmählich die Einsicht durchsetzen, dass die Währungsprobleme des Deutschen Reiches nur im Zusammenwirken aller Stände gelöst werden konnten!

So unheilvoll die große Münzkrise das schicksalhafte und kriegerische 17. Jahrhundert eröffnet hat, so hoffnungsvoll markiert eine der schönsten Münzen deutscher Prägung sein Ende - der »Lämmleinsdukaten« der Nürnberger Bürgerschaft zum Jahr 1700 spricht die alte Sehnsucht der Menschen aus: »Kröne, o Herr, durch Gewährung des Friedens unsere Zeiten.«
 
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