Der Niedergang der Ordensmacht Ende des 14. Jahrhunderts

Polen suchte sich einen treuen Bundesgenossen gegen den blühenden Ordensstaat und fand ihn in König Ludwig I. von Ungarn. Dessen jüngere Tochter Hedwig heiratete nach dem Tode Ludwigs den litauischen Großfürsten Jagiello, der über ein riesiges Staatsgebiet herrschte, das von der Ostsee bis weit in die Ukraine hinein reichte. Mit dieser Heirat nahm Litauen endlich das Christentum an. Bevor sich diese litauisch-polnische Personalunion von 1386 – die ja auch eine Klammer um das Gebiet des Ordens war – folgenschwer für den Orden auswirken sollte, hatte sich der mächtige Hochmeister Winrich von Kniprode (er residierte seit 1351 in der imposanten Marienburg/Nogat) mit einem anderen Problem auseinanderzusetzen. Im Zusammenhang mit den skandinavischen Thronwirren verunsicherte die Piraterie der sogenannten ›Vitalienbrüder‹, Bundesgenossen des verdrängten Schwedenkönigs, die Ostsee, später die Nordsee und machte dem Ordensstaat und den Hansestädten schwer zu schaffen. Erst als der Orden mit einer Flotte und 4000 Mann den Hauptstützpunkt der Piraten, die Insel Gotland, besetzte, wichen die Vitalienbrüder nach der Nordsee aus, wo sie noch lange ihren Kaperkrieg fortsetzen sollten, bis ihre Anführer schließlich dingfest gemacht und hingerichtet wurden. Der Orden gab den Dänen nach dem Sieg über die Seeräuber die Insel Gotland zurück. Das war mehr als nur eine Dankbarkeitsgeste gegenüber Dänemark, das 1346 Estland an den Orden abgetreten hatte, vielmehr wollte der Orden verhindern, dass sich die nordischen Staaten mit Polen und Litauen verbündeten, was den Untergang des Ordensstaates bedeuten musste. Auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung dehnte sich der Ordensstaat etwa 900 Kilometer von West nach Ost: von der Neumark (an der Oder) im Westen bis zur Grenze Nowgorods im Nordosten. In das osteuropäische Binnenland griff das Ordensterritorium unterschiedlich tief ein, im Westen nur etwa 100, im Kurland an die 400 Kilometer weit. Jedenfalls blockierte der Ordensstaat zweifellos Polen und Litauen den Zugang zur Ostsee. Kein Wunder, wenn beide Staaten aus geopolitischen Gründen natürliche Bundesgenossen geworden sind. In falscher Einschätzung der eigenen Möglichkeiten wollte der Hochmeister Ulrich von Jungingen der bedrohlichen polnisch-litauischen Allianz entgegentreten, unterlag aber im Juli 1410 bei Tannenberg einer Übermacht an Feinden, denen sich während des Kampfes die im »Eidechsen-Bund« zusammengeschlossene kulmische Ritterschaft eingegliedert hatte. In der legendär gewordenen Schlacht sind der Hochmeister und über 200 Ordensbrüder gefallen. Der erste Friede von Thorn 1411 bedeutete für den Orden den demütigenden Verzicht auf die Grenzmark Schamaiten, die nun an Litauen fiel. Zusätzlich musste er eine große Entschädigungssumme aufbringen. Waren schon die ansässig gewordenen Ritter des Deutschordenslandes keine Freunde des Ordens mehr, weil sie in dem straff organisierten Staatswesen keinerlei politischen Anteil an der Landesregierung wie ihre Standesgenossen im Reich und vor allem in Polen erhielten, so suchten nach der verlorenen Schlacht von Tannenberg auch die Städte und selbst die Bischöfe aus dem Ordensstaat auszuscheren und sich dem polnischen König anzuschließen, weil dieser ihnen mehr Selbstständigkeit garantierte und vor allem eine Befreiung von den enormen Abgabenleistungen an den Orden versprach. Es kam sogar so weit, dass der Adel und die Städte einen Preußischen Bund gründeten, der dem Polenkönig die Oberhoheit über das Gebiet des späteren Ostpreußen antrug! Diese innenpolitische Krise spaltete die Lager in eine Ordens und eine Bundespartei. Ein dreizehnjähriger Bürgerkrieg endete mit dem zweiten Thorner Frieden 1466. Der Ordensstaat verlor Pommerellen, das Kulmer Land, die Gebiete um Marienburg und Elbing sowie das Ermland an Polen. Der Hochmeister musste dem polnischen König den Treueid leisten. In Zukunft sollten die Ordensbrüder zur Hälfte polnischer Nationalität sein. Nur ein Reststaat blieb dem Orden schließlich, der von Hochmeistern binnendeutscher Fürstenhäuser geleitet wurde. Der Hohenzoller Albrecht von Brandenburg-Ansbach überführte ihn im Jahre 1525 unter Zustimmung der Stände und auf Luthers Rat hin in ein weltliches Herzogtum, dessen Oberhaupt der polnische König war. Papst und Kaiser missbilligten zwar diesen Schritt, konnten aber 1569 nicht verhindern, dass die westpreußischen Lande dem Königreich Polen zufielen. Etwas günstiger verlief zunächst die Entwicklung des livländischen Ordenszweiges, da dieser 1346 vom dänischen König das angrenzende Ermland abkaufen konnte. Aber als der Orden 1558 bis 1582 zwischen die Fronten eines russisch-polnischen Krieges geriet, vermochte man den Verfall nicht mehr aufzuhalten. Estland unterstellte sich dem schwedischen König, Livland kam 1561 an Polen, Estland an Schweden, der kurländische Landmeister Gotthard Keller erlangte die erbliche Herzogwürde unter polnischer Lehnshoheit.

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Info 23.11.2017 19:32
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