Am Anfang des Christentums im fränkischen Reich steht ein Ereignis, das die Menschen der Zeit offenbar tief beeindruckt hat: die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig im Jahre 498. Gregor von Tours, Bischof und Chronist der Merowinger, berichtet darüber in seiner Geschichte der Franken (»Gesta Francorum«): »Als er aber zur Taufe eintrat, redete ihn der Heilige Geist mit beredtem Munde also an: Beuge demütig dein Haupt, stolzer Sigambrer! Bete an, was du verbrannt hast, verbrenne, was du angebetet hast!« Eine Taube, so ergänzt die fromme Legende, sei vom Himmel herabgeschwebt und habe in ihrem Schnabel dem Bischof Remigius, der den Taufakt in Reims vollzog, ein Fläschchen mit dem heiligen Salböl überbracht. In dieser Weise hat sich die Taufe Chlodwigs dem Volk zu Recht als ein Vorgang von großer Bedeutung eingeprägt. Hier wurden die Grundlagen gelegt für jene wechselvolle Verbindung zwischen Kirche und fränkischem Königtum, die den Verlauf der mittelalterlichen Geschichte so entscheidend bestimmen sollte.
Das Bündnis mit der römischen Kirche
Mit Chlodwig wurden noch 3000 Adelige getauft, die zunächst stellvertretend für das ganze fränkische Volk den katholischen Glauben annahmen. Andere Berichte sprechen von 6000 Getauften, aber sie zählen wohl all jene Franken mit, die des geschenkten Taufhemdes wegen mehrfach zur Taufe erschienen.
Nach der Überlieferung soll Chlodwig mit seiner Taufe ein Versprechen eingelöst haben, das er in einer Entscheidungsschlacht gegen die Alemannen in höchster Bedrängnis dem Christengott gegeben hatte. Auch das Vorbild seiner frommen Gemahlin Chlothilde, einer katholischen Prinzessin aus Burgund, mochte ihn in seiner Absicht bestärkt haben. Mit dem katholischen Glauben übernahmen die Franken das Bekenntnis der unterworfenen römischen Bevölkerung in Gallien.
Chlodwig konnte sich nun ihres Gehorsams und vor allem auch der politischen Unterstützung ihrer Bischöfe sicher sein, die ihn immer wieder zu diesem Schritt ermuntert hatten. Anders als die übrigen bedeutenden germanischen Völkerschaften vor allem im Osten Europas, die als arianische Christen aus katholischer Sicht einer »Irrlehre« anhingen und sich bewusst von der rechtgläubigen Bevölkerung absonderten, suchte Chlodwig die enge Zusammenarbeit mit der römischen Kirche. In einem Glückwunschschreiben zu seiner Taufe konnte ihm der Bischof von Vienne begeistert zurufen: »Dein Glaube ist unser Sieg!« - ein Satz, der in gleicher Weise auch umgekehrt gültig war. Während die ostgermanischen Stämme an diesem religiösen Gegensatz zur galloromanischen Glaubenslehre scheiterten, gelang es Chlodwig und seinen Söhnen, sich ein Reich zu unterwerfen, das praktisch ganz Mittel- und Westeuropa umfasste.
Lange schon vor der Christianisierung der Franken lassen sich Spuren kirchlichen Lebens auch im östlichen Teil dieses Reiches, dem späteren Deutschland, feststellen. In Trier, Köln, Mainz, Augsburg, Regensburg hatten sich in der Spätantike im Gefolge der römischen Besatzung kleine christliche Gemeinden gebildet, die allerdings in der Völkerwanderungszeit vielfach wieder untergingen. Die Germanen huldigten vor ihrer Christianisierung einem heidnischen Götterglauben.
Im Donnern des Gewitters verehrten sie das Walten Donars, in den ziehenden Wolkenfetzen erblickten sie Wodan, den Allvater und Schlachtenlenker. Auf steinernen Altären in freier Natur brachten sie ihren Göttern Tier- und Menschenopfer dar, um sie gnädig zu stimmen. Die Verkündigung des christlichen Glaubens traf gerade in den oft kriegerischen Wirren der Völkerwanderungszeit bei den Germanen auf große Bereitschaft. Der »siegreiche Krist« entsprach ihrer Vorstellungswelt, und sein Erlösungsversprechen machte Mut und gab Hoffnung. Christus hatte sich als stärker erwiesen als die alten sterblichen Götter, er war für sie der »strahlende Osterheld«, der Schöpfer, Gesetzgeber und Richter zugleich. Bezeichnenderweise findet der leidende Christus in diesem Denken keinen Platz.
Die Franken hatten bei ihrem raschen Übertritt den neuen Glauben zwangsläufig nur oberflächlich angenommen. Das Christentum war wie eine dünne Decke über das Volk gebreitet worden, an vielen Stellen schimmerte das Heidentum hindurch, und unter der Oberfläche waren die alten Vorstellungen noch mächtig. Getaufte Christen murmelten weiter ihre Zaubersprüche und trugen Amulette aus Bernstein zur Abwehr der bösen Dämonen. An den alten Kultstätten wurde gleichzeitig das Gedächtnis Christi gefeiert und zu Ehren der heidnischen Götter um den Sonnenwagen getanzt. Die Franken waren christianisiert, nicht aber wirklich bekehrt worden. Die sittlichen Forderungen des Christentums hatten ihre Wildheit nicht zu brechen vermocht. »In ihren Werken findet man keine Spur ihres Glaubens«, urteilte ein Zeitgenosse. Erschreckende Beispiele bieten dafür Laster und Verbrechen der merowingischen Königsfamilie: eigenhändig durchgeführte Gatten-, Bruder- und Kindermorde gehörten fast zum Alltag.
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