Erbauung und Gründung der Städte Lübeck 1143 und Brieg 1250

Nachdem alles geordnet war, begann Adolf (Graf Adolf II. von Schauenburg und Holstein), im Jahre 1143 die Burg Segeberg wieder aufzubauen und umgab sie mit einer Mauer. Da aber das Gebiet menschenleer war, schickte er Boten aus in alle Lande, nach Flandern und Holland, nach Utrecht, Westfalen und Friesland und ließ alle, die dort zu wenig Land besaßen, auffordern, mit ihren Familien hinzukommen. Sie würden dann das schönste und geräumigste, Fisch und Fleisch im Überfluss bietende Land und günstige Weiden erhalten. Den Holsten und Sturmarn ließ er sagen: »Habt ihr nicht das Land der Slawen unterworfen und es mit dem Blut eurer Väter erkauft? Warum wollt ihr es als letzte in Besitz nehmen? Wandert als erste in dieses schöne Land, bewohnt es und genießt seine Gaben, denn da ihr es aus Feindeshand entrissen habt, gehört euch das Beste davon.« Diesem Aufruf folgte eine große Zahl aus den verschiedensten Stämmen. Sie kamen mit ihren Familien und ihrer Habe in das Land des Grafen nach Wagrien, um die Äcker in Besitz zu nehmen, die er ihnen versprochen hatte. Zuerst erhielten die Holsten Wohnsitze an den geschütztesten Orten westlich von Segeberg an der Trave, in der Ebene Schwentinefeld (Bornhöved) und alles, was sich von der Schwale bis zum Grimmeisberg und zum Plöner See erstreckt. Die Westfalen bezogen das Darguner Land, das Eutiner die Holländer und Süsel die Friesen. Das Plöner Land blieb noch unbewohnt. Aldenburg, Lütjenburg und die anderen Küstengegenden gab er den Slawen, die ihm zinspflichtig wurden. Danach kam Graf Adolf an einen Ort namens Bucu. Dort fand er den Wall einer verlassenen Burg, die einst Cruto, der Feind Gottes, erbaut hatte, sowie eine sehr große, von zwei Flüssen umgebene Insel: an der einen Seite die Trave, an der anderen die Wakenitz, die beide ein sumpfiges, unwegsames Ufer besitzen. An der Landseite aber liegt vor dem Burgwall ein schmaler Hügel. Da der umsichtige Mann erkannte, wie günstig die Lage und wie trefflich der Hafen war, so begann er dort eine Stadt zu erbauen, die er Lübeck nannte. Danach sandte er Boten an Nicht, den Fürsten der Obodriten, um mit ihm Freundschaft zu schließen. Er gewann auch alle Vornehmen des Landes durch Geschenke, und sie wetteiferten, ihm gefällig zu sein und dem Land die Ruhe zu bewahren. Aus: Helmoldi presbyteri Chronika Slavorum (Chronik der Slawen des Helmold. Er lebte etwa von 1125 bis 1177 und war Pfarrer in Bosau am Plöner See.). Herzog Heinrich I. von Schlesien gründet 1250 die Stadt Brieg Wir haben dem Schultheißen Heinrich von Reichenbach unsere Stadt ... nach deutschem Recht zum Ansetzen von Siedlern übergeben ..., und zwar nach dem Recht, das für die Gründung und Besiedlung von Neumarkt galt. 1. Wer in der Stadt wohnen will, genießt sechs Freijahre. Er wird weder zur Steuer noch zur Heerfahrt gezwungen, außer bei unmittelbarer Gefahr für die Landschaft. 2. Die Lokatoren erhalten jeden sechsten Hof mit seinen Einkünften, ein Drittel der Gerichtsfälle. 3. Wir gewähren freien Fischfang innerhalb einer Meile, freies Bauholz, freie Niederjagd, beiderseits der Oder sechs große Hufen als Weide. 4. Die Siedler können ihre Geschäfte in unserem Land ohne Zoll und Abgaben treiben. 5. Polen und Einwohner anderer Sprachen, die in der Stadt ein Haus besitzen, genießen deutsches Recht. 6. In der Stadt hält der Herzog zehn Fleischbänke, der Richter und die Bürger die übrigen. Sie werden ihnen vom Richter zugewiesen. 7. Wir erlauben die Anlage von Mühlen. 8. Bänke für Schuh- und Brotverkauf können unbeschränkt aufgeschlagen werden. Wir erlauben einen Jahrmarkt. 9. Innerhalb einer Meile soll keine Schenke errichtet werden. 10. Alle Dörfer in der Meile nehmen ihr Recht von der Stadt. 11. Wir versprechen, die Stadt innerhalb zweier Jahre zu befestigen. Aus: Cod. dipl. Silesiae IX (eine Sammlung diplomatischer Urkunden aus Schlesien).

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Info 18.12.2017 00:06
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