Nach vielen Jahren kam Kaiser Otto III. in die Gegend, wo Karl ordnungsgemäß bestattet ruhte. Otto begab sich mit zwei Bischöfen und dem Grafen Otto von Lumello zum Grabe. Dieser Graf erzählte mir nun folgendes:
»Wir gingen also zu Karl hinein. Er lag nicht, wie sonst die Toten, sondern saß, als lebte er, auf einem Stuhle. Er hatte eine goldene Krone auf dem Haupte, und hielt in seinen Händen, die in Handschuhen steckten, ein Zepter, die Fingernägel hatten sich durch die Handschuhe gebohrt und schauten aus ihnen heraus. Über ihm war eine Decke aus Kalk und Marmor. Als wir hinkamen, durchbrachen wir sie. Bei unserm Eintritt schlug uns ein überaus starker Geruch entgegen. Wir erwiesen Kaiser Karl sofort auf den Knien unsere Huldigung, und Kaiser Otto bekleidete ihn auf der Stelle mit weißen Gewändern, beschnitt ihm die Nägel und brachte, was Schaden gelitten hatte, wieder in Ordnung. Übrigens hatte Kaiser Karl noch keines seiner Glieder durch Verwesung verloren, einzig die Nasenspitze hatte er eingebüßt. Kaiser Otto ersetzte sie mit Gold, zog einen Zahn aus Karls Munde, vermauerte den Zugang zu dem Gemach aufs neue und entfernte sich.«
Aus: Chronikon Novalicence (Die Chronik des Klosters Novalese bei Turin wurde zwischen 1025 und 1030 geschrieben, dass Karl aufrecht auf dem Thron gesessen haben soll, gilt als sagenhafte Ausschmückung.)
Gründung des Bistums Bamberg 1007
Nach dem Bericht des Thietmar von Merseburg
Der König [Heinrich II.] setzte eine allgemeine Synode zu Frankfurt an, die von allen Bischöfen diesseits der Alpen besucht wurde. Seit seiner Kindheit hatte der König die Stadt Bamberg in Ostfranken ganz besonders geliebt und mehr als jede andere gefördert, nach seiner Verehelichung verlieh er sie seiner Gemahlin als Morgengabe. Nachdem ihn Gottes Erbarmung zum König erhoben hatte, sann er im stillen immer darauf, Bamberg zum Bistum zu erheben. Nachdem die Erzbischöfe mit all ihren Bischöfen der Reihe nach Platz genommen hatten, warf sich der König zu Boden, wurde vom Erzbischof Willigis [von Mainz] aufgehoben und richtete nun an alle Anwesenden folgende Worte: »Für künftigen Lohn habe ich Christus zu meinem Erben erkoren, seitdem ich keine Hoffnung mehr habe, Nachkommen zu erhalten. Darum brachte ich schon seit Langem im Innersten meines Herzens dem ewigen Vater meine beste Habe zum Opfer dar: mich selbst, meine Besitzungen, und was ich noch je erwerben werde. Mit Genehmigung meines Bischofs [Heinrich von Würzburg, der hoffte, der König werde ihn zum Erzbischof machen und ihm Bamberg unterstellen. Als er merkte, dass der König dazu nicht bereit war, zog er seine Zusage zurück und erschien auch nicht auf der Synode] wünschte ich zu Bamberg ein Bistum zu errichten, und heute will ich dies mein gerechtes Vorhaben ausführen. Ich wende mich darum an eure hocherlauchte Frömmigkeit, damit nicht durch die Abwesenheit dessen, der von mir etwas erlangen wollte, was ich ihm nicht gewähren darf, die Ausführung meines Wunsches verhindert werde. Auf die Herzen aller Anwesenden muss es doch Eindruck machen, dass er aus Ehrgeiz gegen die Förderung der heiligen Mutter Kirche ist, und es wagt, sich durch einen Boten ... hier vertreten zu lassen. Die großmütige Güte meiner hier anwesenden Gattin und meines einzigen Bruders und Miterben, tritt für die bestimmte Ausführung meines Vorhabens ein. Übrigens mögen beide versichert sein, dass ich ihnen alles, was sie abtreten ... ersetzen werde. Auch der Bischof [Heinrich von Würzburg] wird mich ganz sicher zu allem bereitfinden, was euch gut scheint, wenn er sich hier zeigt und sein Versprechen einlösen will.«
Hierauf erhob sich der Kaplan des Bischofs Heinrich und erklärte, sein Herr sei aus Furcht vor dem König nicht hierher gekommen, er habe auch nie seine Zustimmung zur Schädigung der ihm von Gott verliehenen Kirche gegeben. Er beschwor sodann alle Anwesenden ... nichts zuzulassen, was für sie selbst einen Präzedenzfall schaffe. Dann wurden die Privilegien des Bischofs laut verlesen. Sooft nun der König die Richter ängstlich schwanken sah, warf er sich demütig zu Boden. Als schließlich der Erzbischof Willigis die Frage stellte, was in der Angelegenheit geschehen solle, antwortete Tagino als erster, die Sache könne dem Gesetze gemäß nach des Königs Worten entschieden werden. Alle stimmten dem zu und gaben hierfür ihre Unterschrift. Jetzt wurde Eberhard, der damals Kanzler war, vom König mit dem Bischofsamt betraut, und Erzbischof Willigis weihte ihn noch am gleichen Tage. Auch dem Bischof Heinrich wurde auf Verwendung von dessen Bruder Heribert [von Köln] die Huld des Königs wieder zuteil, und er erhielt eine Entschädigung, mit der er zufrieden war.
Aus: Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon (Chronik des Thietmar, Bischof von Merseburg, 975-1019.)
Kategorie: Sachsenkönige und -kaiser Nach oben