Die Jugend Friedrichs II. in Palermo

Es wird berichtet, dass der König von Sizilien in den wirren Jahren seiner Jugend oft genug allein und auf sich selbst gestellt durch Palermo gestreift sei, und wer weiß wohin geraten wäre, wenn sich nicht ein paar Familien aus Gutmütigkeit seiner angenommen und den König mit durchgefüttert hätten. Mit einer planvollen und konsequenten Erziehung kann es unter diesen Umständen nicht weit her gewesen sein. Und doch muss er sich in jener Zeit weitergebildet haben. Dem Dreizehnjährigen wurde nachgerühmt, dass er kräftig und gelenkig sei und mit Waffen und Pferden gewandt und sicher umzugehen verstehe. Darüber hinaus erwarb er sich eine erstaunliche geistige Bildung - aus welchen Quellen, ist nicht ganz klar. Gewissheit besteht darüber, dass er arabische Lehrer hatte, die ihn nicht nur in ihre Sprache und in die Geisteswelt des Islam einführten, sondern ihn auch für naturwissenschaftliche und medizinische Fragen interessierten.

Außerdem scheint er in seiner ungebundenen Freiheit alles gelesen zu haben, was er erreichen konnte - ungeordnet zwar, aber mit dem Ergebnis, dass er später über ein Wissen verfügte, das die Welt in Staunen versetzte. Und noch etwas lernte er angesichts der Macht- und Habgier seiner Umwelt: Menschenkenntnis und Misstrauen gegenüber den Menschen.

Nach normannisch-sizilianischem Recht wurde Friedrich II. mündig, als er am 26. Dezember 1208 sein vierzehntes Lebensjahr vollendete. Nun schien es seinem päpstlichen Vormund an der Zeit, den König zu verheiraten, und eine Braut war auch schon zur Hand. Es handelte sich um die fast elf Jahre ältere Konstanze von Aragon, verwitwete Königin von Ungarn, eine Dame aus einem papsttreuen Haus. Dem König mochte die Mitgift der Braut verlockend erscheinen, fünfhundert spanische Ritter, eine beachtliche Streitmacht für den fast mittellosen Sizilianer.

Die Ritter starben zwar bald großenteils an einer Seuche dahin, aber auch ohne sie unterwarf Friedrich II. in den folgenden Jahren durch sein entschlossenes Auftreten Sizilien. Und noch etwas Erstaunliches geschah in dieser Zeit: Zwischen Konstanze und Friedrich II. die politisches Kalkül zusammengeführt hatte, entwickelte sich eine echte Zuneigung, die auch dadurch nicht getrübt wurde, dass sich während der Ehe außer dem einzigen gemeinsamen Sohn Heinrich (1211) auch noch Enzio einstellte, Friedrichs erster unehelicher Sohn. Der König war eben »ein außerordentlicher Liebhaber weiblicher Reize«, wie der italienische Chronist Riccobaldi aus Ferrara bemerkte. Später soll er sich »Scharen schöner Frauen« gehalten haben.

Wie sehr seine Neigung gerade der ersten Gemahlin gegolten haben muss, das geht auch daraus hervor, dass er ihr nach ihrem Tod 1222 seine eigene sizilianische Krone mit ins Grab im Dom von Palermo gab und auf den Sarkophag die lateinische Inschrift setzen ließ: »Ich war Konstanze, die Königin Siziliens, Gemahlin des Kaisers, ich wohne nun hier, Friedrich, die deine«.

Als im Jahre 1212 der Ruf an Friedrich II. erging, nach Deutschland zu kommen und gegen Otto IV. anzutreten, da war auch Konstanze unter denen, die von dem höchst ungewissen Abenteuer abrieten. Friedrich II. unternahm den Zug nach Deutschland trotz aller Bedenken.
 
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Referat: 4438 - Die Jugend Friedrichs II. in Palermo
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