In der Mitte des 11. Jahrhunderts teilten sich drei Mächte die Herrschaft über Italien. Im Norden lag die Macht beim deutschen Kaiser, der zugleich König von Italien war, in Rom und Mittelitalien regierte der Papst als Herr des Kirchenstaates, im Süden beanspruchte Byzanz, das oströmische Kaiserreich, die Herrschaft auch über langobardische Gebiete, wurde jedoch immer stärker von den Langobarden und Normannen in Unteritalien und den Sarazenen in Sizilien zurückgedrängt.
Die Normannen oder Wikinger waren einst unter rücksichtslosen Führern wie Erik Blutaxt, Harald Blauzahn oder Ivar dem Knochenlosen der Schrecken Europas gewesen. Jetzt lebten viele von ihnen seit über einem Jahrhundert, sesshaft geworden und bereits romanisiert, in Nordfrankreich, in der heutigen Normandie. Von hier kamen 1016 die ersten Normannen nach Unteritalien, nicht als Eroberer wie in England, sondern als Rompilger und Söldner im Dienst langobardischer Fürsten. Ihrer Tapferkeit und überlegenen Kriegskunst - sie kämpften in geschlossenen Einheiten - verdankte der Fürst Waimar von Salerno (†1052) seine Siege über Byzanz, die ihn zeitweise zum Herrn über ganz Unteritalien machten, nur Benevent und Neapel blieben selbstständig. Seine Krieger entlohnte der Fürst, indem er ihnen besetzte oder noch zu erobernde Landschaften und Städte zur Nutzung überließ, also zu Lehen gab. Unter Wilhelm Eisenarm nahmen die Normannen die Grafschaft Apulien in Besitz, Rainulf I. gewann Aversa, später auch Capua. Als Heinrich III. im Jahr 1047 von Rom nach Capua weiterzog, bestätigte er den Normannenfürsten ihre Besitzungen und ließ sich von ihnen und Waimar von Salerno huldigen.
Von Machtkämpfen zerrissenes Italien
Das Kaisertum der Deutschen hatte jetzt seine größte Ausdehnung erreicht. Die Grenzen, innerhalb derer die kaiserliche Gewalt Geltung beanspruchen konnte, reichte von der Oder und der Donau bis zur Rhône und Saône, von Prag bis Gent, von der dänischen Grenze im Norden bis tief in den Süden Italiens. Die Pommern, Polen, Böhmen und Ungarn huldigten dem Kaiser, der die drei Königreiche Deutschland, Italien und Burgund vereinigte und Rom und das Papsttum beherrschte wie kein Kaiser vor ihm. Und doch liegen, wie die Geschichte der großen Weltreiche lehrt, Höhepunkt und Wendepunkt nur zu oft dicht beieinander. Auch Heinrich III. musste Rückschläge hinnehmen. Der Prestigeverfall des Kaisers begann dort, wo er ihn am empfindlichsten traf, in Rom - ausgelöst durch seinen Vetter, ›seinen‹ Papst Leo IX.
Papst Leo IX., ein Mann von großer Ausstrahlungskraft auf die Volksmassen, war hochgebildet und voll religiösem Eifer. Die meiste Zeit war er auf Reisen, Frankreich, Deutschland, selbst Ungarn besuchte der »fahrende Papst«, der ganz im Sinne Heinrichs III. überall die Kirchenreform propagierte, energisch, aber kompromissbereit. Den Priestern schärfte er das Keuschheitsgelübde ein, ihre Begleiterinnen verfluchte er als Dirnen, verheiratete Priester wurden samt Anhang in die gefahrvolle Heidenmission strafversetzt, die Priester Roms mussten ihre Lebensgefährtinnen im Lateran abliefern, was als sicherer Verwahrungsort galt. Böse Zungen behaupten, dass eine allzu engherzige Durchführung der Reform die Schließung der Gotteshäuser bedeutet hätte, denn unbelastet im Sinn der neuen Regeln war kaum ein Diener der Kirche. Leo IX. umgab sich mit den intelligentesten Köpfen der Zeit, etwa den Lothringern Humbert, Kardinalbischof von Silva Candida (†1061), und Friedrich, seinem Kanzler, oder dem zum Kardinal aufgestiegenen Mönch Hildebrand, der die Finanzen übernahm, eine Schaltstelle der Macht seit jeher. Dennoch endete das Pontifikat dieses großen Reformers mit einer politischen Fehlentscheidung von weitreichenden Folgen. Er legte sich mit den Normannenfürsten an, mehr noch, er zog gegen sie in den Krieg, und dies ohne Unterstützung des Kaisers. Als »treuloses Volk von unersättlicher Habgier« beschimpft ein Mönch von Monte Cassino die Normannen, eroberungssüchtig waren sie in der Tat: so war ihnen Benevent zum Opfer gefallen, Salerno und Kalabrien. Doch ehrgeizige Pläne, die auf eine Oberherrschaft über ganz Unteritalien zielten, verfolgte auch der kriegerische Papst, als er 1054 mit einem bunten Haufen von Abenteurern nach dem Süden aufbrach. Bei Civitate (am Gargano) metzelten die normannischen Lanzenreiter die päpstlichen Truppen nieder. Leo IX. geriet in Gefangenschaft, eine Ehrenhaft, die er in Benevent verbrachte. Als gescheiterter, todkranker Mann, auf einer Sänfte getragen, kehrte er in den Lateran zurück, wo er starb, umgeben von römischen Plünderern.
Das ruhmlose Ende des deutschen Papstes wirft ein Schlaglicht auf die politische Situation in Italien. Nicht Byzanz, das diesen Titel immer noch beanspruchte, nicht der deutsche Kaiser, sondern die Normannen, angeführt von Robert Guiscard (†1085), waren die Herren Unteritaliens.
Italienische Bündnisse gegen den Kaiser
Seit jeher suchte der Kirchenstaat, durch seine geografische Mittellage leicht verletzbar, Schutz bei mächtigen Nachbarn. Papsttum und Normannen, eben noch erbitterte Gegner, verbündeten sich schon in den folgenden Jahren gegen den Kaiser, was den normannischen Fürsten die Anerkennung ihrer Eroberungen, dem Papst aber Macht einbrachte, zum Schaden des deutschen Kaisers.
Eine neue Bedrohung erwuchs Heinrich III. auch in Tuscien. Seit jeher kam der Markgrafschaft Tuscien (= Toscana) eine besondere Bedeutung zu, als Durchzugsland für die Romzüge der Deutschen, als führender Macht Mittel- und Norditaliens. Hier nistete sich nun der Lothringer Gottfried der Bärtige ein, der sich aus enttäuschtem Erbanspruch auf das Herzogtum Lothringen mit Heinrich III. verfeindet hatte. Der Lothringer vermählte sich heimlich mit Beatrix, der Witwe des Markgrafen von Tuscien. Auf Heinrichs III. Italienfeldzug (1055) kam es zum Kampf mit Gottfried. Der Kaiser vertrieb ihn, nahm Beatrix und ihre Tochter Mathilde gefangen und verschleppte sie nach Deutschland. Gottfried der Bärtige war zwar der gefährlichste, jedoch längst nicht der einzige Feind, den sich Kaiser Heinrich III. gemacht hatte.
Die Volkstümlichkeit seines Vaters Konrad II., der Volk, Adel und Geistlichkeit gleichermaßen hinter sich wusste, errang Heinrich III. niemals. Er wurde gefürchtet, nicht geliebt.
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