Zeitungen und Nachrichten im 17. und 18. Jahrhundert

Man streitet sich noch über den ersten Erfinder der Zeitungen. »Wer es auch sein mag, ich schätze ihn so sehr, als den Erfinder irgend eines Dinges der Welt [...]«, schrieb 1780 der Wiener Kulturhistoriker Johann Pezzl. Man hat diesen Erfinder bis heute nicht ausmachen können, man wird ihn wohl auch nie aufspüren: die Zeitung ist das Kind menschlicher Neugier - und damit im Grunde so alt wie die Menschheit selbst!

Das Wort »Zeitung« bedeutet denn auch seinem ursprünglichen Sinn nach nichts anderes als »Neuigkeit«, eben das, was die menschliche Neugier befriedigt. Bis ins späte Mittelalter hinein gab sich diese Neugier verhältnismäßig bescheiden: Zwar waren Kaiser und Fürsten durch ihre berittenen Kuriere recht gut informiert, Klöster und Universitäten tauschten längst schon über ihre Botendienste untereinander Nachrichten aus; die meisten Bürger aber waren mit dem zufrieden, was innerhalb der engen Stadtmauern unter ihren Augen geschah, was sie im nachbarlichen Gespräch erfuhren und mitteilen konnten. Erst als fremde Länder entdeckt wurden, als die Religionsstreitigkeiten in das private Leben eingriffen, als die heranrückenden Türken als schreckliche Gefahr empfunden wurden, überstieg die bürgerliche Neugier die Stadtmauer: man wollte jetzt genau wissen, was draußen in der Welt vor sich ging.

Bewegliche LetterDruckerhandwerk und Druckerkunst. Satz und Druck mit beweglichen Lettern, 17. Jahrhundert.

Kurioses und Ernsthaftes aus Politik und Wirtschaft
Vom Brief zur Zeitung

So wurde es zu Beginn des 16. Jahrhunderts mehr und mehr üblich, im amtlichen und persönlichen Briefverkehr auch alle Neuigkeiten mitzuteilen, deren man habhaft werden konnte: Ein Anhang zum Brief oder ein beigelegter Zettel enthielten als »geschriebene Zeitung« Nachrichten aus aller Welt, die dann häufig kopiert und im Bekanntenkreis weitergereicht wurden. Eine Sammlung solcher »Zettel-Zeitungen« aus dem Kloster Tegernsee vermittelt einen lebendigen Eindruck von dem, was damals als interessant galt: Da werden wundersame Begebenheiten erzählt, da wird etwa berichtet von den Gräueltaten des Fürsten Dracol aus der Wallachei - ein früher Gruß von Dracula!

Der Inhalt der »geschriebenen Zeitung« erschöpfte sich jedoch keineswegs in Kuriositäten. Denn hier wurden vor allem auch wichtige politische und wirtschaftliche Informationen weitergegeben. Das Augsburger Handelshaus Fugger orientierte sich bei seinen geschäftlichen Unternehmungen maßgeblich an solchen Nachrichten: die »Fugger-Zeitung« wurde von einem Agentennetz beschickt, das sich fast über die ganze Erde erstreckte; Gewährsmänner waren dabei Gesandte und Kaufleute ebenso wie Studenten und Landsknechte. Einer Rechnung aus dem Jahre 1588 ist zu entnehmen, dass der »Zeitungsschreiber« Crasser innerhalb von zwei Monaten 61 Bogen mit Nachrichten an die Familie Fugger lieferte; für jeden Bogen wurde ihm ein Honorar von vier Kreuzern gezahlt. Damit unterschied sich die »geschriebene Zeitung« eigentlich nur wenig von den »vertraulichen Informationsdiensten« unserer Tage.

Es geht wohl auf die richtige Einsicht von Buchdruckern und Formschneidern zurück, dass sich solcherart Neuigkeiten mit Gewinn auch einem größeren Interessentenkreis verkaufen ließen. Um 1500 tauchen allenthalben gedruckte »Neue Zeitungen« auf - Nachricht und Druckerpresse waren jenes Bündnis eingegangen, das bis heute das Wesen der Zeitung ausmacht: die »Presse« war geboren! Gutenbergs Erfindung erst hatte die Voraussetzungen für die massenhafte Verbreitung von Neuigkeiten geschaffen.

In ihrer äußeren Aufmachung ahmten diese mehrseitigen Zeitungen die »Flugblätter« nach, in denen die politischen und religiösen Händel der damaligen Zeit ausgefochten wurden. In reißerischen Titelbildern wurden wüste Schlachtenszenen ausgemalt, die Überschriften versprachen Abenteuerliches: »Von den neuen Inseln und Landen, so itzt kürzlich erfunden worden sind.« Zweifelsohne wird in diesen »Neuen Zeitungen«, die auf den Märkten vertrieben wurden, der Vorläufer unserer Sensationspresse fassbar!

So wundert es nicht, dass die »sehr gräulichen, erschrecklichen Zeitungen« die »glücklichen und sieglichen« bei weitem überwiegen. Da geht es um Türkenkrieg und Mord, um Mäuseplagen und Missgeburten; da toben sich Hexenhysterie und Wundersucht aus: In Straßburg musste 1533 der Rat einschreiten, als ein Zeitgenosse seine Erfahrungen im Umgang mit dem Teufel zum besten geben wollte. Grausamkeit wurde genüsslich serviert: Das Titelblatt der »Erweiterten Unholden-Zeitung« zeigt einen Verbrecher im siedenden Pechkessel, während die Schergen eifrig nachheizen. Hier flattern auch die ersten Zeitungs-»Enten« auf, so wenn etwa vermeldet wird »von dem Papst zu Rom, wie er sich zu Tode gefallen hat von seinem Stuhl« - je unglaubwürdiger die Geschehnisse, um so nachdrücklicher wird ihre »Wahrhaftigkeit« betont. Es ist sicher bezeichnend, dass einzelne Exemplare nur unter der Ladentheke gehandelt wurden! In diesem Genre waren schon damals Prozesse wegen obszöner Darstellungen oder wegen Beleidigung von Kaiser und Papst nichts Ungewöhnliches. Die Herausgeber der »Neuen Zeitungen« - man vermutet heute Gelehrte und Postmeister, Geistliche und Stadtschreiber - blieben aus begreiflichen Gründen meist anonym.

Zeitung im 17. JahrhundertDie Zeitung und ihr Publikum. Das Neueste aus aller Welt, gesungen, vorgelesen und auf dem Markt verkauft. Radierung von Jan Georg van Vliet.

Auf dem Weg zu Periodizität und Aktualität
Die Messrelationen

Zeitungen in unserem heutigen Sinn waren diese Neuigkeiten-Blätter jedoch nicht: es fehlten ihnen Aktualität und regelmäßige Erscheinungsweise. Die ersten periodischen Publikationen gehen in Deutschland wohl auf den Wiener Michael von Aitzing zurück, der seit 1583 jeweils zu den großen Frühjahrs- und Herbstmessen seine »Relatio historica« auflegte. Aitzing distanzierte sich im Anspruchsniveau seiner »Relationen« deutlich von den »Neuen Zeitungen«: Er wollte über die »großen Ereignisse« berichten und nicht, »dass sich eines Prädicanten Weib erhängt habe«.

Der verlegerische Zusammenhang mit den Handelsmessen war geschickt gewählt - das internationale Publikum gab einen vorzüglichen Umschlagplatz für Nachrichten ab und bildete gleichzeitig den besten Markt für die »Messrelationen«: Welcher Kaufmann ließ es sich schon entgehen, gedruckte Neuigkeiten mit nach Hause zu bringen? So ist es nicht verwunderlich, dass das Unternehmen des Michael von Aitzing zu einem großen geschäftlichen Erfolg wurde und bald Nachahmer und Konkurrenten fand. Die »Frankfurter Messrelationen« hatten immerhin bis weit ins 19. Jahrhundert hinein Bestand.

Der Erfolg der »Messrelationen« mag den Anstoß gegeben haben, Zeitungen nun auch »wöchentlich« erscheinen zu lassen. Im Jahre 1609 tauchen unabhängig voneinander die beiden wohl ersten deutschen Wochenzeitungen auf: die »Straßburger Relation« des Druckers Johann Carolus und der »Aviso«, als dessen nicht genannter Erscheinungsort heute Wolfenbüttel angenommen wird. Deutschland gilt damit als Ursprungsland der Zeitung! Die ersten periodischen Blätter lassen sich in Holland 1618, in England und Frankreich 1620 nachweisen; Russland erhielt seine erste Zeitung um 1703.

In rascher Folge wurden nun auch - unter oft bombastischen Titeln - in anderen deutschen Städten »Wöchentliche Zeitungen« aufgelegt: in Frankfurt 1615, Hamburg 1616, Hildesheim und Nürnberg 1620, Wien 1623, Magdeburg 1626, Augsburg 1627, München 1628 und Leipzig 1630.

Das Nachrichtenangebot dieser frühen deutschen Zeitungen bestand aus einem kunterbunten Gemisch wahllos zusammengefügter Meldungen. So berichtete die erste Nummer des »Aviso« vom böhmischen Landtag und von mährischen Gesandten, von verheerenden Sturmfluten in Holland und von Übergriffen des Pöbels gegen das Albrechtskloster zu Breslau. In solchem Aktualitäten-Wust findet sich allerdings gelegentlich auch ein echter »Treffer«: Unter dem 4. September 1609 meldet die »Straßburger Relation«, dass ein »Signor Gallileo« von Florenz ein Fernrohr erfunden habe, »durch welches man auf 30 Meil entlegene Ort sehen kann, als wäre solches in der Nah«. Die Berichterstattung beschränkte sich ausschließlich auf »einkommende«, das heißt auswärtige, möglichst ausländische Neuigkeiten - die Ereignisse des Dreißigjährigen Krieges etwa spielten erstaunlicherweise oft nur eine untergeordnete Rolle! Kommentare und lokale Interna wurden strikt ausgespart: kein Drucker oder Verleger wollte die Konzession des Rates oder des Stadtherrn leichtfertig aufs Spiel setzen.

Die Nachrichten wurden in den meisten Fällen wohl von eigenen Agenten bezogen. Als um 1633 ein Leipziger Buchdrucker bei der städtischen Behörde um eine Zeitungslizenz nachsuchte, berief er sich darauf, dass er »in vielen Orten mit hoch angesehenen vom Adel, auch Liebhabern der Historien, vornehmen Handelsleuten und Amtspersonen in guter Korrespondenz« stehe. Nicht selten wurde jedoch, wie sich leicht nachweisen lässt, bedenkenlos bei Konkurrenzzeitungen abgeschrieben: der Zuverlässigkeit der Meldungen war dieses Verfahren indes nicht unbedingt förderlich. Der Herausgeber der »Straßburger Relation« appellierte denn auch an die Nachsicht des »großgünstigen Lesers« und bat ihn, er möge Fehler »seinem vernünftigen wissen nach unbeschwert selbsten korrigieren, Endern und verbessern«. In der Entschuldigung für solche Irrtümer, dass nämlich »bey der Nacht eylend gefertigt werden muss«, schwingt schon etwas von der sprichwörtlichen Journalisten-Hektik unserer Tage mit.

Dabei waren die ersten Zeitungen in ihrer äußeren Aufmachung keineswegs sonderlich anspruchsvoll gestaltet. Die Schreibheftgröße hatte sich als Format weitgehend durchgesetzt; eine Ausgabe umfasste selten mehr als acht Seiten. Die Auflagenhöhe dürfte im 17. Jahrhundert zwischen 100 und 200 Exemplaren geschwankt haben. Verhältnismäßig früh schon war das Abonnementsystem verbreitet, eigene Zustelldienste existierten jedoch noch nicht. Bald gingen einzelne Zeitungen dazu über, zwei oder mehr Ausgaben pro Woche erscheinen zu lassen. Am 1. Januar 1660 brachte der Leipziger Buchhändler Ritzsch seine »Neueinlaufende Nachricht von Kriegs- und Welthändeln« als erste deutsche Tageszeitung heraus!

AvisoTitelblätter früher Zeitungsausgaben. »Aviso Relation oder Zeitung« nannte man 1609 noch unsicher die vielleicht früheste Wochenzeitung der Welt. Sie brachte sogar Nachrichten aus Ost- und Westindien (oben links). Nach 1618 war der Krieg ein Hauptthema der Gazetten, daneben allerhand Kurioses und Unterhaltendes. Ein Exemplar von 1663 berichtet über die Türkenkriege. 1664 ein schon sehr »standardisiertes« Titelblatt mit laufender Nummer und Hinweis auf die Periodizität, mit Zeitungsname und Zeitungskopf (unten rechts).

Merkur mit Flügelschuhen - Der Postreiter
Jede Änderung der Erscheinungsweise wurde in der Regel auch dazu benutzt, den Titel umzugestalten oder gar zu wechseln - die nachmals berühmte »Vossische Zeitung« ist unter annähernd 30 verschiedenen Namen erschienen! Um so größerer Beständigkeit erfreuten sich dagegen die Titelvignetten: Mit wenigen Ausnahmen führten die Zeitungen des 17. Jahrhunderts in ihren Kopfleisten den »fliegenden Postreuter« oder seinen göttlichen Vorläufer aus der Antike, Merkur mit den Flügelschuhen.

Das Bild des Postreiters symbolisiert auch die enge Verbindung der Post mit der Entstehung und Entwicklung des deutschen Zeitungswesens. Als der Kaiser 1595 dem Geschlecht der Taxis das Reichspostregal als erbliches Lehen übertrug, entstand in kurzer Zeit entlang der Hauptverkehrswege ein Netz von »Posten«, von Relaisstationen, an denen die Pferde der Postkuriere gewechselt und die Sendungen entsprechend ihrer Bestimmung weitergeleitet wurden. Die wöchentlichen »Posttage« wurden nun maßgeblich für die Zustellung auch der Zeitungen und bestimmten damit lange deren Erscheinungsweise - einzelne Blätter bezeichneten sich ausdrücklich als »Posttäglich einkommende Zeitungen«.

Nicht wenige Postmeister (Vorsteher der Poststationen) nutzten die Gunst ihrer Stellung, um selbst als Zeitungsherausgeber in Erscheinung zu treten. In den Poststationen liefen Nachrichten und Neuigkeiten zusammen wie sonst wohl kaum an einem anderen Ort; der Zeitungsvertrieb ließ sich leicht und praktisch unentgeltlich über das postalische Verteilungsnetz leiten; und überdies erfreuten sich die Postmeister als Amtspersonen einer besonderen Glaubwürdigkeit: »Post-Zeitung« oder »Zeitung aus dem Posthause« sind die im 17. Jahrhundert am meisten verbreiteten Titel! Einzelne Postmeister verstanden es - so etwa in Frankfurt -, sich kaiserliche Zeitungsprivilegien zu verschaffen und damit jede Konkurrenz auszuschalten. Auf die erbitterten Eingaben der nicht privilegierten hin musste der Rat der Stadt schließlich erklären, dass die Zeitung »kein Annexum oder Pertinenz des Postwesens« sei - der Kampf gegen Zeitungsmonopole hat in Deutschland offenkundig eine lange Geschichte.

Richtschnur aller Klugheit oder Objekt staatlicher Zensur?
Auch die unerschöpfliche Diskussion um die verderbliche Wirkung der Massenmedien ist keineswegs neu: Schon im 17. Jahrhundert wetterten Gelehrte und Geistliche gegen »eitles, unnötiges, unzeitiges und daher arbeitsstörendes, mit unersättlicher Begierde getriebenen Zeitungslesen«; um 1679 kanzelte der Superintendent von Rotenburg die »Neue Zeitungssucht« gar als »sündlich« ab. Zum einsamen Anwalt der Presse machte sich der Barockdichter Caspar Stieler: »Die Zeitungen sind der Grund, die Anweisung und Richtschnur aller Klugheit, und wer die Zeitungen nicht achtet, der bleibt immer und ewig ein elender Prülker und Stümper in der Wissenschaft der Welt und ihrem Spielwerk. [...]«

Das Gezeter ihrer kulturbeflissenen und frömmelnden Kritiker hat die Entwicklung der Zeitung denn auch nicht aufzuhalten vermocht; verhängnisvoller wirkten sich hier schon die Auflagen und Eingriffe der staatlichen Zensur aus. Besonders seit dem 18. Jahrhundert zwangen die absolutistischen Fürsten die Blätter zu totaler politischer Abstinenz. Ein Dekret des sächsischen Kurfürsten verordnete all denen, die sich »unterständen und angemaßet, Zeitungen zu schreiben«, sich »unzulässigen Raisonnements [...] zu enthalten oder widrigen Falles harter, unnachbleiblicher Bestrafung dafür, nach Befinden mit Gefängnisse, Verweisung von der Stadt oder Festungs-Baue« gewärtig zu sein.

Auch das viel zitierte Wort Friedrichs II. von Preußen bei seinem Regierungsantritt 1740 - »Gazetten, wenn sie interessant seyn sollten, müssten nicht geniret (behindert) werden« - blieb in der politischen Wirklichkeit lediglich eine schöne Absichtserklärung: kaum zehn Jahre später hat der König »gnädigst gut befunden, die ehemalige seit einiger Zeit in Abgang gekommene Zensur wiederherzustellen«. Einen Kölner Zeitungsmann, der nicht eben im friderizianischen Sinne schrieb, ließ er - für damalige Verhältnisse keineswegs ungewöhnlich!
- gegen ein »Honorar« von 50 Dukaten so gründlich verprügeln, dass es fortan keine Anstände mehr gab. Dabei verstand es Friedrich gut, sich einzelne Zeitungen als »Sprachrohre« zur Rechtfertigung seiner Politik dienstbar zu machen - Feldzugsberichte eines anonymen »preußischen Offiziers« stammten aus der Feder des Königs selbst!

Inserate, Feuilletons und Vermischte Seiten im Schutz der Zensurbehörden
Die strengen Zensurbestimmungen haben die innere Gestalt der deutschen Zeitung im 18. Jahrhundert grundlegend verändert. Als Prototyp des gänzlich unpolitischen Journals entstand jetzt das meist in staatlicher Regie herausgegebene »Intelligenzblatt«: Neben amtlichen Bekanntmachungen wurde hier den Lesern gelehrte Unterweisung geboten; Zwangsabonnements sicherten die hohen Auflagen. In diesen Blättern erschienen auch die ersten geschäftlichen Anzeigen. Der Staat hatte sich dabei das einträgliche Inseratenmonopol gesichert!

Unter den gegebenen Umständen verlagerte sich der Schwerpunkt der journalistischen Darstellung allgemein auf den kulturell-geistigen Bereich. Die »Vossische Zeitung« in Berlin gewann 1751 Lessing als Redakteur für Literatur; in Königsberg schrieben Kant und Herder für die Tagespresse; Matthias Claudius redigierte in Hamburg den »Wandsbecker Boten«: erster Höhepunkt des deutschen Feuilletons! In diesen Jahren schärfster staatlicher Überwachung bildeten sich auch die unverfänglichen »Vermischten Seiten« heraus: Hier stehen fortan die »Kuriositäten«; unter der Rubrik »Avertissements« finden sich Familienanzeigen; hier tauchen als »Eingesandtes« Leserbriefspalten auf - und 1789 erscheint die erste Wettervorhersage.

Die Zeitung des 18. Jahrhunderts war bunt geworden, interessant war sie nach dem Urteil scharfsichtiger Zeitgenossen gleichwohl nur sehr bedingt. Leicht konnte der Freiheitsdichter Friedrich Christian Daniel Schubart (1739-1791) die angepassten Journalisten verhöhnen: »Unter allen kriechenden Kreaturen des Erdbodens ist der Zeitungsschreiber die kriechendste.« Allenfalls in der liberaleren Luft des hanseatischen Hamburg war es noch - wie dies der »Unparteiische Korrespondent« herausstreicht - eher möglich, den Lesern »das Neueste so in der politischen Welt vorgehet, kund zu machen, als [...] ihnen anzusagen, dass ein Schriftsteller in Gnaden entbunden worden ist und die gelehrte Welt mit einer neuen Schrift erfreut hat«. Kritische politische Meinungsäußerung nahm jetzt wieder Zuflucht zur »geschriebenen Zettel-Zeitung«. - Der Kampf um die »Press-Freiheit« sollte erst von den folgenden Generationen geführt werden!

Die große Tradition des deutschen Zeitungswesens ist im 21. Jahrhundert jäh abgerissen: Die bedeutenden Blätter aus der Frühzeit der deutschen Presse - die »Vossische«, die »Königsberger«, »Magdeburgische«, »Leipziger«, die »Schlesische« - haben allesamt den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg nicht überlebt. Die älteste Zeitung der Bundesrepublik, die »Hildesheimer Allgemeine«, hat am 29. April 2005 ihr 300jähriges Jubiläum gefeiert.
 
Kategorie: Absolutismus Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 4609 - Zeitungen und Nachrichten im 17. und 18. Jahrhundert
Zeitungen | Nachrichten | 17 | 18 | Jahrhundert | Absolutismus
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF