Konrad II. – Auch der König will leben

Bei der Versorgung des Hofes war der König, da Geld knapp war, auf die Eigenwirtschaft angewiesen. Die königlichen Güter lagen jedoch weit verstreut über das Reich, vornehmlich in Schwaben und Franken, sodass der König zwangsläufig auf Reisen gehen musste, wenn er den Bedarf seines Gefolges, das 300 bis 4000 Personen umfassen konnte, befriedigen wollte. Über den Tagesverbrauch des königlichen Hofes sind wir nur unzureichend informiert. Eine Quelle des 12. Jahrhunderts übertreibt ohne Zweifel, wenn sie hierfür 1000 Schweine und Schafe, 10 Fuder Bier, 10 Fuder Wein, 1000 Malter Getreide und acht Rinder angibt - nimmt man 1000 bis 1800 Liter für das Fuder und 1,2 bis 1,5 Hektoliter für das Malter, ergibt sich ein enormer Pro-Kopf-Verbrauch, zu dem die Jahresrente einer einfachen Frau nicht so recht passen will: sie braucht sieben Malter Getreide, 30 Scheffel Gerste, einen Malter Käse und einen Schinken. Grünzeug, Kohl oder Steckrüben galten als Arme-Leute-Essen, als unstandesgemäß, eine Erklärung für die Verdauungs- und Ernährungsprobleme der königlichen Tafel.

Viele Güter, zum Beispiel das von feindlich gestimmten Sachsen umgebene Goslar, dem wegen der Harzwälder und der Silbergrube am Rammeisberg besondere Bedeutung zukam, mussten immer verteidigungsbereit sein. Konrad setzte deshalb Ministeriale (siehe unten) ein, königliche Verwaltungsbeamte unfreier Herkunft, die militärische Tüchtigkeit mit Verwaltungsgeschick verbanden und so Macht und Einfluss gewannen.

Von Haus aus wenig begütert, ein Habenichts verglichen mit der reichen, wohlgenährten Kirche, war Konrad II. nicht gewillt, ohne Not etwas zu verschenken. Der Begehrlichkeit der Bischöfe und Äbte, die ja, was Güter und Schätze anging, unersättlich waren, trat er noch reservierter entgegen als sein Vorgänger Heinrich II. Rücksichtslos beutete er das Kirchenvermögen aus und betrachtete es als Staatsschatz. Von ihm wusste jedermann, selbst sein Biograf Wipo musste es eingestehen, dass er ohne Zahlung nicht leicht ein Bistum hergab. Die besonders gefragten, weil gewinnträchtigen Bischofssitze in den italienischen Handelsstädten wurden fast öffentlich verschachert. Erst spätere Zeiten nahmen an diesem Geschäft des Kaufs geistlicher Ämter Anstoß. Sie nannten es »Simonie« nach Simon dem Magier, der von Petrus die Gabe, Wunder zu wirken, mit Geld erkaufen wollte.

Im übrigen war Konrad II. ein frommer Mann, und dies nicht weniger als so mancher heiliggesprochene König oder Kirchenfürst. Der Analphabet schätzte die Dienste seiner Hofkapläne, die ihm die königliche Schreibstube, die Kanzlei, besorgten und auch die Reichsbischöfe, so lange sie willfähige Befehlsempfänger waren. Bei allem hatte Konrad nur ein Ziel: die Durchsetzungskraft der königlichen Gewalt zu stärken.

Ministeriale (lat. ministerium: Dienst)
Dienstleute, ursprünglich Unfreie, die von den Grundherren zu Hof- und Waffendiensten herangezogen und damit von den übrigen Hörigen gesondert wurden. Dieser wichtige Vorgang spiegelt sich in den Hof- und Dienstrechten: In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts treten die Ministerialen als eigener genossenschaftlicher Stand auf.

Seitdem auch der König Ministeriale zu seinem bewaffneten Schutz heranzog, entstand neben dem Hochadel eine neue Schicht, die die Königsherrschaft trug.

1037 hatte Konrad II. den Untervasallen die Erblichkeit ihrer Lehen zugestanden, folglich wurde der Ministerialenstand gegenüber dem Adel gestärkt: Die Ministerialen blieben zwar unfrei, obwohl sie Dienstgut empfingen, waren aber politisch viel leichter verwendbar als Adelige, denen man weitaus größere wirtschaftliche und rechtliche Zugeständnisse für militärische Hilfe machen musste. Weil sie ritterlichen Kriegsdienst leisteten, wurden die Ministerialen nach und nach in den niederen Adel eingegliedert, mit dem sie sich bald vermischten. Höfische Kultur, Ritterideale und Minnesang wären ohne diese kulturell unglaublich fruchtbare Schicht nicht entstanden.
 
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Referat: 4293 - Konrad II. – Auch der König will leben
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