Heinrich IV. – Die Herrschaft seiner Mutter Agnes

Als Heinrich III., der wie kaum ein anderer deutscher König des Hochmittelalters den sakral-priesterlichen Charakter seiner Herrschaft betont hatte, am 5. Oktober 1056 in Bodfeld am Harz starb, war sein im Jahre 1054 vom Kölner Erzbischof gekrönter Sohn Heinrich (IV.) noch keine sechs Jahre alt. Die Mutter des Jungen, Kaiserinwitwe Agnes, übernahm die Vormundschaft über ihren minderjährigen Sohn, war aber von den schweren Aufgaben, die ihrer harrten, überfordert. So machte sie taktische Fehler bei der Neuverteilung von Herzogtümern. In Süddeutschland berief sie Rudolf von Rheinfelden, der umfangreiche Güter in der Südwestschweiz besaß, an die Spitze des Herzogtums Schwaben und vertraute Otto von Northeim, dem durch seine Frau, eine verwitwete Gräfin, reicher Besitz in Westfalen zugefallen war, das Herzogtum Baiern an. Nachdem Agnes im gleichen Jahr auch noch Kärnten Berthold von Zähringen übertragen hatte, verfügte das salische Königshaus über kein eigenes Herzogtum mehr. Die politische Machtgrundlage des Königtums war dadurch schwächer geworden, was sich in den schon sich abzeichnenden Auseinandersetzungen mit den machtgierigen Fürsten negativ auswirken musste. Die drei neu eingesetzten Herzöge wurden in der Folgezeit gefährliche Gegner des jungen Heinrich und brachten ihn mehrfach in fast ausweglose Situationen. Wenig glücklich war auch der Kaiserin Verhältnis gegenüber dem Papsttum. Heinrich III. hatte sich einst selbst mit großem Ernst und nimmermüder Energie an die Spitze der kirchlichen Reformbewegung gestellt und selbstbewusst Einfluss auf die Papstwahl genommen. Die Kaiserin aber zeigte sich nach dem Tod Victors II. (1057), der als ihr wichtigster Berater fungiert hatte, sehr unentschlossen. Die Reformer um Kardinal Hildebrand, den späteren Papst Gregor VII., ließ Agnes frei gewähren. Als dieser ohne königliche Mitwirkung den Bischof Anselm von Lucca 1061 wählen und als Alexander II. auf den päpstlichen Thron erheben ließ, kam es zum Schisma (siehe unten). Der oberitalienische Episkopat wählte den Bischof Cadulus von Parma als Gegenpapst (Honorius IL). Die Kaiserin blieb weiterhin unentschlossen. Ihre unsichere Haltung missbilligten die Großen des Reiches und schmiedeten Staatsstreichpläne. Das entscheidend Neue im Verhalten des Königtums war, dass nun nicht mehr wie in den Zeiten Heinrichs III. der deutsche König die Reformpäpste entschieden unterstützte und – das ist die Kehrseite – auch lenken und in gewisser Weise kontrollieren konnte. Seit 1061 ging das Reformpapsttum eigene Wege, tendierte gegen den deutschen König und Kaiser. Schisma (griech.: Trennung, Spaltung innerhalb der Kirche)
1054 Großes Schisma zwischen der griechisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche, dauert bis heute.
1378-1417 Großes abendländisches Schisma: zwei, mitunter drei Päpste und deren Anhänger standen sich gegenüber. Diese Spaltung teilte ganz Europa in feindliche Lager und war Ausdruck der europäischen Mächtekonstellation und unterschiedlicher Positionen innerhalb der kirchlichen Orthodoxie.
In der Antike und im Mittelalter gab es zahlreiche ›kleinere‹ Spaltungen, wenn Kaiser, Adelsgruppen in Italien und Deutschland und hoher Klerus sich nicht auf einen Kandidaten für den Papstthron einigen konnten. Gegenpäpste gab es beispielsweise:
844 Johannes zu Sergius II.
1012 Gregor zu Benedikt VIII.
1061-1064 Honorius II. zu Alexander II.
1080-1100 Clemens III. zu Gregor VII., Victor III., Urban II. und Paschalis II.
1159-1180 Victor IV., Paschalis III., Calixt III., Innozenz III. zu Alexander III.
Dabei ist nicht immer eindeutig die Rechtslage zu klären, jeder »Papst« ging davon aus, der rechtmäßige zu sein.