Bischöfliches Kidnapping

Es war dann der Erzbischof Anno von Köln, der sich durch einen wohlvorbereiteten Überfall (1062) in Kaiserswerth des jungen Königs bemächtigte. Der suchte sich zwar mutig zu befreien und sprang entschlossen in voller Kleidung in den Rhein. Doch vergebens. - Dass der ehrgeizige Anno mit diesem Coup seinen eigenen Einfluss im Reich steigern wollte, versteht sich von selbst. Dabei hatte er von der Kaiserin, die sich kurz darauf zu Papst Alexander II. zurückzog und später als treue Anhängerin Gregors VII. zwischen ihrem Sohn und dem Papst zu vermitteln suchte, zunächst nichts zu befürchten. Doch musste er bald mit dem Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen seine Macht teilen und diesem einen entscheidenden Einfluss auf die Reichsgeschäfte einräumen.

Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen war bereits 1043 durch Kaiser Heinrich III. zum Erzbischof von Hamburg-Bremen ernannt worden und hatte 1046 auf eine Erhebung zum Papst verzichtet. Um so eifriger betätigte er sich im slawischen Missionsraum, in dem er die Kirchenorganisation im Gebiet des Abodritenfürsten Gottschalk geschickt und energisch ausbaute. Sein Wirken ließ jedoch bald die Grenzen Ostholsteins und des mittleren Mecklenburgs weit hinter sich und konzentrierte sich auf die Schaffung eines die Nord- und Ostseeländer umfassenden Patriarchats. Aber Adalbert, dessen Verdienste um die Mission bis ins weit entlegene Grönland umstritten sind, stieß auf heftigen Widerstand des Reformpapsttums und der um ihre nationale Selbstständigkeit besorgten Kirchen des Nordens. Natürlich verfolgte auch die Mehrzahl der anderen Reichsfürsten seine Politik mit wachsendem Misstrauen. Sie erreichten 1066 bei einem Fürstentag in Tribur (Pfalz), dass Adalbert sich vom Königshof zurückziehen musste. Hatte er doch sogar die berühmten Reichsabteien Corvey an der Weser und Lorsch bei Worms seinem »Imperium« eingliedern wollen.

Im Jahre 1069 kehrte Adalbert wieder in die Umgebung des Königs zurück, erreichte allerdings seinen früheren Einfluss nicht mehr. Lampert von Hersfeld, der spätere Abt des Klosters Hasungen bei Kassel, behauptete in seinen »Annalen« wohl nicht zu Unrecht, dass dieser gewiss hochbegabte, seine Macht ohne Bedenken einsetzende und sehr selbstbewusste Kirchenfürst sich zunächst »fast die Alleinherrschaft anzueignen schien«.
 
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