Der größte außenpolitische Erfolg Konrads II. war die Erwerbung Burgunds, auch Arelat genannt, das sich von Basel über das Rhônegebiet bis zum Mittelmeer erstreckte. Bedrängt von dem rebellischen Adel und mächtigen Nachbarn beherrschte der letzte kinderlose Burgunderkönig Rudolf III. (der »Träge«) nur seine Kronlande, die heutige französische Schweiz, wirklich. In angespannter Aufmerksamkeit verfolgte das Abendland den Lebensabend Rudolfs, der über 40 Jahre regierte und seinen Erben und Neffen, den Kaiser Heinrich II., überlebte. Zielstrebig sicherte sich Konrad II. das dem Reich durch Erbvertrag zugesicherte Königreich, als Rudolf III. endlich starb. Im Februar 1033 konnte Konrad II. sich selber, bald darauf seinen Sohn Heinrich III. zum burgundischen König krönen lassen. Mehrere Passstraßen über die Alpen (St. Bernhard, Mont Cenis, Simplon) lagen damit in der Hand Konrads, dem nun alle wesentlichen Wege nach Italien offen standen.
Italien - das hieß vor allem Rom und die Städte der Lombardei. Der mittelalterliche Mensch liebte und verehrte Rom, die Ewige Stadt, in deren Erde die Apostel Petrus und Paulus und so viele Märtyrer wie sonst nirgendwo bestattet waren. Diese Stadt mit ihren rund dreihundert Kirchen, darunter so riesenhafte wie die Basilika Santa Maria Maggiore oder die Peterskirche. Der imperiale Glanz Roms, das einst ein Weltreich beherrschte, lebte in den antiken Ruinen weiter, die längst zu Steinbrüchen verwahrlost, bereits damals als Sehenswürdigkeiten bestaunt wurden. Zu Hunderttausenden strömten schon um die Jahrtausendwende die Menschen nach Rom, aus allen Teilen Europas, häufig unter Einsatz des Lebens, denn Reisen steckten voller Gefahren. Das Grab des Apostels Petrus allein, nicht das Papsttum gab Rom seine Bedeutung.
Es ist hier nicht der Platz, das Sittengemälde bis in die Details nachzuzeichnen, das der Nachwelt vom frühmittelalterlichen Papsttum überliefert ist. Ein Hort geistigen, ja mönchischen Lebens war der Lateran gewiss nicht, aber auch kein Bordell wie es Kritiker bezeichneten. Das höchste Amt der Kirche war damals fest in der Hand der Grafen von Tusculum, die mit einer anderen Familie, den Crescentiern, ständig um die Macht in Rom stritten. Wenn in der weitverzweigten Familie gerade kein geistlicher Herr vorhanden war, wie es bei dem Tod des Tusculaners Benedikt VIII. der Fall war, sicherte sich notfalls der Chef des Hauses selbst die Tiara, die Papstkrone, indem er an einem einzigen Tag durch alle Weihen - von der Priesterweihe bis zur Papstweihe - ging. Papst Johannes XIX. (1024-1032), von dem hier die Rede ist, war sogar bereit, einen zäh behaupteten Anspruch, nämlich den Vorrang des weströmischen Bischofs, an den Patriarchen von Konstantinopel zu verschachern. Konrad II. wusste angesichts derartiger Vorkommnisse die Reichsbischöfe auf seiner Seite, wenn er die Verwaltung der Kirche diesseits und jenseits der Alpen selbst in die Hand nahm und dem ohnmächtigen, weil moralisch bedenklichen Papsttum eine Statistenrolle zuwies.
Deutsche Geschichte in Daten
1024 Tod Heinrichs II., Ende der sächsischen Dynastie.
1024-1125 Die fränkischen oder salischen Könige.
1024-1039 Konrad II., König und Kaiser.
1032 Königreich Burgund (Arelat) wird formell mit dem Deutschen Reich vereinigt.
1039-1056 Heinrich III., König und Kaiser.
1046 Synoden von Sutri und Rom: drei Päpste werden abgesetzt.
Europäische Geschichte in Daten
1037 Constitutio de feudis: kleine Lehen erblich.
1054 Schisma zwischen der römischen und der griechischen Kirche.
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