In den Monaten vom Tod des deutschen Königs Albrecht II. am 27. Oktober 1439 bis zur Wahl seines Nachfolgers Friedrich III. am 2. Februar 1440 nahm das seit 1431 in Basel tagende allgemeine Konzil eine neue, höchst dramatische Wendung.
Durch eine erfolgreiche Mischung aus Starrsinn und diplomatischem Geschick und mithilfe des Nikolaus von Kues hatte es Papst Eugen IV. (1431-1447) schließlich fertiggebracht, die Kirchenversammlung zu spalten und die mehr ihm geneigten Teile des Konzils von der Gruppe der radikalen Kirchenreformer zu trennen und zum Verlassen des Konzils zu bewegen. Er selbst berief ein Gegenkonzil nach Ferrara (1438), später nach Florenz (1439), bei dem es nicht mehr um die dem Papste überaus lästigen Fragen der Kirchenreform, sondern um die Frage einer Union mit der griechischen Kirche ging.
Seit Jahrhunderten hatten die Päpste diese Wiedervereinigung und die Unterwerfung der Ostkirche angestrebt; jetzt, in dem Augenblick, da Konstantinopel von den Türken tödlich bedroht war, zeigte sich der Kaiser von Konstantinopel, Johannes VIII. Palaiologos, geneigt, eine Union der christlichen Kirchen ins Auge zu fassen. Aber: der Abschluss der Verhandlungen in Florenz 1439 rettete zwar nicht Konstantinopel vor den Türken, steigerte jedoch in weiten Teilen Europas das Ansehen des Papsttums beträchtlich.
Der letzte Gegenpapst der Geschichte: Felix V.
Ungeachtet oder trotz dieser Entwicklung verhärtete sich die Haltung der in Basel verbliebenen, reformerischen Konzilsteilnehmer. Die Versammlung - 39 Prälaten und etwa 300 sonstige Kleriker - setzte Eugen IV., da er das allgemeine Konzil missachtet habe, kurzerhand als Ketzer und Häretiker ab und wählte an seiner Statt den ehemaligen Herzog Amadeus von Savoyen. Die Wahl erfolgte am 5. November 1439, wenige Tage nach dem Tod des deutschen Königs Albrecht II. Dieser neue Papst, Felix V., wie er sich nannte, war der letzte Gegenpapst der Geschichte. Aber die Zeit, in der man mit einem Gegenpapst erfolgreich weltliche oder kirchliche Politik machen konnte, war endgültig vorüber.
Mit Schrecken erinnerte man sich lange im christlichen Europa an die Zeit des großen Schismas, der Kirchenspaltung, die die Christenheit so lange zerrissen hatte und die man in Konstanz nur mit Mühe überwunden hatte.
Verzicht auf Reformen - Der Kaiser arrangiert sich mit Papst Eugen IV
Den Kampf zwischen den Baslern und ihrem Papst einerseits und Papst Eugen IV. andererseits entschieden schließlich nicht innerkirchliche Kräfte, sondern die weltlichen Mächte; und deren Interessen deckten sich schon seit längerer Zeit nicht mehr mit den Zielen der Reformer von Basel, am wenigsten mit den Zielen der noch sehr zahlreich versammelten, revolutionär gesinnten niederen Kleriker.
England und Frankreich hatten ihre kirchenpolitischen Ziele erreicht und sahen keine Veranlassung, sich von Papst Eugen IV. loszusagen; in Spanien und Italien fand Eugen praktisch uneingeschränkte Anerkennung. Nur einige deutsche Fürsten traten offen auf die Seite des Gegenpapstes Felix. Viel hing in dieser Situation von der Haltung des neugewählten deutschen Königs Friedrich III. aus dem Hause Habsburg ab (1440-1493).
Aber Friedrich III. war kein Mann schneller Entschlüsse. Jahrelang dauerten die Verhandlungen, und immer wieder schob der König die Entscheidung hinaus. Erst im September 1445, also sechs Jahre nach der Wahl des Gegenpapstes Felix V., konnte man die Verhandlungen abschließen: Es kam zu einem Ausgleich zwischen Friedrich III. und Eugen IV. Friedrich erkannte Eugen als Papst an und erhielt dafür nicht unbeträchtliche Zugeständnisse, besonders bei der Besetzung kirchlicher Stellen in seinen eigenen habsburgischen Territorien. Seine Bereitschaft, sich bei den Fürsten des Reiches für die Anerkennung Eugens IV. einzusetzen, wurde mit der Aussicht auf Romzug und Kaiserkrönung belohnt. Allerdings musste sich Friedrich III. mit diesen Plänen noch bis zum Jahr 1452 gedulden.
Mit diesen begrenzten, nur den eigenen dynastischen Interessen dienenden Erfolgen gab sich Friedrich III. zufrieden, während er die Interessen des Reichs, zu dessen Oberhaupt er bestellt war, preisgab. Das »Wiener Konkordat« von 1448, das die künftigen Beziehungen zwischen Reich und Kurie regeln sollte, stärkte die weltliche Macht des Papstes schlechthin, stabilisierte seine Stellung im Reich und machte alle Reformansätze von Basel zunichte. Immerhin eröffnete es einzelnen Reichsständen die Möglichkeit, in direkten Abmachungen mit der Kurie eigene, allerdings ebenfalls territorial begrenzte Sonderregelungen auszuhandeln. Erfolgreich waren hier z. B. Brandenburg und Sachsen, wo sich die Kurie zu erheblichen Zugeständnissen bei der Stellenbesetzung und bei der Verwaltung kirchlicher Güter bequemen musste: erste Ansätze eigenständiger Landeskirchen.
Dass sich Friedrich III. nach langem Zaudern für Papst Eugen IV. entschied, war zum guten Teil das Werk zweier hervorragender Berater. Der eine, Kaspar Schlick (ca. 1396-1449) aus Eger, stand seit den Tagen des Kaisers Sigismund im Dienste der deutschen Könige und hatte es als erster Laie zum königlichen Kanzler gebracht. Der andere, Enea Silvio Piccolomini (1405-1464) aus der Gegend von Siena, hatte als Sekretär am Konzil von Basel teilgenommen, ehe er in die Dienste König Friedrichs III. trat. Übrigens waren beide, Enea Silvio noch mehr als Schlick, hochgebildete Humanisten. Enea Silvio wurde für sein reiches literarisches Schaffen vom König sogar zum Dichter gekrönt. Nach einer steilen Karriere in der kirchlichen Hierarchie bestieg er 1458 als Pius II. den Stuhl Petri.
Spottbild auf Kaiser und Papst. Allegorie der politischen Lage zur Zeit Friedrichs III. Einblattholzschnitt um 1475-1485. Wien, Österreichische Nationalbibliothek/Albertina.
Ein Sieg der Fürsten
Angesichts der allgemeinen Entwicklung hatte das Restkonzil in Basel keine Chance mehr, gehört zu werden. Der deutsche und der französische König drängten zum Ausgleich mit der Kurie und erreichten schließlich, dass der Gegenpapst Felix V. zurücktrat und dass die Kirchenversammlung den neuen Papst Nikolaus V., den Nachfolger Eugens IV., anerkannte. Dann ging das Konzil von Basel endgültig auseinander (25. April 1449).
So hatte das Papsttum und damit das ›monarchische Prinzip‹ nach außen hin einen eindeutigen und praktisch endgültigen Sieg über die konziliare Bewegung mit ihren republikanischem Bestrebungen davongetragen.
Der Sieg hatte aber seine bedenklichen Seiten: denn er war mit Hilfe der weltlichen Mächte errungen und führte, da diese Hilfe ihren Preis hatte, auch zur Stärkung der weltlichen Mächte. Diese Stärkung kam allerdings in Deutschland, anders als in den westeuropäischen Staaten, nicht der königlichen Zentralgewalt zugute, sondern der landesherrlichen Herrschaft in den Einzelterritorien. Dort spielte sich in Zukunft auf engem Raum der alte Kampf zwischen weltlichen und geistlichen Ansprüchen ab, nicht mehr im Ringen zwischen Kaiser und Papst. Die Landesherren, namentlich in den größeren Staaten, waren fortan bestrebt, die Diener der Kirche zu Beamten der Fürsten herabzudrücken; die Landesherren griffen jetzt gerne nach dem reichen Kirchengut, lange vor der Reformation; und die Landesherren suchten in ihren Territorien die geistliche Gerichtsbarkeit zu beschränken. Sie sind es, die aus dem Zeitalter der Konzilien als Sieger hervorgingen, während sich im Volk, das weithin Reformen erwartet hatte, Enttäuschung und Verbitterung verbreiteten.
Kategorie: Regierungszeit Friedrichs III. und Maximilians I. Nach oben