Walther von der Vogelweide – Kurze Biografie

Walther von der VogelweideEinziger schriftlicher Beleg für Walthers Leben sind uns seine Dichtungen. Geburtsort und Herkunft bleiben im Dunkeln. Man ist sich aber heute weithin darin einig, dass Walther von der Vogelweide zwischen 1160 und 1170 in Österreich geboren ist. Unsicher ist, ob er überhaupt Ritter war. Über seine Schulbildung wissen wir nichts. Dichten war für ihn jedenfalls Broterwerb: immer wieder spricht er in seinen Gedichten vom Geiz der Gönner und der eigenen Notlage. Ab 1190 schreibt Walther von der Vogelweide am Wiener Hof unter Anleitung Reinmars seine ersten Minnelieder. Ab 1198 führt ihn ein Wanderleben in staufischen Diensten weit umher, sein Leben wird von den politisch unsicheren Verhältnissen des Thronstreits geprägt. Walther wendet sich nun mehr der lehrhaften Spruchdichtung zu: Die »Reichssprüche« für Philipp von Schwaben entstehen. Von Wien wandert er 1203 weiter, stets im Gefolge von Fürsten und Bischöfen. Im November des gleichen Jahres schenkt ihm Bischof Wolfger von Ellenbrechtskirchen fünf Goldstücke zum Kauf eines Pelzmantels, das einzige urkundlich gesicherte Datum seines Lebens: zwei knappe Zeilen in einer Handschrift. In dieser Zeit wechselt Walther von der Vogelweide, wie andere seines Standes, häufig die Gönner, vielleicht versprach er sich davon wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Vorteil. So dichtet er 1212 für den Welfen Otto IV. die drei »Kaisersprüche«, ihnen zur Seite stehen drei sehr scharfe »Papstsprüche«, in denen er die päpstliche Politik verurteilt. Bald danach singt er, wieder auf der staufischen Seite, für Friedrich II. Von ihm erhält er 1220 endlich ein Lehen bei Würzburg. Dem alternden, sesshafter gewordenen Dichter mag der Kreuzzug 1227/29 Anlass zu Selbstbesinnung gewesen sein. Sein Leben erscheint ihm jetzt wie ein Traum. Er richtet sein Augenmerk stärker auf das Jenseits. Etwa 1230 ist er, wahrscheinlich in Würzburg, gestorben, wo heute sein Grab im »Lusamgärtlein« verehrt wird und mit ihm der größte ›politische‹ Dichter seiner Zeit, der zugleich das bedeutendste lyrische Talent des Mittelalters besaß.