Rudolfs I. Landfriedenspolitik und sein Tod

1283 konnte der Habsburger König Rudolf I. auf eine schöne Erfolgsbilanz zurückblicken, doch war auch vieles noch ungetan geblieben. So hatte der Kampf mit Ottokar II. Rudolfs I. Bemühungen um den Landfrieden in Deutschland unterbrochen. Nun zog der König von Wien aus nach Nordwesten - eine feste Königsresidenz gab es ja immer noch nicht, nur waren an die Stelle der Kaiserpfalzen vielfach die Reichsstädte als Quartier getreten -, und überall sehen wir Rudolf I. neue Landfriedensgesetze verkünden: in Baiern, Franken, im Rheinland, in Thüringen und in Sachsen, den Höhepunkt bildete das allgemeine Landfriedensgesetz, das 1287 in Würzburg erging. Der König beließ es jedoch nicht nur bei pergamentenen Verkündigungen, sondern setzte diese selbst nach Kräften in die Tat um: Für Schnapphähne aller Art, seien es Raubritter oder Wegelagerer, begannen schlechte Zeiten. Rudolf I., in solchen Aktionen sehr erfahren, räucherte deren Raubnester und Schlupfwinkel aus, und mancher ›Ritter‹ machte mit dem Strick des Henkers nähere Bekanntschaft, wurde geköpft oder gar gevierteilt. Diese energischen Bemühungen hatten auch deutlichen Erfolg, und in den letzten Regierungsjahren Rudolfs I. herrschte auf Deutschlands Straßen eine seit Langem ungewohnte Ruhe und Sicherheit, worauf des Habsburgers geradezu phänomenale Beliebtheit bei den Kaufleuten und besonders den ›kleinen‹ Leuten nicht zuletzt auch beruhte. Andererseits zeigt sich an der ›Zielgruppe‹ dieser Maßnahmen, dass sich die spätmittelalterliche Gesellschaft mehr und mehr differenzierte: Vom ›hohen‹ zum ganz ›niederen‹ Adel gibt es eine breite Skala, genauso wie der Unterschied zwischen hohem und niederem Klerus unvorstellbar ist! Der Historiker Joachim Leuschner konstatiert für das 13. Jahrhundert: »Im ganzen vertieften sich die sozialen Gegensätze sowohl innerhalb der einzelnen Gruppen wie zwischen diesen.«

Zwiespältig ist über Rudolfs I. andere Pläne und Unternehmungen zu berichten: So strebte er zweifellos nach der Kaiserkrone, und die Vorbereitungen zu einem Romzug begannen schon bald nach seiner Wahl. Jedoch kam immer wieder etwas dazwischen, da war einmal der chronische Geldmangel, ein auch in späteren Zeiten charakteristisches ›Leiden‹ des Habsburger Hauses, weswegen Rudolf I. sogar mehrmals den Heiligen Stuhl um Darlehen angehen musste - für Romzüge, die allesamt nicht zustande kamen: Entweder starb der Papst oder politische Verwicklungen mit der Grafenfamilie Anjou in Italien oder dem König von Frankreich vereitelten das Unternehmen, für das Rudolf I. durch Aufgabe deutscher Ansprüche in Italien erhebliche, zumindest juristische Vorleistungen erbracht hatte. Kurz und gut - die Kaiserkrone erlangte dieser erste Habsburger auf dem Königsthron nie, obwohl ihm an ihr schon aus Gründen der Festigung seiner Dynastie sehr viel gelegen war. Mit einem Papst soll er sogar Pläne für eine habsburgische Monarchie gegen entsprechende Zugeständnisse in Italien erörtert haben, doch dies blieben Pläne!

Ähnlich liefen die Dinge bezüglich des nominell noch immer zum Reich gehörenden Königreichs Burgund, auf dessen Thron Rudolf I. gern seinen Sohn Hartmann gesehen hätte, der aber schon 1281 umkam. Hier in Burgund stieß der König mit den Interessen Frankreichs zusammen, das unter Ludwig IX. und Philipp IV., dem Schönen, gewaltig erstarkt war. Es fehlte nicht viel, und es wäre zu einem deutsch-französischen Krieg gekommen! Obwohl in Burgund mithilfe Schweizer Kontingente gewisse militärische Erfolge errungen wurden, blieb das Ergebnis letztlich mager: Für die Vermehrung des habsburgischen Hausbesitzes sprang zwar einiges heraus, doch konnte ein weiteres Abdriften nicht verhindert werden.

Vielversprechende Verbindungen knüpfte Rudolf I. zu seinen alten Verbündeten gegen Ottokar II., den Ungarn - auch hier werden unter ihm Grundzüge der späteren habsburgischen Politik sichtbar, der Plan jedoch, Ungarn 1290 als Lehen seinem Sohn Albrecht zuzuschanzen, scheiterte am Veto der Kurie. So entspricht die außenpolitische Bilanz nicht der innenpolitischen, denn richtige Erfolge waren hier nicht zu verzeichnen. Ein »Außenpolitiker« großen Zuschnitts war dieser Mann auch seiner ganzen Veranlagung nach nicht. Er tat hier vielfach nicht einmal das Nötigste und riskierte nichts. Im Grunde bestand seine Außenpolitik im Süden und im Westen aus ›negativen‹ Arrondierungen. D. h. auf Reichspositionen, die kaum oder nur unter großem Aufwand und Risiko durchsetzbar waren, verzichtete Rudolf I., wenn er zum Schluss kam, das Ganze »koste« zu viel.

Vergebliche dynastische Politik vor Rudolfs Tod
Seine letzten Lebensjahre galten eigentlich den Bemühungen, die Krone in seiner Familie zu verankern, ihm ging es hier nicht anders als vielen seiner Vorgänger und Nachfolger, welche unendlich viel Zeit und Mühe auf dieses Ziel verwenden mussten - man vergleiche hier nur die Anstrengungen, welche Karl VI. noch im 18. Jahrhundert unternehmen musste, um seiner Tochter Maria Theresia und somit der Habsburgerdynastie die Krone zu sichern. Nachdem sein Sohn Hartmann 1281 ertrunken war, bemühte sich Rudolf I. intensiv darum, den Kurfürsten die Wahl seines jüngsten Sohnes Rudolf, der noch kein großer Territorialherr war, schmackhaft zu machen, stieß dabei aber auf zähen, hinhaltenden Widerstand, der sich schlagartig verhärtete und unüberwindlich wurde, als der kleine Rudolf plötzlich 1290 starb und nur noch der tatkräftige, machtbewusste Sohn Albrecht als Nachfolger übrig war. Als Herr der österreichischen Länder und Alleinerbe des Hausbesitzes war er einer der mächtigsten Reichsfürsten überhaupt, viel mächtiger, als sein Vater jemals gewesen war, als er noch als Graf auf der Habsburg saß. Dies machte ihn unter anderem für das Kurkollegium inakzeptabel. Es war die gleiche Situation bzw. Konstellation wie vor der Wahl König Lothars III. von Supplinburg 1125 oder Konrads III. 1137, als die Fürsten bewusst jeweils den mächtigsten und fähigsten Kandidaten »aussparten«, um ihre eigenen Machtchancen nicht zu schmälern. Rudolf I. von Habsburg wusste dies schließlich und schickte sich drein. Im Bewusstsein seines nahen Lebensendes ritt er selbst noch von Germersheim nach Speyer, wo er am 15. Juli 1291 im Alter von 73 Jahren starb - bis zum Eintritt des Todes bei klarem Verstand. Nach seinem Wunsch fand er seine Ruhestätte neben den salischen und staufischen Kaisern im Speyerer Dom.
 
Kategorie: Interregnum bis Heinrich VII. Nach oben

MyBude © 2008/2012
All rights reserved, including the right of reproduction in whole or in part in any form.
Referat: 4460 - Rudolfs I. Landfriedenspolitik und sein Tod
Rudolfs | I | Landfriedenspolitik | Sein | Tod | Interregnum | Heinrich | VII.
Hauptseite | Impressum | Haftungsausschluss | Sitemap | Wikipedia | Google | BMBF