Zu seinen Lebzeiten galt Hrabanus Maurus als der bekannteste Theologe im Fränkischen Reich. Um 780 in Mainz geboren, war Hrabanus bereits als Kind von seinen vornehmen Eltern in die Obhut des Klosters Fulda gegeben worden. Wegen seiner offenkundigen Begabung schickte ihn der Abt zum Studium nach Tours zu Alkuin, der ihm den Namen von Benedikts Lieblingsschüler Maurus beilegte. Schließlich wurde Hrabanus zum Lehrer und Leiter der Klosterschule von Fulda bestellt. 822 berief ihn das Vertrauen der Mönche zum Vorsteher der Abtei, die unter seiner Leitung eine Blütezeit erlebte. Als Freund Kaiser Lothars und Vertreter der Reichseinheit musste Hrabanus bei den Streitigkeiten um die fränkische Herrschaftsteilung auf das Amt des Abtes verzichten. Fünf Jahre später berief ihn König Ludwig der Deutsche zum Erzbischof von Mainz.
Hrabanus Maurus hat eine vielgestaltige Wirksamkeit entfaltet. Neben der Volksseelsorge war ihm die Förderung von Wissenschaft und Erziehung ein besonderes Anliegen. Als Gelehrter verfügte er über eine umfassende Bildung und entwickelte eine fruchtbare literarische Tätigkeit. Bisweilen fehlende Originalität wurde dabei durch den Umfang und die inhaltliche Breite seines Werkes ersetzt. Neben seinen theologischen Schriften verfasste er das Lexikon »De universo«, in dem er das ganze Wissen der Zeit sammelte. Von seinen Dichtungen hat sich der ihm zugeschriebene Heilig-Geist-Hymnus »Veni creator spiritus« bis heute in der kirchlichen Liturgie erhalten.
Hrabanus Hauptverdienst liegt in der Begründung des gelehrten Schulwesens in Deutschland. Er entwickelte einen ersten Lehrplan und stellte pädagogische Grundsätze für den Unterricht auf. Unter seiner Leitung wurde die Klosterschule von Fulda zur bedeutendsten im Reich: Walahfrid Strabo, Otfrid von Weißenburg und viele Äbte und Bischöfe waren seine Schüler. Nach seinem Tod 856 wurde Hrabanus Maurus der Ehrentitel »Praeceptor Germaniae - Lehrer Deutschlands« verliehen.
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