Abenteurer und Glücksritter: Casanova, Calzabigi, Cagliostro

Ohne das Abenteuer würde der Geschichte ein befruchtendes Element fehlen, und abenteuerliche Gestalten verschiedenster Prägung, wagemutige Männer wie skrupellose Glücksritter, haben immer wieder ihren Lauf beeinflusst. Selbst mancher, den wir zu den ›Großen‹ der Geschichte zählen, zeigt in seinem Verhalten typische Züge des Abenteurers im guten wie im schlechten Sinn. Staatsmänner wurden häufig genug zu Glücksrittern und umgekehrt.

In der deutschen Geschichte ist keine Zeit so reich an merkwürdigen abenteuerlichen Gestalten und seltsamen Glücksrittern wie das 18. Jahrhundert. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: An den vielen größeren und kleineren Höfen fanden sie leicht Unterschlupf, die Fürsten waren oft erstaunlich leichtsinnig und großzügig. Selbst so verhaltene Charaktere wie der »Soldatenkönig« Friedrich Wilhelm von Preußen erlagen vereinzelt dem Einfluss solcher zwielichtiger Gestalten. Das hing nicht zuletzt damit zusammen, dass alle Herrscher der Zeit Geld brauchten, viel Geld sogar, und das nutzten Wirrköpfe und Scharlatane, die ihnen versprachen, auf alchimistischem Wege unedle Metalle in edle zu verwandeln und sie damit aller Finanzsorgen zu entheben. Prunk- und Machtentfaltung, die vergnügungssüchtige Atmosphäre an vielen Höfen, die lockeren Sitten, der Lebenswandel vieler Fürsten und ihre Weiberaffären, die auf die Hofgesellschaft abfärbten, erleichterten Glücksrittern aller Art und Herkunft ihr Auftreten und ihre Machenschaften.

Als weiterer, nicht zu unterschätzender Faktor kam noch die für die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts charakteristische Vorliebe für Geheimbünde und -gesellschaften hinzu, die auch weite Kreise des gebildeten Bürgertums erfasst. Unter ihrem Deckmantel und Schutz konnte sich so manche umstrittene Persönlichkeit entfalten, und es fällt oft schwer, zwischen Scharlatanen, Schwärmern und überzeugten Idealisten zu unterscheiden.

Erstaunlicherweise sind wir über einige dieser Persönlichkeiten recht gut informiert, da sie entweder selbst Erinnerungen verfassten oder in der zeitgenössischen Memoiren- und Skandalliteratur als bemerkenswerte Subjekte recht breit vorgestellt wurden. Das bekannteste Werk dieser Art sind wohl die Memoiren des Italieners Giacomo Casanova, der ja auch verschiedene deutsche Fürstenhöfe besuchte bzw. heimsuchte und darüber ausführlich berichtete. Kaum weniger bekannt auf deutscher Seite sind die Lebenserinnerungen des Freiherrn Friedrich von der Trenck, von dessen etwas gestörtem Verhältnis zur historischen Wahrheit noch genauer die Rede sein wird. Zur Gattung der höfischen Chronique scandaleuse gehören Titel wie das einst so eifrig gelesene »Galante Sachsen« des Freiherrn von Pöllnitz, der ja selbst in der Reihe der Glücksritter einen bemerkenswerten Platz einnahm.

Neben den »Großen«, denen wir gelegentlich wegen ihrer Genialität oder auch nur Frechheit eine gewisse Bewunderung nicht versagen können, gab es aber noch die vielen kleinen Glücksritter, Gauner, Spieler, die zahlreichen Namenlosen, verarmte Adelige und Bürgerliche, die sich wohlklingende Namen zulegten, an den Höfen herumschmarotzten oder sich in den Städten bei wohlhabenden Bürgern anbiederten, stets auf die günstige Gelegenheit für irgendeinen kleinen Coup lauernd, der ihnen das Überleben sicherte. Lessing hat diesen Typ in seiner »Minna von Barnhelm« mit der Figur des Riccaut de la Marliniere treffend charakterisiert. Leute wie er richteten allerdings noch den geringsten Schaden an; denn sie lebten vom Spiel, neigten zur gelegentlichen Korrektur ihres Gedichtes mit nicht ganz legalen Mitteln, zum »corriger la fortune«, wie es eben dieser Riccaut zu nennen pflegte, suchten und fanden aber überwiegend ihre Opfer nur in gleichgestimmten Spielernaturen vor allem in Offizierskreisen.

Weit gefährlicher waren da schon jene Abenteurer, die völlig unverfroren auftraten und ihre oft hohen Gönner geschickt an der Nase herumzuführen wussten. Besonders leicht hatten es häufig Ausländer, die von vornherein als etwas Besonderes angesehen wurden.

Casanova, Calzabigi, Cagliostro
Die drei bekanntesten unter ihnen waren wohl Casanova, Cagliostro und der Graf von Saint Germain. Giacomo Casanova (*1725, †1798) trieb sich an allen bedeutenden deutschen Fürstenhöfen herum. Er war fünfunddreißig, als er das erste Mal nach Stuttgart kam. »Der Hof des Herzogs von Württemberg«, so schrieb er später, »war zu jener Zeit der glänzendste von ganz Europa.« Und solches Urteil aus der Feder eines erfahrenen Weltmannes zählt gewichtig. Er hatte allerdings wenig Glück dort; denn ausgerechnet in drei württembergischen Offizieren fand er, der mit allen Wassern gewaschene Spieler, seine Meister und verlor in einer Nacht hunderttausend Franken. Sie hätten ihn betrunken gemacht, erzählte er später ganz empört, und so sah er auch keinen Hinderungsgrund, warum er sich der drohenden Schuldhaft nicht durch Flucht in die benachbarte Schweiz entziehen sollte. Der Schreck saß ihm allerdings so tief in den Gliedern, dass er sogar mit dem Gedanken spielte, in Einsiedeln Mönch zu werden!

1764 kam er wieder nach Deutschland, besuchte erst den Hof in Braunschweig und reiste dann weiter nach Potsdam, wo er sogleich Kontakte mit einem Landsmann aufnahm, dem aus Livorno stammenden Antonio da Calzabigi (*nach 1714, †nach 1767), der ebenfalls wusste, wie man den Leuten das Geld aus der Tasche holte und für Friedrich den Großen die erste preußische Staatslotterie organisierte. Sogar eine Audienz bei Friedrich dem Großen erhielt Casanova. Eine Anstellung ausgerechnet als Hofmeister und Kadettenerzieher scheiterte aber am Anblick der verdreckten kleinen pommerschen Junker und des wegen eines herumstehenden Nachttopfes wie ein Feldwebel schimpfenden Königs. Casanova schüttelte mit Grausen den Staub Preußens von seinen Füßen und reiste nach Russland weiter. Dabei wäre es ihm wahrscheinlich bei Friedrich immer noch besser ergangen als später in Wien, wo ihn Maria Theresia ausweisen ließ. Die Kaiserin liebte ebensowenig wie ihr Sohn Joseph II. solche Abenteurernaturen, die deshalb bei Hofe kein Betätigungsfeld fanden.

Giovanni Giacomo CasanovaBewundert und gehasst: Giovanni Giacomo Casanova, Chevalier de Seingalt, italienischer Abenteurer und Frauenheld, dessen Memoiren bis heute ihre Liebhaber finden.

Im Gegensatz zum Frauenhelden und Spieler Casanova versuchte Graf Cagliostro alias Joseph Balsamo aus Palermo (*1743, †1795) sein Glück über die Freimaurerlogen. Seine Aufenthalte in Berlin, Wien und Frankfurt a. M. blieben allerdings nur Episoden. Dafür machte ihn aber Goethe im »Großkophta« zum Titelhelden eines Schauspiels, und Schiller wurde durch ihn und sein Auftreten zu seinem »Geisterseher« angeregt.

Der Goldmacher Graf von St. Germain
Die berüchtigste Gestalt war aber wohl der Graf von Saint Germain (gest. um 1790), um dessen Auftreten sich ein ganzer Kranz von Legenden rankt, zumal er es geflissentlich mit dem Schimmer des Geheimnisvollen umgab. Woher er stammte, weiß man nicht. Die Vermutungen reichen vom spanischen Jesuiten über einen armen Savoyarden und italienischen Geigenspieler bis zum portugiesischen Juden. Als angeblicher Goldmacher verkörperte er den dritten Typ des Abenteurers. An den deutschen Fürstenhöfen trat er erstmals 1774 als verhältnismäßig alter Mann auf, nachdem er sich zuvor schon an verschiedenen europäischen Höfen einen geradezu legendären Ruf erworben und Betrügereien in solchem Umfang ausgeführt hatte, dass wir ihn heute als Wirtschaftsverbrecher ersten Ranges einstufen würden.

In den österreichischen Niederlanden prellte er den bevollmächtigten Minister Graf Cobenzl mit Plänen für eine Farbstofffabrik gleich um hunderttausend Gulden. Mit seinen Farbexperimenten führte er sich auch beim Markgrafen Karl Alexander von Ansbach ein, bei dem er sich als letzter Spross des Fürsten von Siebenbürgen ausgab. Die dank der Leichtgläubigkeit des Markgrafen für Saint Germain recht lukrative Episode endete nach zwei Jahren. Danach versuchte er sein Betätigungsfeld nach Preußen zu verlegen und bot Friedrich dem Großen gleich dreiundzwanzig industrielle Geheimverfahren an, darunter Färbemittel, Rezepte zum Herstellen von Likören, Arzneien und Schönheitsmitteln. Obgleich der König ihm mitteilen ließ, man sei in Preußen »sehr ungläubig«, reiste er doch nach Berlin, wo er sich allerdings sehr zurückhielt. Doch hinderte ihn solche Vorsicht nicht daran, in der Gesellschaft mit seinem Lebenselixier zu prahlen, dem er angeblich ein Alter von mehreren Hundert Jahren zu verdanken hatte, auch ließ er seine Fähigkeiten als Goldmacher durchblicken.

Aber so recht warm werden konnte er bei den aufgeklärten Berlinern doch nicht und so wandte er sich schließlich an den Gouverneur von Schleswig, den Prinzen Karl von Hessen, dessen alchimistische Neigungen ihm bekannt waren. Er versprach ihm Geheimmittel zur Vergrößerung von Perlen und zur Entfernung von Flecken in Diamanten, und prompt richtete ihm der Prinz eine Fabrik ein, in der er mehrere Jahre bis zu seinem Tod nach Herzenslust herumexperimentieren und Geld verschwenden durfte.

Mätressen an allen Höfen
Hinter solchen fremden Vorbildern und Lehrmeistern brauchten sich aber die deutschen Abenteurer und Glücksritter keineswegs zu verstecken. Hier lässt sich sogar einmal von einer frühen Gleichberechtigung der Geschlechten sprechen, begegnen wir doch unter ihnen auch mehrfach ›Damen‹ mit etwas zweifelhaftem Ruf, die sich nach dem Erfolg versprechenden Vorbild der königlichen Mätressen in Frankreich über die diversen fürstlichen Betten nach oben arbeiteten und oft einen ganzen Schwärm von Lakaien und Günstlingen nach sich zogen. Diese ›Damen‹ beeinflussten gleichermaßen Politik und Wirtschaft und waren natürlich in erster Linie daran interessiert, sich selbst zu bereichern. Wenn auch Karl Eduard Vehse in den achtundvierzig Bänden seiner 1851-1859 verfassten »Geschichte der deutschen Höfe« manches Material gesammelt hat, so fehlt doch noch eine gründliche Geschichte der Mätressenwirtschaft, die ein aufschlussreiches kulturhistorisches Dokument wäre. Mag beispielsweise das »Galante Sachsen« des Herrn von Pöllnitz auch eine dubiose Quelle sein, so gewährt das Werk doch farbige und stellenweise sogar amüsante Einblicke in den Hof Augusts des Starken, der seine Mätressen häufiger als seine Hemden wechselte. Aufstieg, Korruption und Fall der jeweiligen Favoritinnen ist dort in einer Reihe von Beispielen dargestellt, die sich in ähnlicher Art auch auf verschiedene andere Höfe übertragen ließen.

Die meisten Damen stammten aus dem Adel, wie etwas das Fräulein von Graevenitz, die Geliebte Eberhard Ludwigs von Württemberg, oder Aurora von Königsmark, die wohl berühmteste Mätresse Augusts des Starken, konnten aber auch aus einfachsten Kreisen kommen wie die Gräfin Lichtenau, geborene Wilhelmine Encke, Tochter eines Trompeters und einflussreiche Geliebte Friedrich Wilhelms II. von Preußen. Wenn sie ihre Reize - und damit ihren Einfluss - eingebüßt hatten, wurden manche der Damen versorgt und an Höflinge verheiratet wie die erwähnte Lichtenau-Encke, fielen gelegentlich aber auch sehr tief wie etwa die Gräfin Cosel, die fünfzehn Jahre an der Seite Augusts des Starken mit vierzig Jahren Verbannung auf der abgelegenen Burg Stolpen bezahlte.

Vom Gold zum Porzellan: J. F. Böttger
Bemerkenswert sind aber vor allem die Lebenswege einiger Männer. Am bekanntesten wurde wohl jener Johann Friedrich Böttger (*1682, †1719), dem bei aller Scharlatanerie vielleicht eine großartige Erfindung gelang. Er ist geradezu das Musterbeispiel jener zahlreichen kleinen Alchimisten, wie sie sich schon seit der Zeit Kaiser Rudolfs II. mit ihren prahlerischen Versprechungen an den Fürstenhöfen anzubiedern suchten. Böttger scheint ein gerissener Bursche gewesen zu sein: schon als sechzehnjähriger Apothekergehilfe behauptete er in Berlin, Gold herstellen zu können. Wie er das Kunststück tatsächlich schaffte und vor allem, wo er das Gold dazu herhatte, wissen wir bis heute nicht; jedenfalls führte er staunenden Zuschauern eine solche Umwandlung vor. Als sich aber König Friedrich I. von Preußen für ihn und seine Experimente interessierte, wurde ihm der Boden unter den Füßen zu heiß und er flüchtete nach Sachsen. Dort kam er vom Regen in die Traufe, denn August der Starke, der sich in noch viel größeren Geldnöten als der Preußenkönig befand, ließ ihn sogleich unter scharfer Bewachung nach Dresden bringen. Erstaunlicherweise gelang es Böttger, den König drei ganze Jahre hinzuhalten, aber nach einem Fluchtversuch wurde er auf die Festung Königstein eingeliefert, wo er weiter laborieren musste. Dabei gelang ihm nach der Legende im sechsten Jahr seiner Haft die Erfindung des Porzellans, dessen Herstellung bisher nur die Chinesen kannten. (Nach anderer Auffassung ist es eine Erfindung des Physikers Ehrenfried von Tschirnhausen.) Im Auftrag des hocherfreuten Königs baute er daraufhin in Meißen die erste Porzellanmanufaktur auf, blieb aber weiterhin in Haft. Als er, erst vierunddreißigjährig, starb, hatte er achtzehn Jahre seines kurzen Lebens in Gefangenschaft verbracht!

Die Alchimisten: Johann Friedrich Böttger und Giuseppe Balsamo (Alessandro Graf Cagliostro)Abenteurer zwischen Scharlatanerie und Wissenschaft.
Links: Johann Friedrich Böttger, Alchimist und Erfinder des Böttger-Steinzeugs, das er zusammen mit E. W. v. Tschirnhausen zum europäischen Porzellan weiterentwickelte. Begründer der Meißener Porzellanmanufaktur.
Rechts: Giuseppe Balsamo, genannt Alessandro Graf Cagliostro, Apotheker, Alchimist, Wunderheiler, Hellseher.


Offiziere, Hofnarren, Magnetiseure
Ein ähnliches Gefangenenschicksal erlebte ein anderer Abenteurer dieser Zeit, der Freiherr Friedrich von der Trenck (*1726, †1794). Als er 1787 seine »Memoiren« veröffentlichte, erregte er damit erhebliches Aufsehen; denn darin wurde kurz nach dem Tode Friedrichs des Großen erstmals am Helden- und Vorbild des Königs tüchtig gerüttelt, und Trenck stellte ihn als einen selbstherrlichen Despoten hin. Er erzählt, wie er als neunzehnjähriger Offizier auf Befehl Friedrichs verhaftet wurde, weil er angeblich eine Liebesaffäre mit dessen Schwester Amalie anknüpfte. Man steckte ihn in die Festung Glatz, aus der ihm nach einem Jahr die Flucht nach Österreich gelang, wo er als Rittmeister in ein ungarisches Regiment eintrat. Als er 1750 wegen einer Erbschaftsangelegenheit nach Danzig reiste, wurde er dort auf Antrag Preußens verhaftet und ausgeliefert. Dreizehn Jahre musste er, angeblich an seinen eigenen Leichenstein gekettet, in einem Kerker in Magdeburg schmachten. Dann erst ließ ihn Friedrich auf Bitten Maria Theresias frei.

Heute steht man seiner in den Memoiren erhobenen Behauptung von einem Verhältnis mit Prinzessin Amalie höchst skeptisch gegenüber. Möglicherweise erfolgte die erste Verhaftung wegen konspirativer Verbindung mit seinem Vetter, dem berüchtigten österreichischen Pandurenobersten Trenck, und die zweite wegen der Flucht, die als Fahnenflucht geahndet wurde, wenn sich auch die harte Magdeburger Haft, an der man nicht zweifelt, durch nichts rechtfertigen lässt. Später näherte sich Trenck noch einmal für ein paar Jahre dem Nachfolger Friedrichs des Großen und verteidigte diesen sogar gegen eine Schmähschrift des französischen Grafen Mirabeau. Als die Französische Revolution ausbrach, sah Trenck neue Chancen für seine Ideen im Kampf gegen Despotismus und Unterdrückung. Er ging nach Paris, wurde dort aber als angeblicher Geheimagent angeklagt, verhaftet und endete - nur einen Tag vor Robespierre - auf der Guillotine.

Neben solchen aus Abenteuer und Tragik gemischten Schicksalen nehmen sich andere recht harmlos aus. Da ist beispielsweise der schon erwähnte Baron Pöllnitz, der Verfasser des »Galanten Sachsen«. Wie Casanova und Trenck schrieb auch er Memoiren, die uns das Selbstporträt eines typischen Glücksritters der Zeit überliefern, der sich wie Casanova - aber im Niveau doch einige Stufen unter ihm - an deutschen und ausländischen Fürstenhöfen herumtrieb, ein Spieler und Betrüger, zugleich aber auch ein gewitzter Sensationsschriftsteller, dessen diverse Skandalchroniken eine seltsame Mischung aus Wahrheit und Erfindung bieten. 1735 landete er nach manchen Irrfahrten am Hof Friedrich Wilhelms I. in Berlin, wurde mehr Hofnarr als Kammerherr, eine Zielscheibe des Spotts auch für den späteren Friedrich den Großen, brachte es aber immerhin von 1763 bis 1771 zum Leiter des Königlichen Theaters. Als er 1775 starb, schrieb Friedrich: »Er ist gestorben, wie er gelebt hat, mit Gaunereien bis zum letzten Lebenstage. Betrauert wird er nur von seinen Gläubigern.« Wo aber lässt sich jener Franz Anton Mesmer (*1734, †1815) einordnen, der auf den sogenannten »tierischen Magnetismus« ein eigentümliches Heilverfahren zu gründen suchte? War er ein Scharlatan oder ein genialer Heilpraktiker bzw. Arzt, oder war er beides? Immerhin erzielte er in Wien und Paris beachtliche Erfolge und wurde sogar zum Mitglied der Österreichischen Akademie ernannt, was allerdings nicht verhinderte, dass er die Stadt wegen merkwürdiger Praktiken heimlich verlassen musste.

Geheimgesellschaften
Abenteurer und Glücksritter fanden auch Zugang zu den damals so beliebten geheimen Gesellschaften. Die Freimaurer, die 1737 ihre erste Loge in Deutschland gründeten, vereinten bedeutende Männer in ihrer Gemeinschaft, unter anderen Friedrich den Großen, Goethe, Herder, Mozart. Aber ihr Geheimkult und ihre oft schwer verständlichen Zeremonien erleichterten Betrügern ihr Handwerk, allen voran dem berüchtigten Leipziger Kaffeehausbesitzer Johann Georg Schrepfer. Freimaurische und alchimistische Vorstellungen mischten sich in dem seit 1760 entstandenen »Gold- und Rosenkreuzer-Orden«, den der ehemalige Theologe Johann Christoph Wöllner als Sprungbrett für seine politischen Machenschaften in Preußen benutzte. Neben diesen großen Geheimbünden gab es noch zahlreiche kleinere wie die »Ritter und Brüder St. Johannis des Evangelisten aus Asien« in Süddeutschland, die »Afrikanischen Bauherrn« und die »Kreuzbrüder« in Preußen, die Orden der »Kette« und der »Pilgrimme« in Thüringen. Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution und vor allem in den napoleonischen Kriegen verschwand dieses Phänomen oder wurde zumindest auf ein erträgliches Maß zurückgedrängt.
 
Kategorie: Aufklärung und Ende des Deutschen Reiches Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 6805 - Abenteurer und Glücksritter: Casanova, Calzabigi, Cagliostro
Abenteurer | Glücksritter | Casanova | Calzabigi | Cagliostro | Aufklärung | Ende | Deutschen | Reiches
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF