Nachfolger der König Rudolf I.

Rudolf I. lag kaum im Grabe, da rissen die alten fried- und ruhelosen Zustände wieder ein - »so«, wie ein zeitgenössischer Chronist sagt, »als hätte es König Rudolf nie gegeben!« Auch der Hochadel frönte sofort wieder seiner alten Leidenschaft: Er riss Reichsland und Privilegien an sich oder führte mit Rivalen um Besitz und Einkünfte erbitterte Fehden. In dieser Situation, als ein neues Interregnum, d. h. eine königs- oder kaiserlose Zeit, mit all ihrer Unbill vor der Tür zu stehen schien, begann man sich auf lokaler Ebene wieder fester zur Selbstverteidigung zusammenzuschließen, wie es auch die drei Schweizer Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden sofort nach Rudolfs I. Tod ohne zu zögern rasch taten.

Mit der Wahl eines neuen Königs hatte es tatsächlich keine Eile, Rudolfs I. Sohn, Albrecht von Österreich, wollte man nicht, ja man tat alles, um die Stellung dieses fähigsten aller Reichsfürsten zu erschüttern: In seinen Ländern schürten interessierte Kreise eine Aufstandsbewegung besonders des steirischen Adels, dem Albrecht ein etwas zu genauer Herr war. Drahtzieher in dieser Sache scheinen vor allem der niederbaierische Herzog und König Wenzel II. von Böhmen gewesen zu sein: beide hatten mehr als ein Auge auf die Habsburger Besitzungen geworfen. Als Begleitmusik kam ein allgemeiner Propagandakrieg hinzu, worin Albrecht als ehrgeiziger und machtbesessener Finsterling und Tyrann hingestellt wurde - ein Bild, welches bis in die jüngste Vergangenheit eifrig nachgemalt wurde und diesem Habsburger alles andere als Gerechtigkeit widerfahren ließ. Sicher, Albrecht war eine mehr ernste, verschlossene Persönlichkeit, und der gewinnende Charme seines Vaters ging ihm ab, dafür besaß er Intelligenz, Scharfblick, Treue, Selbstdisziplin und die seltene Fähigkeit, zu verzeihen.

Trotz der Feindseligkeit, die ihm zunächst allenthalben entgegenschlug, wurde Albrecht des Aufstandes recht schnell Herr, wobei er klug Mäßigung statt Terror gegenüber den Besiegten walten ließ, darauf machte er sich mit seinem Heer nach Westen auf, wo der Pfalzgraf bei Rhein ihm als einziger im Kurfürstenkollegium die Stange hielt, musste aber, dort angekommen, erfahren, dass die Kurfürsten am 5. Mai 1292 schließlich einstimmig den als Fürsten unbedeutenden Grafen Adolf von Nassau zum König gewählt hatten, dessen Krönung fand dann zwei Monate später in Aachen statt. Die Triebfeder bei dieser Wahlentscheidung war schlicht fürstlicher Eigennutz gewesen, die Arrangeure saßen auf dem erzbischöflichen Stuhl von Köln bzw. auf dem böhmischen Thron in Prag. Für Erzbischof Siegfried von Köln war diese Königswahl nur ein Geschäft, in dem die Verluste einer teuren Fehde mit dem Herzog von Brabant und der für ihn katastrophal verlaufenen Schlacht von Worringen ausgeglichen werden sollten, König Wenzel II. von Böhmen hingegen sah in der Wahl Graf Adolfs von Nassau die Möglichkeit, das Ergebnis der Schlacht von Dürnkrut zu revidieren und die an Habsburg verlorene Machtstellung seiner Dynastie wiederherzustellen. Darüber hinaus bestand im Kurkollegium -anfänglich mit Ausnahme des Pfalzgrafen bei Rhein - allgemeine Übereinstimmung, die Bildung einer Dynastie mit so starker Basis, wie sie der Habsburger Albrecht mitgebracht hätte, nicht noch weiter zu fördern.

Schlechte Chancen für den erwählten König
Als Ergebnis dieser kurfürstlichen Machenschaften drohte nun ein Bürgerkrieg, dem Albrecht von Habsburg jedoch aus dem Wege ging: Er huldigte Adolf I. von Nassau, übergab ihm die Reichsinsignien und zog sich in seine Länder zurück. Adolf I., vom Volksmund durch die Umstände seiner Wahl nicht zu Unrecht der Gruppe der »Pfaffenkönige« zugerechnet, genoss von Anfang an nur sehr geringes Prestige: Man wusste eben nur zu gut, dass er vor seiner Wahl den Kurfürsten immense Zugeständnisse hatte machen müssen, dass er im Grunde nichts anderes als deren gekrönter Kommissar war! Persönlich freilich war er eine einnehmende Erscheinung von guter Bildung und Manieren, vor allem aber hatte er sich in der Schlacht von Worringen, wenn auch aufseiten der Verlierer, als untadeliger Ritter, Soldat und Kavalier erwiesen. Als Politiker besaß er aber wenig Erfahrung, sein persönlicher Eigenbesitz und somit sein tatsächlicher Machtbereich waren unbedeutend. Doch ging die Sache noch halbwegs gut, solange Adolf I. in den von seinen Wählern vorgezeichneten Bahnen blieb, sich besonders am Rhein brav und auch mit gewissem Erfolg um den Landfrieden kümmerte und sich, soweit er dazu in der Lage war, gegen die wieder eingerissene ›Anarchie‹ stemmte. Mit mäßigem Erfolg versuchte er sich auch in der Heiratspolitik, um sich unter den Reichsfürsten einen gewissen loyalen Anhang zu verschaffen. Diese verhältnismäßig friedliche Szenerie änderte sich aber sofort, als der neue König sich in die ›große‹ Politik wagte, um sich aus der Abhängigkeit von den Kurfürsten zu emanzipieren. Schon der Versuch, im Bündnis mit England gegen das an der Westgrenze kontinuierlich vordringende Frankreich vorzugehen, endete mit einem Fiasko: Adolf I. verstrickte sich rettungslos in den Netzen der überlegenen französischen und kurialen Diplomatie, und die Engländer mussten die hohen Hilfsgelder - 20 000 Pfund -, die sie an Adolf I. gezahlt hatten, abschreiben. Dieser Reichskrieg gegen Frankreich ging wie das »Hornberger Schießen« aus, was für König Adolf I. gleich doppelt schlimm war, da er doch auch sein Prestige hätte verbessern sollen.

Neue Koalitionen
Die Hausmachtpolitik stand unter einem ähnlichen Unstern: Zwar war es Adolf I. gelungen, mit den englischen Geldern ein Heer auf die Beine zu stellen und auch so manche Stadt auf seine Seite zu bringen -hier folgte er dem erfolgreichen Rezept Rudolfs I. - und, so gerüstet, sich in Meißen und Thüringen einen Hausmachtkomplex zu verschaffen, die er einzog, als ob sie erledigte Reichslehen wären. Doch stand dieser nicht auf sicherem Grund, denn in der Innenpolitik des Reiches hatte sich inzwischen der Wind gedreht: Albrecht von Österreich hatte sich mit Wenzel II. von Böhmen versöhnt, die Kurfürsten, besonders der Erzbischof von Mainz, waren durch Adolfs I. Hausmachtunternehmungen verärgert, und so fand sich der Nassauer plötzlich zwischen allen Stühlen wieder. Die im Frühsommer 1297 zu Prag versammelten Fürstlichkeiten kamen überein, sich des »unfähigen und nutzlosen« Königs Adolf I. zu entledigen. Die Hauptrolle bei diesem Komplott spielte Albrecht von Österreich, der am 2. Juli 1298 den mittlerweile von den Kurfürsten für abgesetzt erklärten König bei Göllheim in der Pfalz stellte und in einer der letzten echten Ritterschlachten besiegte, tapfer bis zum bitteren Ende kämpfend, fand der glücklose König Adolf I. dort den Tod auf dem Schlachtfeld. Sechs Jahre zuvor hatten ihn die Fürsten erst gewählt, dann - dies war neu - abgesetzt, obwohl er nicht einmal vom Papst gebannt worden war.

An einer Thronkandidatur Albrechts kam man nun nicht mehr vorbei. Allgemein gewählt und akzeptiert bestieg Albrecht den Thron.
 
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Referat: 4461 - Nachfolger der König Rudolf I.
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