Damals (Jahr 1313) kam es zu einem erstaunlichen Kampf, in dem eine Handvoll Streiter eine feindliche Übermacht bewältigte. 300 florentinische Reiter, die mit 900 Fußsoldaten von Volterra kamen, erblickten eine kleine Schar deutscher Reiter ..., nämlich 40 Deutsche und 12 verbannte Florentiner. Als sie sich einander näherten, sprengten die Guelfen voller Verachtung gegen die kleine Schar unter lautem Kampfgeschrei auf diese ein. Durch die Zahl der Anstürmenden erschreckt, gaben die Verbannten mit Ausnahme von dreien sogleich den Pferden die Sporen und verließen die Gefährten in der Gefahr. Diese aber ... versuchten nicht etwa nur den Feinden Stand zu halten, sondern stürzten sich mit Blitzesschnelle in dichtgedrängtem Schlachthaufen auf die Feinde, zerrissen deren Reihen und warfen sie auseinander. Schmählich wandte sich die guelfische Schar ... in die Flucht, die Deutschen aber kehrten mit Gefangenen, Rossen und Waffen und anderer Beute, die sie rühmend zeigten, ins Lager zurück.
Inzwischen plünderte das stumpfsinnige deutsche Kriegsvolk, das von Natur aus allzu sehr auf Beute erpicht war und weder Disziplin halten, noch Menschen schonen konnte, weit und breit die Höfe der Umgebung und selbst die größeren Flächen ... auch wenn diese sich friedlich verhielten, und es unterwarf und brannte nieder, was es nicht als Beute davonführen konnte. So hörte ringsum aller Ackerbau auf, und im Lager des Kaisers nahm der Mangel an Lebensmitteln so überhand, dass man gezwungen wurde, seinen Aufenthaltsort zu ändern. Der Kaiser verließ deshalb zu Frühlingsbeginn Poggibonsi [in der Toscana, ...] und begab sich nach Pisa. Hier verteilte er unter seine Krieger alles Geld, das er auftreiben konnte. Sodann befahl er, in den Häfen von Pisa und Genua Flotten zu sammeln. Auch sandte er Boten nach Deutschland an seine Lehnsleute und Getreuen und befahl auch seinem Sohn, dem Böhmenkönig, überall Truppen aufzubieten und mit ihnen nach Italien zu kommen. In der Lombardei aber mahnte er seine Freunde und Untertanen unablässig durch Boten und Briefe, sie möchten ihm so schnell als möglich nach besten Kräften Reiter zu Hilfe senden, endlich sandte er auch Nachricht an König Friedrich von Sizilien, teilte ihm seinen Plan mit und bat, er möge schnell eine Kriegsflotte und ein Heer rüsten, um den Plan auszuführen, über den sie sich verständigt hatten. Sie wollten nämlich König Robert mit aller Macht zu Lande und zu Wasser bekriegen. Ehe der Kaiser Pisa verließ, fällte er gegen Robert ein Urteil, das über ihn als Rebellen und Hochverräter die Todesstrafe aussprach und ihn für einen Reichsfeind erklärte.
Auch gegen die Stadt Pavia und deren Bürger, die als Feinde und Rebellen des Reiches galten, ließ er in Gegenwart seiner Fürsten und einer großen Menge des pisanischen Volkes ein grausames Urteil ergehen und schriftlich niederlegen, indem er unter anderem befahl, die Stadtmauern samt Türmen und Toren sollten auf Kosten der Stadt selbst zerstört, die Gräben und Wälle im Umkreis der Stadt eingeebnet und ausgefüllt werden. Den Boden der Stadt aber solle der Pflug durchwühlen, und ohne Zustimmung des Kaisers dürfe sie nicht wieder aufgebaut werden. Auch erkannte erden Bürgern alle Privilegien und Freiheiten ab ... und zog alle Güter der Gemeinde ein. Ihre Rechtsgelehrten, Advokaten und Notare enthob er ihrer Ämter und erklärte sie für ehrlos. Gegen eine große Zahl der Bürger aber erging ein härteres Urteil, indem sie als Anführer der Empörung und der Majestätsbeleidigung für schuldig erkannt und für alle Zeiten aus dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches verbannt wurden, während ihre Güter und deren Erträge dem Fiskus anheimfielen. Auch nahm er ihnen außer ihren Privilegien und Freiheiten jegliche Ehrenrechte, falls aber einer von ihnen dem Kaiser in die Hände falle, so solle er am Galgen den Tod erleiden.
Am gleichen Tage fällte er auch gegen viele andere Italiener, die zum großen Teil völlig unschuldig waren, das Verdammungsurteil. So kam es, dass diejenigen, die sich dem Hoflager angeschlossen hatten, den einen oder anderen aus Missgunst oder persönlichem Hass als Rädelsführer bei einer Empörung darstellten, selbst wenn die Betreffenden vielleicht den Abfall ihrer Stadt schmerzlich bedauerten. Auch glaube ich nicht, dass diese Prozesse dem Kaiser von großem Nutzen gewesen sind, denn durch die Ächtung wurden die Feinde nur noch feindseliger gestimmt, und zum anderen soll das Vorgehen des Kaisers alte Feindschaften gegen das Reich neu erweckt haben.
Aus: »Historia de ... Mediolanensium gestis sub imperio Heinrici VII.« (Geschichte Mailands unter der Herrschaft Heinrichs VII.) des Johannes de Cermenate (seit 1313 Syndikus von Mailand, einer »der naivsten und vortrefflichsten Geschichtsschreiber Italiens«).
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