Als die Franken um die Wende zum 6. Jahrhundert den katholischen Glauben annahmen, galt ihre besondere Fürsorge bald der Förderung der Klöster. Der Mönch als »Soldat Christi« und sein Treueverhältnis zum Abt wirkten auf die kriegerische Vorstellungswelt und das Gefolgschaftsdenken der Germanen offenbar anziehend. Der Frankenkönig Chlodwig hat wie viele seiner Nachfolger bedeutende Klöster gestiftet. Fränkische Adelige wurden Mönche und Nonnen wie etwa Chlodwigs Witwe oder die aus Thüringen stammende Königin Radegunde. Nicht selten freilich haben hochgestellte Frauen deshalb »den Schleier genommen«, um der Ehe mit dem ungeliebten oder brutalen Gatten zu entfliehen, peinliche Konflikte mit Klöstern waren meist die Folgen.
Insgesamt war dieses frühe Mönchstum nicht gleichmäßig entwickelt: Manche Klöster konnten schon als vorbildlich gelten, andere hingegen weniger. Übertriebene äußere Bußübungen mischten sich häufig mit einem seltsamen Wunderglauben. Die große Zahl der Mönche und Nonnen erklärt sich auch daraus, dass viele im Kloster einen bequemen Unterschlupf sahen, der in den Wirren der Zeit »beste menschliche Lebensbedingungen« bot. Schon der heilige Augustin hatte von »faulen Mönchen« gesprochen. Das Klosterleben war für die sozial Schlechtgestellten sehr anziehend, weil für das tägliche Brot hier gesorgt war. Religiöse Berufung wurde dabei oft nebensächlich. So mangelt es den mönchischen Gemeinschaften vielfach an Ordnung und Zucht. Kirchenversammlungen mussten sich mit stehlenden Mönchen beschäftigen und strikt einschärfen, dass die Entführung von Nonnen auch mit deren Zustimmung verboten sei. Mancher Abt hat es aus gutem Grund unterlassen, wie es eigentlich seine Pflicht gewesen wäre, eines entsprungenen Mönches wieder habhaft zu werden!
Einen belebenden Impuls erhielt dieses gerade im fränkischen Reich so reformbedürftige Klosterwesen von irischen Mönchen, die Ende des 6. Jahrhunderts auf dem Festland auftauchten. Die Mission des heiligen Patrick hatte zweihundert Jahre zuvor aus dem barbarischen Irland die »Insel der Heiligen« gemacht. Es war dort eine christliche Kirche entstanden, die ausschließlich vom Mönchstum geprägt und beherrscht wurde. In den großen Abteien, die mit einigen tausend Mönchen wahren Heerlagern glichen, wurde neben intensivem geistlichem Studium und künstlerischen Tätigkeiten eine oft maßlose und bizarre Askese betrieben. Eine verbreitete Übung bestand darin, als »Wanderer Christi« die Welt zu durchstreifen und zu predigen. Das nur teilweise christianisierte und kirchlich verwilderte fränkische Reich musste solchen religiösen Eifer geradezu herausfordern: ein Kreis von Wandermönchen machte sich diese Mission zur Lebensaufgabe. In dem von ihm gegründeten Kloster Luxeuil entwarf Columban für dieses Ziel eine eigene Mönchsordnung, die an Härte nicht zu überbieten war. In einem regelrechten geistlichen Drill, der sich auch der körperlichen Züchtigung bediente, konnte so eine »Elitetruppe« für die missionarische Aufgabe herangezogen werden. Schlaf und Nahrung wurden auf das eben zum Leben Notwendige beschränkt, auch das geringste Vergehen - das vergessene »Amen«, ein falscher Ton beim Gesang der täglich über 80 Psalmen! - wurde mit Geißelhieben geahndet. Trotz dieser Schärfe hatten Columbans Klöster ungeahnten Zulauf. Seine Regel blieb, geringfügig gemildert, für lange Zeit die verbindliche Klosterordnung im fränkischen Reich. Nur allmählich wurde sie von einer gänzlich Andersgearteten verdrängt: Ohne Zweifel hat erst die Regel des heiligen Benedikt das Kloster zu einem zentralen Lebensraum des mittelalterlichen Menschen gemacht und so das »Zeitalter der Mönche« ermöglicht, wie es treffend der britische Historiker Knowles bezeichnet.
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