Um die Begriffe Althochdeutsch, Mittelhochdeutsch und Neuhochdeutsch einerseits sowie Niederdeutsch, Mitteldeutsch, Oberdeutsch zu verstehen, muss man sich verdeutlichen, dass die erste Einteilung eine chronologische (zeitliche), die zweite eine geografisch-regionale ist.
Niederdeutsch
Kennzeichnung für die Sprachregion nördlich der sogenannten Benrather Linie von Aachen über Köln-Benrath, die Gegend nördlich Siegen, Kassel, Harz, südlich vorbei an Magdeburg und Berlin und weiter nach Nordosten in die Wartheregion.
Mittel- und Oberdeutsch: Hochdeutsch
Die Sprachregion südlich der Benrather Linie bis in das Alpengebiet. Diese Sprachregion wird unter dem Begriff hochdeutsche Region zusammengefasst. Das Althochdeutsche ist die älteste, schriftlich überlieferte Sprachform der hochdeutschen Sprachentwicklung und entfaltet sich zwischen 750 und 1050. Seine verschiedenen Mundarten (Alemannisch, Bairisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch, Mittelfränkisch) nahmen an der sogenannten 2. Lautverschiebung teil und heben sich dadurch vom Germanischen ab. Das Niederdeutsch nahm an dieser Lautverschiebung nicht teil, sodass sich Niederdeutsch und Hochdeutsch auseinanderentwickelten. Der auch verwendete Begriff Altsächsisch ist mit Alt-Niederdeutsch identisch.
Typische Sprachänderungen in Beispielen
1. Die Konsonanten p, t, k des Germanischen werden im Althochdeutschen unter bestimmten Umständen zu ff, zz, hh oder pf tz, kch. Zum Beispiel: Slepan → slafan (schlafen), etan → ezzan (essen), holta → holz, appla → apful (Apfel).
2. d, b, g werden unter bestimmten Umständen zu t, p, k. Zum Beispiel: Dag → Tag, brothar → Bruder.
3. Ein i-Umlaut in der Folgesilbe führt zu Änderungen wie beim Plural von Gast: gasti zu gesti (Gäste). Hinzu kommen viele weitere diffizile Änderungen.
Unterschiede Nieder-, Mittel- Oberdeutsch
Die auseinanderstrebende Sprachentwicklung wird an einigen wenigen Beispielen schnell deutlich:
Niederdeutsch: dorp → maken → appel
Westmitteldeutsch: dorp/dorf → maken/machen → appel
Ostmitteldeutsch: dorf → machen → apfel
Oberdeutsch: dorf → machen → apfel
Entwicklung der Dialekte
Bis zur späteren mittelhochdeutschen Phase (1050-1500) entwickeln sich auch auf der Grundlage dieser geschilderten Unterschiede die deutschen Dialekte:
Niederdeutsch: Friesisch, Nordniederdeutsch (mit Holsteinisch, Mecklenburgisch, Märkisch, Pommersch), Ostniederdeutsch, Westfälisch, Ostfälisch.
Hochdeutsch: Ripuarisch (um Köln), Moselfränkisch, Rheinfränkisch (Rheinpfalz, Rheinhessen, Oberhessen), Ostmitteldeutsch (Thüringen, Sachsen, Schlesien), Ostfränkisch (Franken), Alemannisch (und Schwäbisch), Bairisch (und Österreichisch).
Der Begriff »Deutsch«
»Deutsch« hat möglicherweise seinen Ursprung in »theudiskaz«, d. h. »zum Volke gehörig«. In der Tat wird der Begriff zur Bezeichnung der Volkssprache im Gegensatz zum Latein der »Gebildeten« verwendet. Erstmals taucht der Begriff als »theodisce« in einem Bericht des Nuntius Georg von Ostia an Papst Hadrian I. 786 auf. In der Aristoteles Übersetzung des Mönches Notker von St. Gallen erscheint um 1000 der Begriff »diutisc«. Zur festen Bezeichnung wird deutsch aber erst rund hundert bis zweihundert Jahre später im Annolied um 1180 und in der Kaiserchronik von 1150.
Literarische Regionen des Althochdeutschen
Mittelfränkisch: Um die Zentren Echternach, Trier, Köln. Beispiel: Gesetzestexte Ludwigs des Frommen (»Trierer Kapitulare«), 10. Jahrhundert.
Rheinfränkisch: Um die Zentren Mainz, Lorsch, Speyer, Worms. Beispiele: Niederschrift der Merseburger Zaubersprüche, Straßburger Eide.
Ostfränkisch: Um die Zentren Fulda, Würzburg, Bamberg. Beispiele: »Tatian«, um 830, sozusagen das »Normal-Althochdeutsch«.
Südrheinfränkisch: Um Weißenburg im Elsass. Beispiel: Otfrieds Evangelienharmonien, um 865.
Alemannisch: Um die Zentren St. Gallen, Reichenau, Straßburg. Beispiele: Übersetzung antiker Werke durch Notker Labeo um 1000, Vocabularis Sti. Galli, Interlinearversion der Benediktinerregel.
Bairisch: Um die Zentren Regensburg, Freising, Salzburg u. a. Beispiele: Abrogans, 8. Jahrhundert, Muspilli, 9. Jahrhundert, bairische Vorlage der erhaltenen Teile des Hildebrandsliedes.
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