Reform Hand in Hand mit dem Kaiser

Anstöße zu einer Klosterreform in Deutschland kamen nicht nur von Cluny, sondern auch von der lothringischen Benediktinerabtei Gorze bei Metz.

Gorze war im Jahr 749 von Bischof Chrodegang von Metz als Eigenkloster gegründet und dann dem Bistum Metz übertragen worden. Nach einer ersten Blütezeit setzte vorübergehender Verfall unter der Herrschaft von Laienäbten ein. Dann jedoch, im reformfreudigen 10. Jahrhundert, trat unter dem Bischof Adalbero von Metz ein entscheidender Umschwung ein. Seit 933 wurde Gorze Zentrum und Ausgangspunkt eines neuen strengen, mönchischen Geistes im Sinne benediktinischer Tradition mit herber Askese und strengen Bußbestimmungen. Diese Reform fand selbstständig und ohne Abhängigkeit von der gleichzeitigen Entwicklung in Cluny statt. Gorze mit seiner berühmten Klosterbibliothek war auch die Stätte der wissenschaftlichen Studien, aus der während der Blütezeit der Abtei bis zum 12. Jahrhundert eine Reihe gelehrter Männer hervorging.

Johannes, der zweite Abt, scheint ein Mann gewesen zu sein, der die in Gorze propagierten Tugenden besonders rein verkörperte. Sein Biograf, Abt Johannes von St. Arnulf in Metz, rühmt ihm nach, dass er außerordentliche Strenge gegen sich selbst mit großer Güte gegenüber anderen verbunden habe und dass er einer der belesensten und kenntnisreichsten Männer seiner Zeit gewesen sei.

Die von Gorze ausgehende Reform erfasste zunächst die benachbarten lothringischen Diözesen, fanden aber bald durch die Vermittlung des Klosters St. Maximin bei Trier Eingang nach Deutschland. Dank der Anteilnahme, die adelige Klosterherrn, Bischöfe und Könige, unter ihnen besonders Heinrich II. und Konrad IL, an der Gorzer Reform nahmen, breitete sie sich weit über das deutsche Reich aus und erfasste unter anderen die großen Abteien Prüm, St. Emmeram in Regensburg, Fulda, Corvey und Reichenau.

Anders als Cluny strebten die Gorzer Klöster keine streng organisierte Kongregation an, sondern entwickelte eine Art von klösterlichem ›Föderalismus‹ aus losen Klostergruppen, deren Grenzen sich auch verändern konnten. Die Gorzer suchten sich auch nicht von dem jeweiligen Diözesanbischof oder von dem adeligen Eigenkirchenherrn zu lösen.

Gegen Ende des 11. Jahrhunderts setzten sich radikalere Gruppen durch und schlossen sich teilweise Cluny an, dessen Geist nun - obgleich nicht unwidersprochen - in manchen Reichsklöstern Eingang fand und die antikaiserliche Partei stärkte.

Unterschiede in Stichworten
Gorze
Askese: Einem Bischof unterstellt.
Schutzherr: Vogt oder Eigenklosterherr Einzelklöster.
Abt: Primus inter Pares, d. h. relativ gleichgestellt Klostervogtei unumstritten.
Insgesamt weniger radikal in der Kirchenreform engagiert, in der Tendenz und in der Sache eher auf kaiserlicher Seite.

Cluny-Hirsau
Prunkvolle Liturgie. Freiheit von bischöflicher und weltlicher Gewalt.
Einziger Schutzherr: Papst.
Klosterverband - Filiation: Tochter- und Mutterklöster.
Abt: herausragende Stellung: »König der Mönche«.
Vogtei und Eigenkirchenwesen werden bekämpft.
Systematische Verbreitung der eigenen reformierten Regel.
Aristokratische Führungsschicht.
Stark auf der Seite des Reformpapsttums. Ob Cluny den Investiturstreit verursacht hat, ist umstritten.
 
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