Rudolf II. – Kurze Biografie

Unter den Kaisern in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war Rudolf der merkwürdigste. Seit 1582 lebte der komische Sonderling zurückgezogen auf dem Hradschin in Prag. Rings um ihn her musste Todesstille herrschen, nur die Vertrautesten durften sich ihm nahen, und sein Verfolgungswahn ging soweit, dass er alle Speisen vorkosten, die hohen Gangfenster zumauern ließ und sich nur als Stallknecht verkleidet aus seinen Räumen traute. Die Menschenscheu und ständige Todesangst waren die Folge einer Geisteskrankheit, die sich anfangs in Schwermut und Melancholie äußerte, seitdem vollen Ausbruch 1598 aber vor zügellosen Tätlichkeiten selbst gegen Minister nicht mehr haltmachte. Zwischen Aggressionen und Depressionen verbrachte Rudolf II. seine letzten 14 quälenden Lebensjahre. Bitter für ihn war das bewusste Miterleben seines geistigen Verfalls, tragisch zu nennen ist die daraus resultierende Abneigung aller habsburgischen Familienangehörigen und die »Entmachtung« durch den eigenen Bruder Matthias. Ursprünglich war der am 18. 7. 1552 als zweiter Sohn Kaiser Maximilians II. und seiner Frau Maria (einer Tochter Karls V.) geborene Rudolf ein lebenslustiger Anhänger glänzender Feste, Turniere und Jagden gewesen, verglichen mit den Fürsten seiner Zeit hochgebildet, geprägt von der »Grandezza« des spanischen Hofes, an dem er erzogen worden war. Sein Lebensinhalt waren die Studien. Nicht am Schreibtisch verbrachte er die meiste Zeit, sondern in seiner großen Bibliothek, im Laboratorium oder in der Sternwarte. Tycho von Brahe und Kepler weilten an seinem Hof. In tiefer Dankbarkeit für die fruchtbaren, sorgenfreien Jahre in Prag widmete Kepler seine berühmten »Tabulae Rudolfinae« dem Kaiser. Nicht weniger als die Naturwissenschaft schätzte Rudolf Kunst und Kunsthandwerker, malte und schnitzte selbst und betrieb mit Fertigkeit die Goldschmiedekunst. Wenn die böhmische Glasindustrie aus dem Schatten Venedigs trat, verdankte sie das ihrem eifrigsten Förderer, Rudolf Aber der helle Glanz des kunstsinnigen Mäzens wurde verdunkelt durch die Schrecken der Krankheit. Der Tod am 20.1.1612 in Prag war eine Erlösung.
 
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Referat: 4594 - Rudolf II. – Kurze Biografie
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