Die cluniazensische Reformbewegung stand dem Kampf gegen Ungläubige positiv gegenüber. Aus der Verbindung der Jerusalemwallfahrten mit dem befürworteten Glaubenskrieg gegen die Mohammedaner entstand der Gedanke der Kreuzzugsbewegung, als 1071 die Seldschuken Palästina erobert hatten. Am 26. November 1095 verkündet Papst Urban II. in Clermont den Kreuzzug unter begeisterter Zustimmung der Anwesenden mit dem Ruf: »Deus lo volt«, »Gott will es«.
1. Kreuzzug 1096-1099
Träger sind hauptsächlich Franzosen, Flandern und Normannen. Eroberung Jerusalems am 15. Juli 1099, Bildung von Kreuzfahrerstaaten: Königreich Jerusalem, Fürstentum Antiocheia, Grafschaft Tripolis, Grafschaft Edessa. 330000 Teilnehmer, von denen 40000 im ›Heiligen Land‹ ankamen.
Ritterorden
1048: Johanniter (Hospitaliter), benannt nach dem Johannes dem Täufer geweihten Spital in Jerusalem. Nach dem Verlust Palästinas 1291 Ausweichen nach Zypern, 1309 nach Rhodos, von 1530-1789 auf Malta (Malteser). Tracht: schwarzer Mantel mit weißem Kreuz.
1119: Templer, benannt nach der Wohnung nahe dem Salomonischen Tempel, 1291 Ausweichen nach Zypern, dann nach Frankreich, 1312 Ordensaufhebung durch Papst Clemens V. Tracht: weißer Mantel mit rotem Kreuz.
1190: Deutscher Orden (Deutschherren) vor Akkon gestiftet, nationaldeutscher Charakter, Missionierung der Pruzzen, 1230-1280 (Hochmeister Hermann von Salza), seit 1309 Hauptsitz: Marienburg in Ostpreußen.
2. Kreuzzug 1147-1149
Träger sind Deutsche unter König Konrad III. und die Franzosen unter Ludwig VII. Unternehmen wird ein Misserfolg. 240000 Teilnehmer, 90000 kamen an.
3. Kreuzzug 1189-1192
Nach der Einnahme Jerusalems durch Saladin 1187. Universale Heerfahrt Kaiser Friedrichs I. (Barbarossa), der Könige von Frankreich und England. Scheitern des Zuges nach dem Tod Barbarossas und wegen Uneinigkeit im Heer. 350000 Teilnehmer, 280000 kamen an.
4. Kreuzzug 1202-1204
Ursprünglich gegen Ägypten gerichtet, missbräuchliches Umlenken des Zuges gegen Konstantinopel durch Venedig, 1204 Eroberung Konstantinopels, Errichtung eines »Lateinischen Kaiserreiches« (bis 1261), Zerstörung des byzantinischen Bollwerks gegen die Araber. 30000 Teilnehmer, die alle nie das Heilige Land sahen.
Kinderkreuzzug 1212
Vor allem französische und deutsche Kinder über Genua und Marseille. Die meisten der vielen Tausend Kinder starben an Krankheiten, verhungerten, ertranken oder wurden als Sklaven verkauft.
5. Kreuzzug 1228
Kreuzzug des gebannten Kaisers Friedrich II., vertraglich garantierter Zugang zu den heiligen Stätten in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth.
6. Kreuzzug 1248-1254 und 7. Kreuzzug 1270-1291
Kreuzzüge des französischen Königs Ludwig IX. bleiben erfolglos. Eroberung Akkons durch die Araber, Räumung Palästinas, Ende der Kreuzzüge.
Folgen
Einflüsse der Araber in Naturwissenschaft, Philosophie, Dichtung, Baukunst, Ausdehnung des Orienthandels, Aufkommen der Geldwirtschaft, des Städtewesens und der neuen Schicht der »Bürger« im Abendland.
Die Faszination von Ideen und die daraus resultierende unkontrollierte Reaktion der Masse war auch dem Mittelalter nicht fremd, die Ereignisse der »heiligen Glaubenskriege« beweisen es zur Genüge.
Kinderkreuzzüge
In geradezu grotesker Übersteigerung ahmten Tausende von Kindern aus Frankreich und Deutschland die schwärmerische Begeisterung der Erwachsenen nach und brachen 1212 zu einem »Kinderkreuzzug« auf. Ihr religiöser Idealismus zerbrach aber schnell an der militärischen Kriegswirklichkeit, das weitere Schicksal war grausam: Die überlebenden Jungen wurden versklavt, die Mädchen missbraucht und in Harems und Bordelle verschleppt. Den Geistlichen und anderen vernünftigen Leuten, die diesen Zug für völligen Unsinn erklärt hatten, leisteten die Kinder heftigen Widerstand und behaupteten, die Geistlichen seien Ungläubige. So berichten die Annalen des Klosters Marbach im Jahr 1212.
Mit großer Wahrscheinlichkeit sind die tieferen Ursachen dieser kindlichen Massenhysterie, dieser Faszination durch eine ›Bewegung‹ im wirtschaftlich-sozialen Bereich zu suchen. Den Kreuzzügen von 1096 und 1147-1149 gingen schreckliche Hungersnöte voraus, die weite Teile der Bevölkerung in Not und Elend brachten. Den kreuzfahrenden Kindern mag ein Leben ohne diese Entbehrungen vorgeschwebt haben, Eltern werden hungrige Esser nicht immer zu Hause gehalten haben.
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