Seit dem Slawenaufstand 983 war die Ostgrenze des Reiches ein Unruheherd. Das Land zwischen Elbe und Oder war für das Reich verloren, ins Heidentum zurückgefallen. Ein Grund mehr für Heinrich II., die Missionstätigkeit der Vorgänger auch als seine Aufgabe zu übernehmen und zugleich mit dem Christentum die politische Oberherrschaft wieder nach Osten auszudehnen. Doch in dem polnischen Piastenherzog Boleslaw Chrobry war Heinrich ein ebenbürtiger Gegner erwachsen. Nicht nur ein furchtloser Kämpfer, sondern auch ein Diplomat, dessen Geschick bei der Gründung des polnischen Erzbistums Gnesen durch Otto III. deutlich geworden war, hatte er bei Regierungsantritt des neuen Königs die Lausitz und Meißen erobert. Nun versuchte er erneut, unter Ausnutzung der kleinstaatlichen Zerrissenheit im Osten ein großes, alle Westslawen umfassendes Reich zu gründen, das sich für Deutschland zu einer schweren Belastung entwickeln konnte. Den Herzog Boleslaw von Böhmen hatte er nach der Vertreibung durch die eigenen Landsleute wieder zurückgeführt und bei dieser Gelegenheit gleich selber Ansprüche auf Böhmen erhoben.
Die Kämpfe mit Boleslaw Chrobry waren hart, und obwohl Heinrich II. persönlich das Heer führte, gelang ihm in den Jahren 1004-1017, in denen mit Unterbrechungen Krieg geführt wurde, kein entscheidender Sieg, weil er mit der Taktik der Polen, jeder offenen Feldschlacht auszuweichen und Wälder und Sümpfe als Bundesgenossen zu benutzen, nicht zurechtkam. Heinrich II. war unkonventionell genug, selbst die heidnischen Liutizen im Gebiet des heutigen Brandenburg ins Heer mit einzubeziehen und eine völlige Umkehrung bisheriger Normen zuzulassen, als er einen Knappen bestrafte, weil er eine heidnische Fahne mit der Darstellung eines Götzenbildes mit einem Steinwurf durchlöchert hatte. Erst 1018 kam es in Bautzen zum Friedensschluss. »Die Bedingungen waren freilich nicht solche, wie sie hätten sein sollen, sondern nur, wie sie damals zu erlangen waren«, kommentiert der Chronist Thietmar von Merseburg. Der deutsche König setzte zwar die Ansprüche auf die Mark Meißen durch, aber die Lausitz ging als deutsches Lehen an Polen über und verblieb dort bis 1031. Diesen polnischen Auseinandersetzungen war es auch zuzuschreiben, dass sich Heinrich II. bisher um die Wirren in Italien nicht intensiv hatte kümmern können.
Boleslaw I. Chrobry »Der Tapfere« - Porträt
Boleslaw I. trat 992 die Nachfolge seines Vaters Mieszko I. als Herrscher von Polen an, wobei er sich der Konkurrenz aus seiner eigenen Familie mit konsequenter Härte entledigte. Sein Ziel war ein selbstständiger polnischer Staat, der den slawischen Osten Mitteleuropas christianisieren und beherrschen konnte. Dazu brauchte Polen vor allem eine eigene Kirchenorganisation. Die Gelegenheit dazu ergab sich, als Adalbert von Prag, ein enger Freund Kaiser Ottos III., 997 als Missionar von heidnischen Pruzzen ermordet wurde: Boleslaw ließ dessen Gebeine nach Polen bringen und in Gnesen bestatten, wo sich der Legende nach alsbald viele Wunder ereigneten. Darauf bat der Polenherzog den Papst, dort ein selbstständiges polnisches Erzbistum errichten zu dürfen.
Als Otto III, mit dem Boleslaw immer gut harmoniert hatte, im Jahre 1000 nach Gnesen wallfahrtete, empfing ihn der Polenherrscher mit dem Prunk eines orientalischen Potentaten und gab tagelange Bankette: Boleslaw wollte von Otto die Königskrone und die Hoheit über Polens Kirche erlangen. Den ersten Wunsch erfüllte ihm der Kaiser nicht, doch nahm er bei einem Gastmahl seine Kaiserkrone ab, setzte sie Boleslaw auf und ernannte ihn zu seinem bevorzugten Freund und Mitarbeiter. Polen war damit als selbstständiger »Staat« mit eigener Kirchenorganisation faktisch anerkannt.
Nach Ottos III. Tod beschwor Boleslaw durch seinen Anspruch auf Böhmen drei lange Kriege mit dem Reich herauf die erst 1018 endeten und Polens Grenze nach Westen vorschoben. Im selben Jahr unternahm der Polenherrscher einen kühnen Zug gegen Kiew, das er einnahm und ausplünderte, 1024 erlangte er dann mit päpstlicher Hilfe die lang erstrebte Königskrone.
Boleslaw war eine brillante, faszinierende Kriegergestalt. Nationale Antipathien gegen die Deutschen kannte er nicht, Bündnisse wie Kriege mit den Deutschen waren gleichermaßen nur Mittel seiner Machtpolitik, die er ehrgeizig betrieb, ohne immer seine Ziele zu erreichen oder Erreichtes zu bewahren.
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