Als wegen des Winters die Straßen unzugänglich waren und die Mailänder sich schon stark einschränken mussten, suchten sie die Fürsten mit schlauen Vorschlägen zu gewinnen und in Sicherheit zu wiegen und selbst unterdessen aus Brescia oder Piacenza mit vereinten Kräften Nachschub zu holen. Sie richteten jedoch nichts aus und wurden daher immer schwächer und mutloser. Nach mehreren Vorladungen und vielem Ränkespiel machten sie endlich, als ihnen die letzte Frist für den Aschermittwoch gesetzt war, zwei Vorschläge: sie wollten sich bedingungslos unterwerfen oder durch einen Vertrag die Gunst des Kaisers gewinnen. Als darüber beratschlagt wurde, stimmte ein Teil der Fürsten mit dem Kölner Erzbischof an der Spitze gegen eine Annahme dieser Vorschläge, weil nur dann der Sieg vollständig sei und der Kaiser nach Gutdünken Rache oder Milde üben könne. Die Mehrzahl dagegen war für Annahme des Vertrags, weil bei Nichteinhaltung der Kaiser sie würde hart bestrafen müssen. Endlich stimmten alle, wenn auch widerwillig, einem Vertrag zu, doch nach einigen Tagen ergaben sich die Mailänder auf Gnade und Ungnade.
Am 1. März erschienen die Konsuln der Mailänder zusammen mit etwa zwanzig Edelleuten, warfen sich, blanke Schwerter auf dem Nacken, vor dem ganzen Hofe nieder und ergaben sich ohne jede Hinterlist, mit der sie bei den ersten Unterwerfungen den Kaiser getäuscht hatten.
Am folgenden Sonntag, an dem bezeichnenderweise in der Messe gesungen wurde »Gedenke deiner Milde, o Herr!«[das Reminescere], kamen mehr als dreihundert der erlesensten Ritter Mailands zusammen mit den erwähnten Konsuln, fielen vor dem Kaiser nieder, der auf seinem Thron saß, flehten in wohlgesetzter Rede um Erbarmen, übergaben die Schlüssel der Stadt und die Hauptfahnen von allen Toren, am Dienstag kamen das Volk und die übrigen Ritter mit dem Carrocio [dem Fahnenwagen, Symbol der Stadt Mailand] und überbrachten mehr als hundert Fahnen der Stadtviertel. In geordneten Reihen zogen sie nach Neu-Lodi, die Bewohner aus drei Stadtvierteln vor dem Fahnen wagen, die anderen danach bis vor den Palast des Kaisers. Sobald sie diesen hoch auf seinem Thron erblickten, stießen die Trompeter auf dem Wagen noch einmal laut in ihre Posaunen, und als deren Klang verhallt war, wurden sie dem Kaiser überreicht. Danach traten die Vorsteher der Stadtviertel einzeln heran, bekannten sich schuldig und übergaben die Fahnen. Jetzt stand nur noch der Wagen in seiner alten Stärke, mit Eichenbohlen eingefasst, mit Eisen beschlagen und zum Kampf trefflich ausgerüstet. In seiner Mitte ragte ein schlanker Mastbaum empor, der mit Eisen, Riemen und Tauen fest umwunden war und von dessen Spitze ein Kruzifix grüßte. Es zeigte auf seiner Vorderseite das Bild des heiligen Ambrosius, der den Segen zu spenden schien, wohin immer auch der Wagen sich wandte. Nach der Übergabe aller Ehrenzeichen kam auch dieser Wagen heran, um sein Haupt zu neigen. Sein Lenker senkte kunstvoll das ganze Gerüst mit dem Mastbaum bis zur Erde, sodass wir, die wir neben dem Thron des Kaisers standen, erschraken, da wir fürchteten, das ganze Gerüst könne zusammenbrechen. Doch der Mastbaum fiel nicht und erhob sich erst, als der Kaiser die Fransen der Standarte ergriff und das Zeichen zum Wiederaufrichten gab.
Da fielen die Krieger und das Volk auf ihr Antlitz, wehklagten und flehten um Erbarmen. Nachdem einer der Konsuln eine Bittrede gehalten haue, warf sich die Menge abermals nieder und flehte um Gnade. Alle Anwesenden wurden zu Tränen gerührt, und nur des Kaisers Antlitz blieb unbewegt. Nun verlas der Erzbischof von Köln eine Unterwerfungsformel, die sie mit einem unzweideutigen Schuldbekenntnis beantworteten. Der Kaiser erwiderte auf ihr Flehen in geziemender Weise und versprach nach reiflicher Überlegung, zu einem geeigneten Zeitpunkt Gnade üben zu wollen. Dann entließ er alle und befahl ihnen, am nächsten Tag wieder zu erscheinen. Sie aber warfen in der Hoffnung auf Erbarmen die Holzkreuzehen, die sie in den Händen hielten, durch die Fenstergitter in die Kemenate der Kaiserin, da sie zu ihr keinen Zutritt hatten. Als sie nun am nächsten Tag wieder vorgeführt wurden, erklärte ihnen der Kaiser, dass er gleichzeitig mit der Gnade und dem Gericht beginnen wolle. Denn ginge es nach dem Recht, so hätten sie alle ihr Leben verwirkt. Nun aber sei es an der Zeit, auch Milde walten zu lassen. Die Mailänder gaben zu, nach dem Gesetz den Tod verdient zu haben.
Der Kaiser befahl nun, dass alle amtierenden und ehemaligen Konsuln sowie die Hauptleute, Ritter, Rechtskundigen und Richter als Geiseln festgehalten werden sollten, das einfache Volk aber als weniger schuldig nach Ablegung eines Eides entlassen und in die Stadt zurückgeschickt werde. Dann sandte er seine Bevollmächtigten nach Mailand und befahl, dass auch dort alle, die älter waren als zwölf, einen Huldigungseid leisten müssten, was auch geschah. Er befahl ferner, die einzelnen Stadttore einzureißen sowie die Mauern und den Graben bei den Toren einzuebnen, damit die Heereshaufen in breiter, ausgerichteter Front einziehen könnten. Auch das wurde ausgeführt. Von ihren mehr als zweitausend Burgen waren den Mailändern nur vier übriggeblieben. Auch diese mussten sie nach kaiserlichem Richterspruch übergeben. Nachdem der Kaiser so Mailand bezwungen hatte, siegte bei ihm selbst das Erbarmen und er löste die Mailänder vom kaiserlichen Bann. Darauf wurden die Stadtmauern, Gräben und Türme allmählich zerstört und so die ganze Stadt von Tag zu Tag immer stärker dem Verfall preisgegeben. Die Bürger erhielten den Befehl, auf die Dörfer und zu ihren Landhäusern zu ziehen und sich dort mit dem Ackerbau zu beschäftigen. In der Stadt aber durfte niemand mehr wohnen.
An Ostern hielt der Kaiser in Pavia einen Reichstag, an dem alle Fürsten, Markgrafen, Grafen, Barone, Hauptleute und die Konsuln der Lombardei teilnahmen. Sie alle ließ er in seiner Umgebung reichlich bewirten. Am zweiten Ostertag schwuren die Pisaner dem Kaiser Treue, am dritten leisteten die Bürger von Brescia einen ähnlichen Eid. So beugte sich die ganze Lombardei, Tuscien und die Romagna vor dem Kaiser.
Aus: Chronica regia Coloniensis (Königschronik von Köln).
Die Zerstörung Mailands war mit großer Wahrscheinlichkeit als abschreckendes Beispiel gedacht - und der Erfolg schien im Nachhinein die Mittel zu rechtfertigen: die antistaufischen Städte ergaben sich alle. Daraufhin plante Friedrich I. mit Unteritalien und Sizilien ›aufzuräumen‹, den Gebieten, die sich dem Zugriff der deutschen Krone immer zu entziehen gewusst hatten. Doch das gut geplante Unternehmen verlief im Sande, da die wichtigsten kaiserlichen Verbündeten, die Seemächte Pisa und Genua, sich aufgrund ihrer schon als traditionell zu bezeichnenden wirtschaftlichen Rivalität und Konkurrenz während des Feldzugs in neue Händel verstrickten.
Ein weiterer Misserfolg machte die Isolation deutlich, in die Kaiser und Reich geraten waren. Friedrich I. lud den französischen König Ludwig VII. zu einer Zusammenkunft ein, die dazu dienen sollte, eine Lösung des Schismas zu finden.
Doch der an Ausgleich interessierte Kaiser wartete an der Brücke bei St. Jean de Losne, die zwischen Dôle und Dijon über die Saône führte und die Reichsgrenze bildete, vergebens auf Ludwig VII. Dieser war ursprünglich bereit gewesen, Alexander III., der in Frankreich ein Asyl gefunden hatte, zu bewegen, sich einem Schiedsgericht zu stellen, das die Rechtmäßigkeit seiner Wahl überprüfen sollte. Er wich aber vor dem Druck des alexanderfreundlichen französischen Klerus und den Drohungen seines eigenen Lehnsmannes, König Heinrich II. von England, den Alexander III. ganz für sich gewonnen hatte, zurück. Die Furcht der westlichen Nachbarn, der Kaiser werde seine Machtstellung ausnützen, um alle Völker Europas zu unterwerfen, führte bei den adeligen Führungsgruppen dieser Länder zu einer ›deutschfeindlichem‹ Stimmung.
Johann von Salisbury, Sekretär des Erzbischofs von Canterbury, sprach aus, was viele dachten: »Wer hat die Deutschen zu Richtern über die Völker gesetzt? Wer hat diesen rohen und brutalen Leuten das Recht gegeben, nach ihrem Belieben einen Fürsten über die Häupter der Menschenkinder zu setzen?« Diese oft zitierten, überaus pointierten Sätze sind verständlich, wenn man bedenkt, dass der Kanzler Rainald von Dassel ausländische Fürsten im Vergleich zum Kaiser als Zwergkönige oder kleine Provinzkönige bezeichnete und Friedrich I. selbstverständlich seine Aufgabe als Universalherrscher in der Verpflichtung sah, als Schutzherr der gesamten Christenheit aufzutreten und deren Geschicke nach seinen eigenen Interessen zu bestimmen.
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