Faktoren sehr ungleicher Herkunft und ungleichen Ranges finden sich in der karolingischen Kunst als Grundlagen zu einer neuen Kultur zusammen. Die völlige Verschmelzung der oft heterogenen Elemente gelang allerdings noch nicht. Zum ersten Male wurde in dieser Epoche den Völkern des »Nordens« der reiche Kulturschatz der mittelmeerischen Spätantike zugänglich gemacht und so eine Brücke zwischen Antike und Mittelalter geschlagen; aber die Antike war nicht mehr als nur ein Führer zu Eigenem.
Schon in der Merowingerzeit hatte die notwendige Auseinandersetzung begonnen, doch erst die Zeit der Karolinger konnte alle diese Bestrebungen zusammenfassen und neue Anstöße für eine selbstständige Weiterentwicklung geben.
Karl der Große hat mithilfe der Kirche den Germanen die Antike erschlossen. Dennoch hat die Bezeichnung »Karolingische Renaissance« nur im übertragenen Sinn Bedeutung. Denn die karolingische Kunst ist nicht Ausklang, nicht Wiederholung der Antike in einem bewussten, formalen Begriff. Sie ist in dem Aufgreifen und Verwandeln antiker Gedanken der Anfang eines Neuen. In jedem Gebiet europäischer Kunst gehen letztlich die späteren, insbesondere die deutschen Schöpfungen auf Grundlagen zurück, die damals geschaffen wurden. Mochte nach dem Tod Karls die karolingische Kultur in den Wirren der Erbstreitigkeiten während der Einfälle der Ungarn, Sarazenen und Normannen auch untergehen, die Impulse, die von diesem Kaiser ausgingen, wirkten auf Dauer fort, und der »Name dieses Nichtkünstlers war zum bedeutendsten der europäischen Kunstgeschichte geworden« - wie Georg Dehio die Bedeutung Karls des Großen für die deutsche Kunst einmal umschrieben hat.
Literatur
Beckwirth John: Die Kunst des frühen Mittelalters.
Braunfels Wolfgang: Die Welt der Karolinger und ihre Kunst.
Braunfels Wolfgang: Karl der Große, Lebenswerk und Nachleben.
Gall Ernst: Karolingische und ottonische Kirchen.
Koehler Wilhelm: Die karolingischen Miniaturen.
Lehmann Edgar: Der frühe deutsche Kirchenbau.
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