Seit dem Jahr 1046 konnte sich Heinrich III. seinem Lebenswerk zuwenden, der Reform der Kirche. Und diese Reform schien - vor allem mit Blick auf Rom - dringend nötig: Unerhörte Dinge wurden dem Tusculanerpapst Benedikt IX. schon von seinen Zeitgenossen nachgesagt, die Legende sieht in dem Papst, der angeblich schon als zwölfjähriger Knabe auf den Stuhl Petri gelangt sein soll, einen Ausbund sittlicher Verwahrlosung. An unwürdige Päpste war man in Rom jedoch gewöhnt, auch daran, dass sich zwei Päpste das höchste Amt der Kirche streitig machten, nun waren es aber drei Päpste zugleich. Benedikt IX., der sich für viel Geld die Papstwürde erkauft hatte, trat zurück, nachdem ihm der Gegenpapst Silvester III. offenbar die Lust am Regieren gründlich verdorben hatte. Er tat dies freiwillig, aber nicht ohne eine stattliche Abfindung in Höhe von 2000 Pfund Gold. Das Geld stammte von einer jüdischen Bankiersfamilie, Vermittler soll der Mönch Hildebrand gewesen sein, der spätere Papst Gregor VII., dessen weitere Karriere wir im Auge behalten wollen. Die Kirchenreformer, sonst leidenschaftliche Gegner jeden Ämterkaufes, nahmen an diesem Geschäft keinen Anstoß, denn es brachte einem ihrer Anhänger, einem frommen Kirchenmann, der sich nun Gregor VI. nannte, die Tiara ein. Doch Silvester III. hatte noch Anhänger, und Benedikt IX., des Müßiggangs überdrüssig, betrachtete sich bald wieder als rechtmäßiger Papst, was ja nach dem Kirchenrecht zutraf, das weder den Kauf noch den Verkauf des Amtes vorsah. Reform der Kirche war für Heinrich III. gleichbedeutend mit der Ausrottung der Simonie (Handel mit Kirchenämtern). Undenkbar, dass er sich damit abfinden konnte, von einem simonistischen Papst zum Kaiser gekrönt zu werden. Bereits zu Beginn seiner Regierung hatte er sich mit Erzbischof Aribert von Mailand, dem Feind des Vaters, versöhnt und fand so eine befriedete Lombardei vor, als er im Herbst 1046 in die Hauptstadt Pa-via einzog. Hier versammelte er die Bischöfe und Erzbischöfe des ganzen Reiches und ließ jeden Kauf oder Verkauf von kirchlichen Ämtern mit dem Bannspruch belegen. Auf zwei weiteren Synoden (siehe unten) in Sutri und Rom wurden alle drei Päpste abgesetzt. Gregor VI., dessen Anhang am stärksten war, ging in die Verbannung nach Köln, wo er starb, begleitet von seinem Kaplan Hildebrand. An ihre Stelle trat ein Sachse, der Bamberger Bischof Suidger, der sich Clemens II. nannte und am Weihnachtstage 1046 die Kaiserkrönung an Heinrich III. vollzog. Zu den reichen Schätzen des Bamberger Domes zählt auch die Grabstätte des Papstes, der nach nur neunmonatigem Pontifikat starb und als einziger deutscher Papst in Deutschland sein Grab fand.
Ungeliebte Deutsche
Bei seinem Rombesuch ließ sich Heinrich III. den goldenen Stirnreif aushändigen, das Abzeichen des weltlichen Stadtherrn, des Patricius von Rom. Der Kaiser errang so die erste und entscheidende Stimme bei der Papstwahl. Der römische Stadtadel verlor jeden Einfluss auf das Papsttum, das mit drei weiteren Deutschen in ununterbrochener Reihenfolge besetzt werden konnte: Dem Sachsen Suidger folgte der Baier Poppo nach, der in dem Südtiroler Städtchen Brixen Bischof war, ehe er als Damasus II. den Papstthron bestieg. Die Römer, von Ahnenstolz durchdrungen, sahen in den deutschen Päpsten nichts anderes als Statthalter des deutschen Kaisers und Rom zur Provinz erniedrigt. Der schwere Zungenschlag der deutschen Päpste erregte Heiterkeit, ihre Enthaltsamkeit, was die geschäftliche Seite des Amtes anbelangte, galt als Halsstarrigkeit und Hochmut. Kein Wunder, dass man nördlich der Alpen von Giftmord sprach, als Damasus II. nach drei Wochen starb, auch wenn sein Tod der Malaria zuzuschreiben ist, die in den Sümpfen der römischen Campagna brütete. Bei deutschen Bischöfen galt fortan die Papstwürde als eine Art Himmelfahrtskommando, dem man sich entzog, so weit man es konnte. Dem Elsässer Brun von Toul, einem Vetter des Kaisers, der als Leo IX. (1049-1054) in den Lateran einzog, stand dies nicht an. Er war ein leidenschaftlicher Vertreter der Kirchenreform. Ihm folgte noch einmal ein Deutscher, Gebhard von Eichstätt, als Victor II. (1055-1057) auf dem Stuhl Petri nach.
Synode: In der katholischen Kirche wird so jede kirchliche Versammlung unter Vorsitz eines zuständigen Oberen bezeichnet. Im allgemeinen wurde sie durch den Bischof einberufen, jedoch führten die deutschen Könige vor dem Investiturstreit häufig den Vorsitz. Die Synode beriet allgemeine Angelegenheiten, die die Kirche - oft aber auch die allgemeine Reichspolitik - betrafen. Im Mittelalter sehr häufig und oft mit weitreichenden Ergebnissen.
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