Wieder waren es die eigenen Familienangehörigen und Verwandten, die Otto I. in den Rücken fielen. Sohn Liudolf, schon 946 zum Nachfolger ausersehen, war über die erneute Ehe seines Vaters und den daraus hervorgegangenen jüngsten Bruder gar nicht erbaut und bereits 950 von seinem Vater schwer zurechtgewiesen worden, weil er durch einen eigenmächtigen Zug nach Italien selber die Langobardenkrone hatte gewinnen wollen. Jetzt, 952, nach der Gebietserweiterung seines Onkels Heinrich I. von Baiern um die Marken Verona, Aquileja und Istrien, fühlte er sich erneut übervorteilt und revoltierte, zumal er fürchtete, später die Herrschaft mit Ottos und Adelheids Sohn teilen zu müssen. Der »rote« Konrad von Lothringen, Ottos I. Schwiegersohn, schloss sich an, der dritte im Bund - wieder einmal - war Erzbischof Friedrich von Mainz. Ihr Ziel war es, Liudolf als Mitregenten durchzusetzen und den Einfluss Adelheids auf die Politik zu bremsen. Otto I. suchte die Entscheidung im Kampf, und genau wie früher, als er alle bedeutsamen Schlachten mit dem Gegner verloren, die entscheidenden Gefechte aber durch Zufall gewonnen hatte, war es auch diesmal. Weder schaffte es Otto I. das eine Mal, den in Mainz eingeschlossenen Sohn entscheidend zu treffen, noch das andere Mal, Regensburg einzunehmen, wo sich der Sohn mit den vom König abgefallenen Baiern verschanzt hatte. Verlassen vom größten Teil des Adels und der Bischöfe, musste sich Otto I. unverrichteter Dinge nach Sachsen zurückziehen. Geradezu ausweglos wurde die Situation, als die Verschwörer mit den Ungarn Kontakt aufnahmen. Die schlimmen Zustände der Jahre 937-941 schienen sich zu wiederholen. Ottos I. machtvolle Klage auf einem Reichstag bei Langenzenn nahe Nürnberg 954 mag zeigen, wie tief er betroffen war vom bevorstehenden Zusammenbruch seines Lebenswerkes: »Ich wollte es ertragen, wenn der Groll meines Sohnes und der übrigen Verschwörer nur mich alleine peinigte und nicht das ganze Volk der Christenheit in Verwirrung brächte ..., wenn nicht die Feinde Gottes und der Menschen (die Ungarn) in diese Händel hineingezogen würden. Eben jetzt haben sie mein Reich verödet, das Volk gefangen oder getötet, die Städte zerstört, die Kirchen verbrannt, die Priester erwürgt ... Welche Freveltat, welche Treulosigkeit noch möglich sei, vermag ich nicht auszudenken«. Die geschickte Verbindung der innenpolitischen Schwierigkeiten mit dem Ungarneinfall und die Verlagerung des Problems auf die religiöse Ebene, in der alle Gegner mit Otto I. wieder einer Meinung sein konnten, verfehlte ihre Wirkung nicht. Herzog Konrad der Rote von Lothringen, Erzbischof Friedrich von Mainz und zuletzt sein Sohn Herzog Liudolf von Schwaben unterwarfen sich dem König, zumal die Zahl ihrer Anhänger sich rapide verringert hatte, nachdem die Kontaktnahme der Aufständischen mit den Ungarn bekannt geworden war. Ihre Herzogsämter wurden neu besetzt. Als die Ungarn 955 erneut in Baiern einfielen, stießen sie auf ein ideell geeinigtes Heer, in dem alle Stämme gemeinsam zum Kampf aufmarschierten. Nur vier Wochen vergingen bis zum Sammeln des Reichsaufgebotes bei Ulm.
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