Text der Zeit – Herzog Albrecht von Österreich zieht 1377 gegen die Pruzzen

Darauf gebot man eine Reise in die Litau, denn darum waren wir aus fernem Land gekommen. Der Marschalk und die Führer verordneten, jeder müsse sich auf reichlich drei Wochen mit Kost versorgen, die auf Pferden und Schiffen fortgebracht werden sollte. Das Heer zog durch Samland vor Insterburg und an die Suppe, dort schlug man vier Brücken über das Wasser … auf jeder drängte sich das Heer hinüber und zog von da bis an die Memel. Die Schiffer hatten schwere Arbeit von Mittag bis zur Vesperzeit, um mehr als 30000 Menschen [das ist stark übertrieben] überzusetzen und zu schwemmen. Dort ertranken nicht mehr von dem Heere als drei Pferde und ein Knecht, die ließen wir dem Wasser zur Letze [d. h. Scheidetrunk] Das Heer war eifrig, an die Heiden zu kommen, und es waren da wohl tausend Mann, welche mit Äxten den Weg räumten durch die Hecken in der Wildnis, es ging über Graben und Feld, durch tiefes Wasser, Bruch und Bach, in Ungarn ist man auf ebener Heide nicht so böser Fahrt gewöhnt. Großes Leid tat uns Moos und Moor. Das Heer zog quer durch die Wüstung, man saß auf und stieg ab, zog hin und her, bald musste das Roß hohe Sprünge machen, dann musste man durchschlüpfen und sich bücken, die Äste hielten manchen an seinem Kragen fest, der Wind hatte viele große Bäume niedergerissen, und wir mussten mit Gewalt über die Baumstämme, ob es wohl oder wehtat. In dem Gedränge hörte man oft den Schrei: »Die Preußen [Pruzzen] überfallen uns!« Pferde und Saumtiere, die mit Kost und Getränk beladen waren, wurden vorwärts gezerrt, mancher war wund, den man zu sehr quetschte, Knie und Bein wurden verstaucht. Da hörte Spaß und Lachen auf, auch die Pferde wurden sehr verstaucht, und manches musste hinken. So sank der Tag, die Nacht nahte, und man musste auf Herberge denken, aber gutes Gemach war dort nicht zu finden, die Pferde hatten nur Gras zu fressen. So verbrachte man die Nacht, aber am Morgen früh eilte man fröhlich in das Land der Heiden, man trieb die Rosse und rannte. Zuvorderst die Rennfahne Ragnit, nach Landessitte, darauf folgte St. Georgs Fahne, dann das Panier von Steierland, dann die reich gezierte Fahne des Meisters, dabei das Banner von Österreich. Viele Banner flatterten in den Lüften, die stolzen Helden führten Kränze und Straußenfedern auf ihren Helmen, wer einer edlen Frau in Minnedienst gesellt war, dem hatte ihre Gunst Kleinode von Gold, Silber, Edelstein und Perlen geschenkt, die glänzten auf den Eisenhauben hell gegen die Sonne. So führte das Heer die werten Gäste in das Land, welches Samaiten heißt: aber als ungebetene Gäste kamen sie zu der Hochzeit. Dort bei einem Dorf begann der erste Tanz mit den Heiden, es blieben ihrer wohl sechzig tot, das ganze Dorf wurde angesteckt, dass es hoch in die Lüfte brannte. Da zog der Herr Graf Hermann von Cilly das Schwert aus seiner Scheide, schwenkte es in die Lüften und sprach zu Herzog Albrecht: »Besser Herre denne Knecht«, und schlug ihm den ehrenwerten Schlag [er schlug ihn zum Ritter] Am selben Tag wurden vierundsiebzig Ritter gemacht, der Fürst nahm jetzt sein Schwert und schlug Ritter, sooft man das von ihm begehrte, der edlen Christenheit und Maria, der reinen Magd, zu Ehren. Darauf begann das Heer in dem Lande auf und ab zu verheeren. Den Christen gab Gott das Glück, dass die Heiden ungewarnt waren. Die Heiden büßten das, denn ritterlich jagte man ihnen nach, man fing, man stach und schlug, was ihnen wehtat, das tat uns wohl. Das Land war voll von Menschen und Gut, wir hatten unsere Lust daran, es war den Christen Gewinn, den Heiden Verlust. Das war frohe Zeit. Die Heiden gaben in der Nacht keine Ruh, sie liefen gegen das Heer mit scharfen Waffen, sie stachen, schlugen und schossen, die Christen verdross das, sie trieben die Feinde ab, aber die Heiden kehrten wieder und schrien mit lauter Stimme, wilden Tieren gleich, stachen nach den Leuten, schossen die Rosse und flohen dann wieder auf das Moos. Das trieben sie die ganze Nacht … aber es ging ihnen übel, denn man schlug viele von ihnen zu Tode, Weiber und Kinder wurden gefangen, es war ein spaßhaftes Hofgesinde, da sah man viele Weiber, die zwei Kinder an ihren Leib gebunden hatten, eins vorn und eins hinten, barfuß kamen sie auf einem Pferd angeritten. Den gefangenen Heiden band man die Hände zusammen, so führte man sie am Strick gleich Jagdhunden.
Aus: Gedicht von Herzog Albrechts Ritterschaft von Peter Suchenwirt (Suchenwirt – † nach 1395 – begleitete 1377 Herzog Albrecht auf seinem Zug nach Preußen).