Im Jahr 1216 war Innozenz III. gestorben, ohne von Friedrich II. bindende Zusagen in der Nachfolgefrage erhalten zu haben. Nach seinem Tod wurden die Karten neu gemischt, und zwar zugunsten Friedrichs. Der Nachfolger auf dem Stuhl Petri, Honorius III., war ein erfahrener Finanzmann, aber kein Politiker vom Rang seiner Vorgänger, kein Kämpfer, sondern ein versöhnlicher Kirchenfürst, der sich zunächst um den geplanten Kreuzzug kümmerte. Ihm gegenüber hatte Friedrich II. leichteres Spiel bei der Durchsetzung seiner dynastischen Pläne. Sein Ziel war es, die Thronfolge in Deutschland zu sichern und seinen Sohn Heinrich zum König wählen zu lassen. Die weltlichen Großen waren zu diesem Schritt bereit, denn sie hofften, während der Abwesenheit Friedrichs II. unter einem minderjährigen König Heinrich ihre Stellung weiter ausbauen zu können. Die geistlichen Fürsten mussten erst durch Zugeständnisse gewonnen werden. In einer vertraglichen »Vereinbarung mit den Kirchenfürsten« (lat.: »Confoederatio cum principibus ecclesiasticis«) bestätigte ihnen Friedrich II. 1220 weitreichende Rechte, die die königliche Einflussnahme auf geistliche Territorien praktisch ausschalteten und die geistlichen Fürsten fast unabhängig machten.
Daraufhin ging die Wahl glatt über die Bühne. König Heinrich (VII.) vereinigte nun allen früheren Zusicherungen zum Trotz die beiden Kronen, wenn auch der Königstitel von Sizilien fortan in seinen Urkunden nicht mehr auftauchte.
Papst Honorius III. nahm diesen Wandel der Dinge nicht widerspruchslos hin, aber er ließ sich mit einer gewundenen Erklärung und mit dem Hinweis auf den Kreuzzug besänftigen. Noch im gleichen Jahr verließ Friedrich II. Deutschland, wohin er erst wieder zurückkehrte, als sich sein Sohn Heinrich (VII.) gegen ihn erhob.
Auf dem Weg nach Sizilien machte er in Rom halt, um dort am 22. November 1220 die Kaiserkrone zu empfangen. Das gute Einvernehmen zwischen ihm und Honorius III. wurde durch Umarmung besiegelt.
Radikale politische Reformen im Königreich Sizilien
Wenige Tage danach war Friedrich II. bereits auf dem Weg nach dem Süden. Nicht an der Spitze eines Heeres war er aufgebrochen wie sein Vater Heinrich VI. In seiner Begleitung waren nur einige Berater und ein kleiner Zug von Bewaffneten, denn Friedrich II. liebte es, durch seine Persönlichkeit zu wirken und nicht durch Gewalt. Ausdrücklich ließ er erklären, dass er als legitimer Nachkomme der normannischen Könige und als Erbe seiner Mutter die Herrschaft beanspruche, nicht als Kaiser und Sohn Heinrichs VI., dessen Andenken in Sizilien ja durch die bekannten Gewalttaten verdunkelt war.
In Capua hielt er 1220 seinen ersten Hoftag ab, dessen Beschlüsse, die sogenannten „Assisen von Capua", eine neue politische Ordnung für das sizilianische Reich begründeten, das seit Jahrzehnten nicht mehr die Hand einer starken Zentralgewalt verspürt hatte. In das nach dem Tod Heinrichs VI. entstandene Machtvakuum war der Adel eingedrungen und hatte königliche Rechte usurpiert und königliches Gut an sich gerissen. Friedrich II. ließ nun alle unrechtmäßig entfremdeten Krongüter zurückfordern, ließ sich die ohne seine Genehmigung erbauten Burgen des Adels ausliefern (denn auch Burgenbau war ja königliches Recht!) und erklärte sogar rechtmäßig erworbene Privilegien für ungültig, wenn sie nicht umgehend von ihm erneuert würden. Eine einheitliche Gesetzgebung und ein allgemeiner Landfriede sollte die Untertanen vor Willkür und Gewalt schützen.
Das bedeutete aber nicht, dass alle Untertanen die gleichen Rechte besessen hätten. Schon aus Rücksicht auf den Papst und die Beschlüsse des vierten Laterankonzils ließ Friedrich II. alle Ketzer eifrig verfolgen und zwang die Juden, gelbe Stofffetzen auf der Kleidung zu tragen. Die Sarazenen auf Sizilien wurden nach blutigen Kämpfen zwangsweise nach Lucera in Apulien umgesiedelt. Dort gewährte ihnen Friedrich II. allerdings volle Glaubensfreiheit und Selbstverwaltung inmitten einer feindlichen christlichen Umwelt mit dem Erfolg, dass die Sarazenen seine dankbarsten und treuesten Anhänger wurden. Zudem waren sie nicht getauft und deshalb auch für Aktionen verwendbar, die für Getaufte Sünde gewesen wären - ein ›modern‹ anmutender Schachzug in Friedrichs II. Politik, die man heute pragmatische »Realpolitik« nennen würde!
Auf dem Hoftag von Capua wurde mit einer neuen Wirtschaftspolitik begonnen. Eine rigorose staatliche Zoll- und Steuerpolitik und die Monopolisierung des Handels steigerten die Einkünfte der Krone auf Kosten genuesischer und venezianischer Kaufleute, die den Reichtum Siziliens bisher ausgebeutet hatten. Ein Teil der neu erschlossenen Einkünfte floss in den Bau einer eigenen Flotte, die bereits wenige Jahre später hundert große Galeeren umfasste. Andere Gelder flossen in die Unterhaltung stehender Truppen und in den Burgenbau.
Und noch eine andere große Änderung im Staat Friedrichs II. bahnte sich an. Der feudale Lehnsstaat wandelte sich zum Juristen- und Beamtenstaat. Zwar stellten sich auch Mitglieder des Feudaladels für Verwaltungsaufgaben in den Dienst der Krone, aber für die vielfältigen Aufgaben des zentral regierten Staates war ein Heer von juristisch gebildeten Beamten nötig.
Für sie schuf der Kaiser 1224 eine eigene hohe Schule, die Universität von Neapel. »Gelehrte Männer fordern wir zu unserem Dienst heraus, um ihnen - gebildet durch den Eifer des Studiums von Jus und Justitia [lat.: Recht und Gerechtigkeit] - ohne Sorge die Staatsverwaltung anvertrauen zu können.« So steht es in der Stiftungsurkunde der Universität. Für alles sorgte der Kaiser: für die Verfassung der Universität, für den Unterhalt der Studenten, für die Berufung hervorragender Lehrer. Er verfügte allerdings auch, dass keiner seiner Untertanen an einer auswärtigen Universität studieren dürfe. Die neue Elite sollte ein reibungslos funktionierendes Werkzeug im Dienst der Krone werden.
Diese Entwicklung zu einem modernen, entfeudalisierten Staat war nur in Sizilien möglich, wo die normannischen Könige schon die verwaltungstechnischen Grundlagen dafür entwickelt hatten und wo das Lehnssystem die Lehnsträger viel stärker an den König band, in Deutschland und in der Lombardei waren diese Voraussetzungen nicht gegeben. Deshalb verlief hier die weitere Entwicklung anders.
Während Friedrich II. sein sizilianisches Reich mit aller Energie neu organisierte, blieb ein sehr heikles Problem noch in der Schwebe. Wie erinnerlich, hatte er nach seiner Krönung in Aachen 1215 das Kreuz genommen und das Kreuzzugsgelöbnis später wiederholt. Im Jahr 1225 musste er sich schließlich unter Androhung des Bannes dazu verpflichten, die Fahrt bis spätestens 1227 anzutreten.
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