Heinrich IV. – Hilfe von Bürgertum und Papst

Auf der Flucht vor den sächsischen Aufständischen hatte sich der König schließlich dem Schutz der Mauern von Worms anvertraut (1073). Die Bürger dieser Stadt nahmen ihn mit Jubel auf, und zwar gegen den ausdrücklichen Willen ihres Bischofs, den sie wegen seiner königsfeindlichen Haltung aus der Stadt vertrieben. Zum ersten Mal trat im mittelalterlichen Deutschland das Bürgertum als selbstständige politische Kraft hervor. Seine Interessen gingen mit denen des Königs insofern in die gleiche Richtung, als es sich Freiheit von der Grundherrschaft des Adels erkämpfen wollte. Die Wendung zugunsten des Königs bewirkte ein kluger, von seinen Gegnern kaum erwarteter Schachzug Heinrichs IV. Er entschloss sich nämlich, an den schon erwähnten Kardinal Hildebrand, der im gleichen Jahr als Gregor VII. den Stuhl Petri bestiegen hatte, einen Brief zu schreiben, dessen unterwürfiger Ton diesen auf dem diplomatischen Parkett erfahrenen Mann doch überraschte und beeindruckte. Gregor VII. wirkte daraufhin im Sinne des Königs auf die deutschen Fürsten mäßigend ein. Heinrich gewann wieder Mut und Zuversicht. Die Verhandlungen mit den Aufständischen, die auf beiden Seiten mit Vorbehalten und der Bereitschaft, ja der Neigung zum Wortbruch geführt wurden, brachten den Frieden von Gerstungen (1074) zustande, der den königlichen Besitzstand wahrte, den Rebellen jedoch Straflosigkeit und die Schleifung der verhassten Ministerialenburgen in Sachsen zusicherte. Die für kurze Zeit eintretende Ruhe trog. Als sich die sächsischen Bauern bei der Zerstörung der Harzburg dazu hinreißen ließen, die Grabkapelle zu schänden und die Gebeine königlicher Verwandter aus den Gräbern zu reißen, schlug die Stimmung in den Kreisen der Königsopposition um. Die süddeutschen Fürsten konnten dem König ihre tatkräftige Unterstützung nun nicht mehr versagen, wenn sie ihr Gesicht nicht völlig verlieren und nicht als Landesverräter dastehen wollten. Der Aufmarsch des Reichsheeres erfolgte im Sommer 1075 an der Unstrut, einem Nebenfluss der Saale. Bei Homburg erfocht das Heer Heinrichs IV. einen glänzenden Sieg über die von Otto von Northeim mit nur wenig Geschick geführten Gegner, die sich bedingungslos unterwarfen und ihre Anführer dem König auslieferten. »Es war vielleicht der einzige ganz glückliche Augenblick in der langen Regierung Heinrichs IV.« urteilte Johannes Haller, ein sonst stark mit dem Papst sympathisierender Historiker.