Nachdem Friedrich I. die Verhältnisse in Italien in seinem Sinn organisiert hatte - der in Venedig mit der Lombardischen Liga auf sechs Jahre befristete Waffenstillstand bot ihm dazu Gelegenheit -, kehrte er wie ein Sieger nach Deutschland zurück. Seit 1177 waren dort die Kämpfe zwischen seinem expansiven ›Übervasall‹ Heinrich dem Löwen und dessen Gegnern wieder entbrannt. Außenpolitisch verfolgte Heinrich der Löwe eine welfisch-englische Annäherung mittels Heiratspolitik, während Friedrich I. das staufisch-kapetingische Bündnis forcierte - zwei gegensätzliche Bündnissysteme entstanden, Friedrich I. musste einschreiten. Er ließ die mit Heinrich dem Löwen konkurrierenden Fürsten für sich arbeiten und brauchte nur noch auf einen Anlass zu warten, der sich in einer lehnspolitischen Frage - nämlich im Zusammenhang mit den Halberstädter Kirchenlehen - bald fand. Alle alten Gegner Heinrichs des Löwen aus Thüringen, Brandenburg, Magdeburg, Bremen und besonders aus Köln kamen zusammen. Auf dem Reichstag zu Speyer 1178 hörte sich der Kaiser die Klagen beider Parteien an und ließ ein Rechtsverfahren einleiten. Als Heinrich der Löwe dann mehreren Vorladungen nicht Folge leistete, wurde die Acht über ihn ausgesprochen. Nach diesem landrechtlichen Verfahren eröffnete der Kaiser ein lehnrechtliches Verfahren wegen Nichtachtung der kaiserlichen Majestät. Da Heinrich trotz weiterer Vorladungen sich über den ganzen Vorgang hinwegsetzte, ging er aufgrund eines Fürstenspruchs seiner gesamten Reichslehen verlustig.
Mit der nun folgenden Oberacht war er persönlich ehr- und rechtlos geworden. Nach Eröffnung des Reichskriegs gegen ihn im Sommer 1180 hatte er keine Chance, im Kampf zu bestehen. Seine Vasallen und Ministerialen öffneten dem Kaiser ihre Burgen und die Städte, das ganze Land wollte von seinem Herzog nichts mehr wissen, so sehr hatte sein gewalttätiges Vorgehen ihn verhasst gemacht. ›Sein‹ Lübeck ergab sich im August 1181 und wurde vom Kaiser zur Reichsstadt erhoben. Führende Kreise in Dänemark freuten sich über den Fall ihres Rivalen, die Slawenfürsten von Mecklenburg und Pommern nahmen ihre Länder nun vom Kaiser zu Lehen, d. h. sie verbanden sich einem neuen Partner. Auch von seinem Schwiegervater konnte Heinrich der Löwe keine Hilfe erwarten, denn England lag inzwischen im Krieg mit Frankreich. Auf dem Reichstag zu Erfurt 1181 unterwarf sich Heinrich der Löwe, verzichtete auf seine Reichslehen und erhielt nur seinen Hausbesitz Braunschweig und Lüneburg zurück. Er ging in die Verbannung nach England, durfte aber nach einigen Jahren nach Deutschland zurückkehren. Schon ein Jahr vorher wurden die Reichslehen neu aufgeteilt: der Kölner Erzbischof erhielt ein neues »Herzogtum Westfalen«, Herzog von Sachsen wurde der jüngste Sohn des Askaniers Albrecht des Bären, Graf Bernhard von Anhalt, Herzog von Baiern Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, dabei wurde die Steiermark als selbstständiges Herzogtum abgetrennt. Das Reich und der Kaiser profitierten von dieser Gebietsaufteilung nicht, weil anders als in Frankreich der deutsche König nicht das Recht besaß, »erledigte« (d. h. durch Tod oder Entzug frei gewordene) Territorien einzuziehen, sondern nach Gewohnheitsrecht binnen Jahr und Tag neu vergeben musste. Als die eigentlichen Gewinner gingen die Reichsfürsten aus dem Prozess gegen Heinrich den Löwen hervor: sie teilten sein ›Fell‹ unter sich auf, erhielten das welfische Territorium und wurden vom mächtigsten Konkurrenten befreit.
Der neue Reichsfürstenstand sonderte sich mehr und mehr vom anderen Adel ab und trug wesentlich zum ständigen Machtverlust des deutschen Königtums bei. Der Welfensturz war für Friedrich I. ein großer persönlicher Erfolg, für das deutsche Königtum aber nur ein Pyrrhussieg, der ihm in keiner Weise neue Energien und Einkünfte zuführte.
Text der Zeit - Sturz Heinrichs des Löwen 1180
Nach der Belagerung von Lübeck und der Übergabe der Stadt an Kaiser Friedrich Barbarossa, setzte dieser auf dem Heimweg über die Elbe und schlug östlich von Lüneburg ein Lager auf. Herzog Heinrich der Löwe hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Stade auf, wohin er sich wegen der sicheren Lage des Ortes zurückgezogen hatte. Er hoffte nämlich, noch auf dem Wasser entkommen zu können, selbst wenn die Stadt von den Feinden genommen würde. Er hatte sie mit einem mächtigen Wall und Befestigungswerken umgeben und auch Belagerungsmaschinen bauen lassen. Im Zusammenhang damit ließ Graf Gunzelin, der die Befestigungsbauten leitete, die Türme des Münsters unüberlegt abtragen, weil sie zu nahe an den Befestigungen standen. Damit aber hatte er schwere Schuld auf sich geladen, denn solche Maßnahmen bringen oft durch Gottes drohende Hand größeres Verderben, als man durch sie zu verhüten hofft.
Als der Herzog sich in die Enge getrieben sah, bat er den Herrn Kaiser um die Erlaubnis, mit kaiserlichem Geleit nach Lüneburg kommen zu dürfen, denn er hoffte, bei ihm auf irgend eine Weise Erbarmen zu finden. Als er nun mit dem Geleit zwischen Artlenburg und Bardowick war, kamen ihm zahlreiche Ritter aus dem kaiserlichen Lager entgegen und boten ihm friedlichen Gruß. Nachdem er ihren Gruß erwidert hatte, sagte der Herzog: »Ich war sonst nicht gewohnt, hier im Lande Geleit zu empfangen, sondern gewährte es vielmehr anderen.« So kam er nach Lüneburg und bemühte sich durch seine Unterhändler, den Kaiser auf jede nur erdenkliche Weise zu besänftigen. Er ließ auch seine Gefangenen ... frei und hoffte, durch solches Entgegenkommen Gnade zu verdienen. Aber er erreichte nichts. Der Kaiser brach wieder auf und setzte für ihn einen Hoftag in Quedlinburg an, um dort mit den Fürsten nach Recht und Gerechtigkeit zu beschließen, was mit dem Herzog zu geschehen habe. Darüber freuten sich die Freunde des Herzogs, weil sie hofften, dass dort Günstiges über ihn beschlossen werden könnte.
Der Herzog erschien an dem ihm anberaumten Gerichtstag, warf sich vor dem Kaiser zu Füßen und unterwarf sich völlig dessen Gnade. Friedrich hob ihn vom Boden auf, küsste ihn und beklagte mit Tränen in den Augen, dass ihre Uneinigkeit so lange gedauert und er selbst sich seinen Sturz zuzuschreiben habe. Es bleibt aber zweifelhaft, ob diese Tränen aufrichtig gemeint waren. Er scheint kein echtes Mitleid mit dem Herzog empfunden zu haben, da er gar nicht versuchte, diesen wieder in seine frühere Stellung einzusetzen. Freilich konnte das der Kaiser auch nicht, da er ja einen Eid geleistet hatte.
Als nämlich alle Fürsten nach dem Sturz des Löwen trachteten, schwor ihnen Friedrich bei seiner kaiserlichen Würde, dass er ihn nie wieder in seinen früheren Rang einsetzen werde, sofern nicht alle damit einverstanden sein würden. Doch bewilligte er dem Herzog als Gunst, dass er seine Erblande, wo immer diese auch lägen, ohne jeden Einspruch völlig frei besitzen solle. Der Herzog verbannte sich selbst für drei Jahre aus seinem Land, indem er durch Eidschwur gelobte, es innerhalb dieser Zeit nicht zu betreten, außer der Kaiser würde ihn zurückrufen. Heinrich reiste zu seinem Schwiegervater, dem König von England. Er war begleitet von seiner Gemahlin und seinen Kindern und hielt sich während des ganzen Zeitraums in England auf. Der König [Heinrich II. von England] behandelte ihn höchst ehrenvoll und setzte ihn gleich einem Fürsten über das ganze Land, auch machte er allen seinen Mitverbannten reiche Geschenke.
Aus: Arnoldi Chronica Slavorum (Slawenchronik des Arnold von Lübeck - Arnold war der erste Abt des Johannis-Klosters in Lübeck, er starb 1212).
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