Wolfram von Eschenbach – Kurze Biografie

Wolfram von EschenbachÜber Wolframs Leben sind wir auf Aussagen in seinem Werk angewiesen, die insgesamt kein geschlossenes Ganzes ergeben. Er muss etwa 1170 geboren und kurz nach 1220 gestorben sein. Sein Heimatort ist das heutige Wolframseschenbach bei Ansbach/Mittelfranken, obwohl Ministeriale, ist er unbegütert und deshalb nicht eben gutsituiert. Sein Brot verdient er sich als fahrender Sänger. Er dient verschiedenen Herren, besonders im Maingebiet, 1203/4 treffen wir ihn am kunstsinnigen Thüringer Hof, wo Landgraf Hermann ihn zu seinem Epos »Willehalm« anregt. Auch in der Steiermark dürfte Wolfram sich aufgehalten haben. Später lebte er wohl häufiger bei Frau und Kind auf seinem kleinen Besitz. Sein Geburtsort ist auch der Ort seines Todes. Dass ihm geistliche Schulbildung versagt blieb, fasst Wolfram von Eschenbach nicht als Mangel auf, im Gegenteil, er bekennt offen, dass er »keinen Buchstaben«, d. h., kein Latein, könne, verfügt aber über genaue Literaturkenntnisse, vor allem der französischen Sprache und Dichtung. In erster Linie versteht er sich als Ritter, der aktiv im Leben steht. Schreiben ist ihm zweitrangig. Dennoch verdanken wir ihm neben einer kleinen Anzahl von Minnegedichten und leidenschaftlichen »Tageliedern« die bedeutendsten Versromane des Hochmittelalters. Wolfram von Eschenbachs Hauptwerk ist der 1200/1210 entstandene Roman »Parzival« in 16 Büchern nach der französischen Vorlage des Chrétien de Troyes. Ab etwa 1210 arbeitet er am »Willehalm«, der Geschichte eines idealen christlichen Ritters im Kampf gegen die Sarazenen, die Wolfram erstaunlicherweise gleichfalls mit positiven Attributen darstellt. Das Kernproblem höfischer Dichtung, wie man Ritter und Heiliger zugleich sein könne, steht auch hier im Mittelpunkt. Nur in Bruchstücken ist uns der »Titurel« erhalten, ein strophisches Epos über die tragische Liebe von Sigune und Schionatulander, die schon im »Parzival« angelegt ist. Hier steigert sich Wolframs Stil zu eigenwilliger Dunkelheit und üppiger Bildhaftigkeit, mehr noch als in seinen vorangehenden Werken.

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Info 21.02.2018 18:32
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