Karl wurde 742 als ältester Sohn Pippins des Jüngeren und dessen Gemahlin Bertrada geboren. Als Neunjähriger erlebte er die feierliche Krönung seines Vaters, beeindruckt vom religiösen Ritual, und schließlich den Aufstieg der jungen karolingischen Königsmacht, die ihre Führungsstellung in Europa nach allen Seiten ständig ausbaute.
Noch vor seinem Tod hatte Pippin der Jüngere das Reich zwischen seine Söhne, den älteren Karl und den jüngeren Karlmann aufgeteilt. Er ließ die Grenzen durch Austrien und Neustrien verlaufen, wohl in der Meinung, er könne dadurch ein Aufflackern neuer Kämpfe zwischen den beiden zerstrittenen Reichsteilen von vornherein verhindern. Doch schon bald entfremdeten sich die Brüder, als Karlmann Karl die erbetene Hilfeleistung für einen Feldzug gegen die rebellierenden Aquitanier im Südwesten des heutigen Frankreich versagte.
Die Spannungen verschärften sich, als Bertrada, im guten Glauben, dem Reich einen Dienst zu erweisen, die Heirat Karls mit der Tochter des Langobardenkönigs Desiderius einfädelte und Karlmann sich durch diese politische Aufwertung seines Bruders benachteiligt fühlen mochte.
Nur der Tod Karlmanns verschonte das noch nicht gefestigte Frankenreich vor einem Bruderkrieg. Als Karl des Bruders Reichsanteil 29 jährig übernahm, flüchtete seine Gattin mit ihren Kindern an den langobardischen Königshof. Sie fand dort freundliche Aufnahme, da Desiderius sich von seinem Schwiegersohn Karl brüskiert fühlte, als dieser die Ehe mit seiner Tochter auflöste, um die schöne dreizehnjährige Alemannin Hildegard zu heiraten. Neue Spannungen zwischen dem Papst und den Langobarden gaben dann Karl die sicher willkommene Gelegenheit, einem Hilferuf Roms Folge zu leisten. Er zog gegen Desiderius zu Felde, besiegte ihn und machte sich selbst zum König der Langobarden. Seit 774 führte er den Titel »König der Franken und Langobarden und Schutzherr der Römer«, womit er die Fülle seiner Macht dokumentierte, zugleich aber auch unterstrich, dass er entschlossen war, die Verpflichtungen einzuhalten, die sein Vater gegenüber dem Nachfolger des heiligen Petrus in Rom eingegangen war. Dessen Gebietswünsche wusste er so geschickt einzugrenzen, dass dem »Patrimonium Petri«, dem Erbgut Petri, also dem Kirchenstaat, zwei große byzantinische Verwaltungseinheiten, nämlich der Dukat von Rom und das Exarchat von Ravenna - der ehemalige Sitz des oströmischen Statthalters - zufielen, das benachbarte Langobardenherzogtum Spoleto aber dem päpstlichen Zugriff entzogen blieb. Da nun die westlichen und östlichen Territorien des »Kirchenstaates« nur durch den schmalen Korridor des Tibertals miteinander verbunden waren, boten sie einem möglichen Angreifer von Nord oder Süd offene Flanken. Diese Problematik bestimmte die künftige päpstliche Territorialpolitik und ließ Italien nicht zur Ruhe kommen.
Einen weiteren Spannungsherd bildeten Spoleto und Benevent in Mittel- und Unteritalien. Diese beiden Herzogtümer hatten sich schon bisher einer engeren Bindung an die langobardische Krone entzogen und verstanden es, auch weiterhin eine gewisse Eigenständigkeit zu wahren. Dies glückte ihnen um so eher, als sie im Schnittpunkt der Machtinteressen von Ost und West lagen und so als Pufferzone eine politische Rolle spielten.
Im übrigen hatte mit den Italienzügen der Karolinger ein Kapitel fränkischer Politik begonnen, das von grundsätzlicher Bedeutung für die spätere deutsche Geschichte werden sollte. Wie jetzt die Franken sich als »das auserwählte Volk« zum »Dienst am heiligen Petrus« berufen fühlten, so sollte nun jahrhundertelang die »Verteidigung der römischen Kirche« eine Hauptrolle in der Politik des Abendlandes spielen.
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