Sturz der Merowinger, Krönung des Hausmeiers Pippin zum König

Diesen Hausmeier hinderte an der Erhebung zum König lediglich die überkommene Auffassung von der Weihe und magischen Kraft der Mitglieder des Königshauses, der amtierende Merowingerkönig Childerich III. war politisch ein Schwächling und hätte kein Hindernis für eine offizielle Machtergreifung gebildet, denn längst hatte sein Hausmeier mehr Macht als dieser »Schattenkönig«. Pippin ließ nun durch den Abt von St. Denis und den Bischof von Würzburg in Rom anfragen »betreffs der Könige im Frankenreich, die damals nicht die königliche (Amts-)Gewalt besaßen, ob das gut sei oder nicht«. Papst Zacharias ließ ausrichten: »Es sei besser, dass der König heiße, der die Gewalt habe, als der, dem keine königliche Gewalt verblieben sei«. Pippin schickte darauf Childerich III. in ein Kloster, wurde 751 in Soissons vom fränkischen Adel zum König gewählt und vom päpstlichen Legaten Bonifatius gesalbt. Diese Königssalbung war keine Neuerung, auch die Westgoten hatten sie nach alttestamentarischem Vorbild übernommen, um den gewählten König aus der Schar der Großen herauszuheben. Für Pippin den Jüngeren war es wichtig, dass ihm das bisher fehlende Charisma, die »Geblütsheiligkeit«, verliehen worden war und er nun eine eigene Königssippe begründen konnte.

Franken, Langobarden und der Kirchenstaat
In Italien hatte sich das politische Bild seit der Ostgotenzeit völlig verändert. Kaum hatte Byzanz in jahrzehntelangen, harten Kämpfen die Halbinsel den Ostgoten abgerungen und als oströmische Provinz eingerichtet, fielen 568 von Norden her die Langobarden ein.

Gegen 650 ergibt sich folgende Situation: Oberitalien, die »Lombardei«, ist fest in der Hand der Langobarden, und zu ihrem Reich gehören auch weite Teile Mittelitaliens. Dieses Langobardenreich wird durch byzantinische Gebiete von den langobardischen Herzogtümern Spoleto und Benevent in Unteritalien getrennt. Auch nach dem offiziellen Frieden suchen die Langobarden jede Gelegenheit, Byzanz die restlichen italienischen Besitzungen abzujagen. Als sie bei einer dieser Unternehmungen in der Grafschaft (d. h. dem »Dukat« von) Rom eingefallen waren, hatte 739/40 Papst Gregor III., der hier faktisch unabhängig von Byzanz regierte, das erste Mal die Franken um Hilfe gebeten. Karl Martell hatte sich jedoch zurückgehalten, da ihm die Langobarden im Kampf gegen die Araber Waffenhilfe geleistet hatten und er sie nicht zu seinen Feinden machen wollte. Als aber Papst Stephan II. 754 von der gleichen Gefahr bedroht wurde und persönlich in der Residenz Pippins des Jüngeren erschien, nachdem er den eigentlichen Schutzherrn, den oströmischen Kaiser, vergeblich um Hilfe gebeten hatte, erhielt er von Pippin ein feierliches Schutzversprechen, ja sogar die urkundlich verbriefte Versicherung, dass der König der Franken die Rückgabe ehemaliger byzantinischer Gebiete »an die Römer« garantiere, wozu vor allem Ravenna - der Sitz des byzantinischen Statthalters - und der Dukat von Rom gehörten. Als Gegenleistung wiederholte der Papst die Königssalbung, um noch einmal in aller Öffentlichkeit die Würde und Weihe der neuen karolingischen Königssippe hervorzuheben, und verlieh Pippin dem Jüngeren und seinen Söhnen, wahrscheinlich sogar im Einverständnis mit dem Kaiser in Byzanz, den Titel »Patricius Romanorum«, Schutzherr der Römer.

In zwei Feldzügen erzwang Pippin der Jüngere daraufhin von den Langobarden die Herausgabe der Eroberungen an den Papst. Dies war die Geburtsstunde des Kirchenstaats: Der Papst tritt offiziell seine weltliche Herrschaft an und löst sich aus der Abhängigkeit vom oströmischen Kaisertum. In der päpstlichen Kanzlei wurde die sogenannte »Pippinsche Schenkung« sofort in einen recht weitgehenden Besitzanspruch umgeformt. Man fälschte dazu eine Urkunde, die sogenannte »Konstantinische Schenkung«, derzufolge schon Kaiser Konstantin der Große dem damaligen Papst Silvester kaiserlichen Rang und als Besitz Rom und alle Provinzen Italiens und des Westens übertragen haben soll. Dieser komplexe Vorgang sollte die europäische Politik auf Jahrhunderte hin schwer belasten.
 
Kategorie: Karls Frankenreich Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 4185 - Sturz der Merowinger, Krönung des Hausmeiers Pippin zum König
Sturz | Merowinger | Krönung | Hausmeiers | Pippin | König | Karls | Frankenreich
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF