Regierungsziele Friedrichs I.

Wohl kein Kaiser des Mittelalters ist so bekannt, so volkstümlich wie Friedrich I. Barbarossa, der in Italien wegen seines rotblonden Bartes Barbarossa, »Rotbart«, genannt wurde und unter diesem Namen in die Legende einging.

Kaum drei Wochen nach dem Tod des Staufers Konrad III. wurde am 4. März 1152 dessen Neffe, Herzog Friedrich von Schwaben, als Friedrich I. in Frankfurt zum neuen König gewählt. Schon sein Vater hatte 1125 gehofft, in den Besitz der Krone zu gelangen, doch hatten vor allem die geistlichen Fürsten damals wegen der engen Verbindung des schwäbischen und sächsischen Hauses eine Fortsetzung der salischen Kirchenpolitik und damit weitere Spannungen mit Rom gefürchtet und sich deshalb für den Sachsenherzog Lothar entschieden. Ein Vierteljahrhundert war nun vergangen, immer neuer politischer Zündstoff hatte sich angehäuft, bürgerkriegsähnliche Zustände herrschten in Teilen des Reiches: Diese schwere politische Krise, ausgelöst durch erbitterte Machtkämpfe zwischen Welfen und Staufern, galt es zu lösen. So hatte nun der Sohn mehr Glück bei den Reichsfürsten: sie stellten für den Augenblick ihre eigenen Interessen zurück, opponierten nicht gegen das Geblütsrecht und erhoben den auf den Thron, der ihnen die beste Gewähr bot, mit den Problemen fertig zu werden.

Friede, Recht und Unabhängigkeit
Friedrich I. zog zunächst von Frankfurt nach Aachen und ließ sich fünf Tage nach seiner Wahl in der alten, seit Karl dem Großen hoch verehrten Kaiserstadt krönen. Hier ließ er die Prinzipien erkennen, die seine Politik kennzeichnen sollten. Er informierte den Papst über seine Wahl, bat jedoch nicht wie seine Vorgänger um eine Bestätigung, sondern erklärte, dass er die Rechte der Kirche wahren werde, zugleich aber auch die Erhabenheit des Römischen Reiches zu seiner alten Kraft reformieren werde. Den Wunsch der geistlichen Fürsten, er möge bald nach Rom ziehen, erfüllte er zunächst nicht, galt es doch vor allem, den Frieden im Reich wieder herzustellen. Basis für die Bekämpfung der Bürgerkriegszustände war der Erlass eines Landfriedensgesetzes, das härtere Strafen als bisher gegen Verstöße in Aussicht stellte.

Auf dem ersten Reichstag, Pfingsten 1152 in Merseburg, errang Friedrich I. auch seinen ersten außenpolitischen Erfolg: es gelang ihm nicht nur, den dänischen Thronstreit zu schlichten - der von Friedrich eingesetzte König nahm auch sein Land von ihm zu Lehen.

Viel schwieriger war es, das innenpolitische Problem, den Streit zwischen den Welfen und Staufern zu schlichten. Um den ganzen Umfang der Problematik zu erfassen, muss man vor allem die Rolle der Welfen im 11. Jahrhundert kennen: Dieses angesehene, in Oberschwaben beheimatete Geschlecht konnte auf eine bedeutende Vergangenheit verweisen. Es rühmte sich selbst, seine Ahnherrn hätten mit Odoaker gegen den letzten römischen Kaiser gekämpft, Welfen seien schon unter Karl dem Großen Grafen im Gebiet von Ravensburg gewesen und eine Welfin, die schöne Judith, habe an der Seite Ludwigs des Frommen als Kaiserin geherrscht. Mit Welf III., Herzog von Kärnten, war zwar 1055 der Mannesstamm der älteren Welfen ausgestorben, doch aus der Ehe seiner Schwester mit dem Markgrafen von Este (einem aus der gleichnamigen Stadt südlich von Padua stammenden Geschlecht deutschen Ursprungs, das schon in ottonischer und salischer Zeit kaiserliche Pfalzgrafen stellte) ging die neue, jüngere Welfenlinie hervor, deren erster Vertreter Welf IV. 1070 Herzog Welf I. von Baiern wurde. Er war es, der König Heinrich IV. jahrelang die Alpenpässe sperrte und so an der Rückkehr nach Deutschland hinderte. Und Welf I. war es auch, der, unterstützt durch den Papst, seinen siebzehnjährigen Sohn mit der dreiundvierzigjährigen Gräfin Mathilde von Tuscien verheiratete und damit dem Traum eines welfischen Machtbereichs von der Donau über die Alpen bis in die Toscana näherzukommen schien. Doch nicht genug, als der sächsische Herzogsstuhl nach dem Aussterben des Geschlechts der Billunger 1106 verwaiste, fassten die Welfen als Erben in Sachsen-Lüneburg Fuß und wurden schließlich, als Kaiser Lothar III., der sein einziges Kind Gertrud dem welfischen Baiernherzog vermählt hatte, starb, Herren des ganzen Herzogtums. Es ist verständlich, dass sich die Welfen zum Kaisertum berufen fühlten und deshalb mit den rivalisierenden Staufern in Streit geraten mussten, zumal ihnen der staufische Kaiser Konrad III. das Herzogtum Baiern genommen hatte.
 
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