Wenn der Besucher vom Mailänder Domplatz in die Via Torrino einbiegt, erreicht er am Ende des alten Stadtkerns die Porta Romana, über deren Torbogen ein Relief angebracht war, das heute in den Städtischen Museen zu sehen ist: der Kaiser Friedrich I., thronend im Ornat, ohne Krone, aber mit Zepter, die Beine verschränkt, unter ihm ein Ungeheuer. In dem rätselhaften Bild sehen italienische Kunsthistoriker eine Karikatur, deutsche dagegen eine Darstellung des Siegers und Triumphators: widersprüchliche Deutungen, wie sie bei der Beurteilung dieser Persönlichkeit immer wieder auftreten. Verehrung oder Hass prägten das Bild, dennoch erbringt eine Analyse der üblichen Klischees vom guten oder bösen Kaiser einige Züge, die den Kaiser und seinen Interpreten gleichermaßen charakterisieren. Er schien die Verkörperung des christlichen Ritters zu sein, von der Erscheinung, der adeligen Laienbildung, der kämpferischen Haltung her. Als König setzte er die salische Politik fort, als Kaiser fühlte er sich Karl I. und Otto I. verpflichtet. Veränderte gesellschaftliche und politische Konstellationen forderten von ihm aber radikales Umdenken. Die innere Beweglichkeit, die ihn befähigte, sich mit dem Möglichen zu begnügen und unter gewissen Umständen noch das Beste herauszuholen, verschaffte ihm bei Freund und Feind Anerkennung. Auch in der tiefsten Erniedrigung wurde er ernst genommen. In seinem Vorgehen konnte er konsequent bis zur Starrheit sein und nicht vor Brutalität zurückschrecken. Sein Chronist Otto von Freising suchte die unmenschlichen, schroffen Züge mit der Bürde der kaiserlichen Amtspflicht zu entschuldigen, die Gegenseite stellte ihn als Tyrannen hin, der unter dem Deckmantel der »staufischen Reichserneuerung« die Weltherrschaft anstrebe. Seine größten Erfolge errang er durch schlaues, zähes Verhandeln. Er war nicht »rückständig« und »reaktionär«, sondern - wie man heute sagen würde - Realpolitiker und Pragmatiker. Seine relativ lange Lebensdauer (1122-1190) erlaubte bei aller Wechselhaftigkeit doch die Durchsetzung einer kontinuierlichen Politik, die für die Zukunft Weichen stellte.
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