Ordensritter und Schwertbrüder in der livländischen Krise

Eine neue Phase der Ordensgeschichte leitete jene päpstliche Anordnung ein, wonach der im Jahre 1202 von Bischof Albert von Riga gegründete Ritterorden, der sogenannte »Schwertbrüderorden«, der Livland, Estland und Teile Kurlands gewonnen hatte, sich mit dem Deutschritterorden zusammenschließen sollte. Die Schwertbrüder bildeten die Kampfgruppe des Bischofs. Sie hatten gerade eine empfindliche Niederlage hinnehmen müssen in einem Kampf gegen die Litauer 1236. Damit waren ihre Chancen sehr gering geworden, in Livland eine Landesherrschaft auszubauen, was der dortige Bischof sowieso zu verhindern getrachtet hatte, obwohl er die Kurie hinter den Schwertbrüdern wusste. Nun kam es aufgrund päpstlicher Verfügung zur Fusion zwischen den beiden Ritterorden, wobei der Deutsche Orden in Livland die Besitzrechte und Pflichten der Schwertbrüder übernahm.

In den folgenden Jahren musste der Ritterorden nicht nur in diesem, seinem eigentlichen Wirkungsfeld, das noch lange nicht dauerhaft unterworfen war, pruzzische, russische und dänische Vorstöße abwehren. Erst im Februar 1249 kam es nach wechselvollen und harten Kämpfen zur Unterwerfung der Pruzzen, die das Christentum annahmen und sich zum Kriegsdienst verpflichten mussten. Dass der Orden eine besondere Art von Kriegsführung pflegte, zeigt der Stil des Friedensschlusses: Man ließ die Kampfhandlungen mit einer pathetischen Versöhnungsfeier endigen, versprach den Unterworfenen gute Priester und gestand ihnen ausdrücklich das Besitz- und Erbrecht zu.

Expansion und Sicherung der Grenzen
Da nach der Unterwerfung der Pruzzen die Landverbindung nach Livland durch einen etwa 400 Kilometer breiten Gebietsstreifen unterbrochen blieb, der Litauen und Schamaiten zugehörte, lag es im Interesse des Ordens, eine günstige Lösung der ›Korridorfrage‹ zu finden. Der litauische König zeigte sich schon zu Zugeständnissen bereit, als jedoch Meinungsverschiedenheiten über das Kriegsrecht die Schamaiten zu einem Überfall auf das pruzzisch-livländische Bundesheer veranlassten. Die Niederlage der Ordensstreitmacht hatte einen allgemeinen Aufstand im späteren Ostpreußen und in Livland zur Folge. Der Orden musste erneut die Ritterschaft Europas um Hilfe ersuchen. Nach jahrelangen Kämpfen gelang es, Kuren, Pruzzen, Sudanen und Semgallen zu unterwerfen. Litauen blieb unbesiegt und ließ sich nicht missionieren - ein »heidnischer« Keil zwischen dem pruzzischen und livländischen Ordensland.

Bald entstanden neue Probleme im Westen um das Herzogtum Pommerellen (weitgehend der Ostteil von Hinterpommern), auf das polnische Teilfürsten, Brandenburg und Rügen Anspruchsrechte geltend machten. Der Orden konnte zwar den Brandenburger Anspruch zurückweisen und das Wohlwollen des nordpolnischen Herzogs Wladislaw gewinnen, aber plötzlich schlug dieser, sobald er polnischer König geworden war, einen ordensfeindlichen Kurs ein. Ein Prozess sollte die Pommerellenfrage klären. Da Wladislaw nicht zum Erfolg kam, eröffnete er den Krieg. Erst König Kasimir der Große lenkte ein, als der Papst, der nicht zulassen wollte, dass sich ausgerechnet ein christlicher König mit dem Orden bekriegen sollte, Einspruch erhob. Der Kalische Friede (Kalisch, Ort westlich von Lodz) 1343 übertrug dem Orden die Pommerellen. Die westlich dieses Gebietes gelegenen Territorien kaufte der Orden bis zur Oder den in Finanznot geratenen Fürsten ab.
 
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