Dem fränkischen Reichsritter, 1517 zum »Poeta laureatus« (lat. = lorbeerbekränzter Dichter) gekrönten humanistischen Schriftsteller und Anhänger der Reformation gerecht zu werden, fällt nicht leicht; sein Leben wie sein Wesen kennzeichnen starke Spannungen und schrille Dissonanzen.
Schon der Siebzehnjährige - geboren ist er 1488 auf der Steckelburg südlich von Fulda - flieht aus der Klosterschule. Unstete Wanderjahre bringen ihn in Kontakt mit den Humanisten (z. B. in Erfurt und Italien). 1515 zeigt er in den »Dunkelmännerbriefen« sein satirisches Können.
Während eines 2. Italienaufenthalts lernt er in Rom das verweltlichte Treiben der Geistlichen kennen, ein Eindruck, der sein künftiges Handeln stark bestimmt. Jetzt, in den letzten fünf Lebensjahren, die seinen literarischen Ruhm begründen sollten, beginnt Hutten planmäßig und gezielt zu arbeiten. In einem Brief an den Nürnberger Humanisten Pirckheimer (1518) vermerkt er, dass er zwar viel gesehen, aber noch nichts geleistet habe. Im Lied »Ich hab’s gewagt mit Sinnen« umreißt er sein Programm: Den Kampf gegen die römische Kirche, die Deutschland ausbeutet, und für die deutsche Nation. Jetzt trägt er seine zahlreichen scharfen Angriffe und Aufrufe zum Widerstand in der Volkssprache vor. Er scheut vor keiner Übertreibung zurück; Demagogie gehört zu seinem Handwerk. In vielem arbeitet er Luther zu, doch war dessen religiöses Anliegen letztlich nicht identisch mit dem mehr politischen Ziel Huttens. Seinem politischen Radikalismus folgte schließlich auch Luther nicht mehr. Zuletzt nahm ihn nur noch Zwingli auf. Auf der Insel Ufenau im Züricher See starb Hutten 1523.
Sein bleibender literarischer Rang liegt in der überzeugenden Subjektivität einiger seiner Lieder und in der Sensibilität, mit der er auf die Zeiterschütterungen reagierte und sie in seinen publizistischen Schriften voll Pathos und Rhetorik formulierte.
Kategorie: Reformation und Gegenreformation Nach oben