Konrad III. – Zweiter Kreuzzug und Ostexpansion

1147 wollte man in den Ländern der Abodriten und Wilzen Eroberungen machen - an Christianisierung war weniger gelegen, da man Land und Besitz von Menschen, die freiwillig zum Christentum übergetreten waren, nicht so einfach konfiszieren konnte. Dies gilt sowohl für die deutschen Fürsten als auch für die christlichen Anführer der Dänen, Polen und Böhmen: Gesichtspunkte der Volkszugehörigkeit oder gar Rasse spielten dabei keine Rolle.

Helmold von Bosau, ein der Reformkirche anhängender Priester, der in seiner Slawenchronik diese ganzen Vorgänge beschrieb, bemerkt hierzu über die Motive der Fürsten - hier hat er Heinrich den Löwen im Auge - bei späterer Gelegenheit einmal folgendes: »... unser jugendlicher Herzog begann, über das ganze Land der Slawen zu herrschen, wobei er immer größer und mächtiger wurde. Denn sooft ihm die Slawen widerstrebten, überzog er sie mit Kriegesmacht, und sie gaben ihm, um Leben und Land zu retten, was er nur forderte. Aber auf allen Feldzügen, die der noch junge Mann ins Slawenland hinein unternahm, war keine Rede vom Christentum, sondern immer nur vom Gelde. Weiter opferten die Slawen Götzen und nicht Gott.«

Ging es dann aber darum, die Taufe mit Waffengewalt durchzusetzen, dann war es den Fürsten und deren Rittern auch nicht recht, da sie ja Krieg gegen Land und Leute führten, das sie bereits als ihr Eigentum ansahen, sich also selbst schädigten! Die nichtadeligen Teilnehmer des Wendenkreuzzuges dagegen standen keineswegs so voll hinter den Annektionsabsichten der Fürsten, für sie war der Sinn des Zuges in dem Augenblick erfüllt, als sich die Slawen, wenn auch nicht aufrichtig, zur Taufe bereit erklärten. Von den Eroberungen der Fürsten hatten sie ja keinen Nutzen, sondern nur Strapazen. Leute wie Helmold von Bosau wiederum sahen ganze Unternehmen unter dem Blickwinkel des ›Seelsorgers‹, der wusste, dass christliche Gesinnung nicht mit diesen fürstlichen Mitteln zu erzeugen war.

Das Reich expandiert nach Osten
Aus diesen in sich divergierenden Zielsetzungen des Unternehmens erklärt sich auch, dass viele Zeitgenossen oder Geschichtsforscher den Wendenkreuzzug als nicht geglückt, ja als Fiasko bezeichneten. Dem jedoch war nicht so, denn zumindest die prominenten Führer unter den beteiligten Fürsten wie Heinrich der Löwe, die Markgrafen von Holstein, Brandenburg und Meißen erreichten letztlich doch ihr Ziel: Das heidnische Bollwerk zwischen dem Reich und dem christlichen Polen, dessen Kontingente ja auch beteiligt waren, wurde mürbe gemacht. Die wendischen Fürstentümer unterwarfen sich nämlich doch nach und nach, der größte Teil des Slawengebietes wurde so der Missionsarbeit und der deutschen Besiedlung geöffnet, wenn auch unter vielen Gräueln und egoistischen Zielen der Beteiligten, wie bei fast allen Kreuzzügen üblich.

Mag also der Wendenkreuzzug fürstlicherseits unter sehr eigennützigen Motiven gestanden haben - ein Vernichtungsfeldzug war er nicht, denn wie die Geschichte zeigt, kam es schließlich doch zu einer weitgehenden Integration und Vermischung zwischen Deutschen und Slawen. Ebensowenig ging der slawische Adel unter, wie schon die Namen vieler späterer Adelsgeschlechter zeigen, beispielsweise stiegen die Fürsten der Abodriten bereits Ende des 12. Jahrhunderts als Herzöge von Mecklenburg in den deutschen Reichsfürstenstand auf und spielten dort wie die Przemyslidenherrscher Böhmens eine bedeutende Rolle.

In den folgenden Jahren bauten dann die Fürsten planmäßig eine herrschaftliche Infrastruktur auf, errichteten Gerichtsbezirke, gründeten Städte und holten vor allem viele Siedler aus Friesland und Holland, Westfalen und dem Rheinland in ihre neuen Gebiete. Dies war jetzt möglich, da Deutschland einen großen Bevölkerungszuwachs erlebt hatte und im Gegensatz zur ottonischen Zeit jetzt Bevölkerung für Neusiedlung abgeben konnte. Denn führenden Persönlichkeiten in dieser Kolonisationsbewegung war klar geworden, dass ohne Besiedlung keine dauernde Beherrschung dieser Gebiete möglich war. Auch die Missionsarbeit der Kirche machte jetzt durchschlagende Fortschritte, dies beweist die Neugründung des seit dem großen Liutizenaufstand von 983 verwaisten Bistums Havelberg, wo seit 1150 wieder ein Bischof residierte, die Behauptung der älteren wie teilweise auch der neueren Forschung, Bernhard hätte den Wendenkreuzzug mit der wörtlich zu nehmenden Devise »Taufe oder Tod« gepredigt, lässt sich nicht aufrechterhalten.

Ein scharfes Schlaglicht aber wirft das Wendenunternehmen auf die Zustände im Reich selbst: Hier, wo es um Gebietserweiterung und Vorschiebung der Grenzen geht, geschieht dies ohne jegliche königliche Beteiligung oder Initiative, es sind die Fürsten, die handeln - und dazu auch die nötigen Mittel haben! Dies betrifft nicht nur den militärischen Aspekt allein, sondern nach dem kriegerischen Unternehmen auch so wichtige Dinge wie die Einrichtung von Gerichtsbezirken, die Gründung von Städten und vor allem das seit dem Investiturstreit so brisante Kapitel der Kirchenorganisation! Hier vermag sich z. B. Heinrich der Löwe gegen den Erzbischof von Bremen durchzusetzen, indem er äußerst massive Druckmittel benutzt.

Ergebnis des Zweiten Kreuzzugs
Dies geschah alles, während der deutsche König im Orient das Fiasko des Zweiten Kreuzzuges durchlitt, um nach seiner Rückkehr sofort wieder gegen Welf VI. kämpfen zu müssen. Dieser stand noch immer in einer Koalition mit Roger II. von Sizilien, der durch einen deutschen Reichsfürsten geschickt einen Stellvertreterkrieg führen ließ, um Konrad III. daran zu hindern, im Bündnis mit Byzanz und italienischen Städten königliche Interessenpolitik in Italien zu betreiben.

Am Ende des Zweiten Kreuzzuges war Europa somit in zwei feindliche Lager gespalten, ein Krieg drohte, bei dem auf der einen Seite hinter Roger II., Welf VI., Ludwig VII. von Frankreich, Geza von Ungarn und zeitweilig der Papst standen. Manuel, der Kaiser von Byzanz, fand Unterstützung bei Konrad III., den Babenbergern, Venedig und Pisa. In dieser brisanten Situation starb Konrad III. überraschend am 15. Februar 1152 in Bamberg mitten in den Vorbereitungen zu einem Romzug, der ihm endlich die Kaiserkrone bringen sollte. Bei seinem Tod war die Lage des Königtums in Deutschland prekär. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Lothar war Konrads Stellung auf dem Thron nie völlig unumstritten, seine Regierungszeit war in Deutschland eigentlich immer von zumindest latentem Bürgerkrieg ›untermalt‹. Gegenüber Papsttum und Kirche vermochte der Staufer nie die einfache, aber klare und konsequente Linie Lothars zu verfolgen. In seinen Entschlüssen unterlag er hier manchmal zu stark äußeren, spontanen Beeinflussungen. In der Innenpolitik verlor unter ihm die Zentralgewalt die Initiative an die Fürsten, außenpolitisch hatte das Reich aufgehört, der bestimmende Faktor in der europäischen Politik zu sein. Es bedurfte auf dem Thron schon eines außerordentlichen Mannes, um hier eine Wende herbeizuführen, denn die Zeit arbeitete in Deutschland bei der allgemeinen Entwicklung in den Territorien des Reiches nicht für, sondern gegen die Zentralgewalt.
 
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