Die Kreuzzüge

Anlass für den 1. Kreuzzug gab die Bedrohung des Byzantinischen Reiches durch die Seldschuken (ein Volksstamm aus Turkestan). Die Seldschuken hatten zu dieser Zeit bereits Anatolien, die reichste Provinz des Reiches, besetzt, Jerusalem und Syrien dem fatimidischen Kalifen von Ägypten entrissen und die Byzantiner bei Manzikert geschlagen (1071). Der Fall Konstantinopels schien bevorzustehen. Kaiser Alexios Komnenos (Regierungszeit 1081-1118) ersuchte daher Papst Urban II. (1042-99) um Hilfe. Der geschickt taktierende Kaiser versprach, dem päpstlichen Söldnerheer nach der Befreiung Anatoliens die Rückeroberung Jerusalems zu überlassen. Urban II. willigte in dieses Angebot ein. Zum ersten Mal in der Geschichte der Kirche rief ein Papst einen »heiligen Krieg« aus. Den Teilnehmern an dem Kreuzzug wurden pauschal alle zeitlichen Sündenstrafen erlassen. Der 1. und der 2. Kreuzzug
Vier Kreuzfahrerheere vereinigten sich im Winter 1096/97 vor Konstantinopel. Die Krieger stammten aus Lothringen, dem normannischen Apulien, der Bretagne, der Normandie und Flandern. Die Franken nahmen Nikäa und Doryläum ein, nach langer Belagerung fiel Antiochia, Jerusalem wurde im Juli 1099 gestürmt. Nach der Rückeroberung der heiligen Stätten stellten die Kreuzfahrer selbst territoriale Ansprüche. Es entstanden vier christliche Lehnsstaaten, die sich im Schutz der Burgen des Templer und des Johanniterordens gegen den wachsenden Druck der Seldschuken behaupten konnten. Als diese zur Rückeroberung ansetzten und Edessa 1146 in ihre Hände fiel, rief Bernhard von Clairvaux im Auftrag Papst Eugen III. (gest. 1153) zum 2. Kreuzzug auf. Unter Führung von Kaiser Konrad III. (1093-1152) und König Ludwig VII. von Frankreich (um 1120-80) endete das Unternehmen 1149 mit Niederlagen in Anatolien und dem Tod vieler Kreuzfahrer. Jerusalem in der Hand von Sultan SaIadin Ein neuerliches Erstarken des Islams und die endgültige Eroberung Anatoliens durch die Seldschuken (1176) brachte die Kreuzfahrerstaaten in höchste Gefahr. Sultan Saladin, der kurdische Wesir Ägyptens, vereinigte das islamische Territorium zwischen Nil und Tigris. Er nahm die Kreuzfahrerstaaten und eroberte dabei das Königreich Jerusalem (1187). Diese Niederlage der Christen war Anlass für den 3. Kreuzzug (1189-92). Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Friedrich I. Barbarossa (um 1125-90), eroberte die Seldschuken Hauptstadt Ikonion, ertrank aber kurz darauf. Philipp II. August von Frankreich (1165-1223), Richard I. Löwenherz von England (1157-99) und Guido von Lusignan, ehemaliger König von Jerusalem (1140-94) eroberten Akkon 1191. Richard I. Löwenherz besetzte anschließend den gesamten Küstenstreifen zwischen Tyros und Jaffa (Hafen für Jerusalem). Zum 4. Kreuzzug (1202-04) rief Papst Innozenz III. (1160-1216) auf. Die Kreuzfahreridee war jedoch inzwischen durch die Verknüpfung mit machtpolitischen Zielen ausgehöhlt. Venedig, das den östlichen Mittelmeerraum beherrschte, ließ sich den Transport des Heeres mit der Rückeroberung von Zadar in Dalmatien vergelten, das 1186 in die Hand der Madjaren (Ungarn) gefallen war. Statt anschließend nach Ägypten zu ziehen, lenkte der Doge Dandolo das Kreuzfahrerheer nach Konstantinopel, durch einen dynastischen Streit waren Stadt und Staat geschwächt. Griechische und römische Christen gaben einander die Schuld am Scheitern der Kreuzzüge. In diesen Wirren besetzten die Kreuzfahrer 1203 und 1204 Konstantinopel, plünderten die Stadt und errichteten das Lateinische Kaiserreich (1204-61), in dem sich die byzantinischen Kaiser nun mit den Venezianern und einigen Kreuzfahrern die Macht teilen mussten. Die letzten Kreuzzüge
Nach einem Kinderkreuzzug (1212-13), bei dem Tausende von Jugendlichen auf die Sklavenmärkte Alexandriens verschleppt und verkauft wurden, und nach einem erfolglosen Unternehmen Andreas II. von Ungarn (1175-1235) waren die Päpste nicht mehr aktiv an den Zügen ins Heilige Land beteiligt. Der exkommunizierte Staufer Kaiser Friedrich II. (1194-1250) zog nach Jerusalem, um Erbansprüche seiner Frau durchzusetzen. Bei diesem 5. Kreuzzug (1228/29) erzielte er durch Verhandlungen mit dem Sultan von Ägypten einen Waffenstillstand und die Abtretung Jerusalems, Bethlehems und Nazareths auf zehn Jahre. Friedrich II. krönte sich selbst zum König von Jerusalem, aber nach Vertragsablauf wurde das Königreich durch Streit zwischen Johannitern und den Templern so geschwächt, dass es 1244 in türkische Hand fiel. Ludwig IX., der Heilige, König von Frankreich (1214-70), wollte durch einen 6. Kreuzzug (1248-54) Kairo, das Zentrum der islamischen Herrschaft in Ägypten, erobern. Er geriet in Gefangenschaft, wurde für ein Lösegeld freigekauft und konnte auch die islamischen Führer versöhnen. Als er nach dem Ausbau der Befestigungen von Akkon und Jaffa nach Frankreich zurückkehrte, flammte neuerlich Streit unter den christlichen Orden auf, so dass Baibars, der ägyptische Sultan der Mameluken (1233-77) leichtes Spiel hatte, 1268 besetzte er Jaffa und Antiochia, 1271 den Krak des Chevaliers. Der todkranke Ludwig IX. brach daraufhin zum 7. Kreuzzug auf (1270), starb aber schon in Tunis. Prinz Eduard, der spätere Eduard I. von England, konnte Akkon 1271 noch einmal durch einen Elf jahresvertrag erwerben, 1291 fiel die Stadt aber endgültig an die Mameluken.

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Info 18.11.2017 13:08
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