Romanische Kunst im 11. Jahrhundert

Der Stilbegriff »romanisch« wurde um 1820 in Analogie zur Sprachwissenschaft in die Kunstwissenschaft eingeführt, der Begriff soll andeuten, dass diese Architektur an die Traditionen der römischen Kunst anknüpft. Heute wird der Ausdruck für die Kunst, besonders aber für die Architektur des 11. und 12. Jahrhunderts verwendet. Die politische und wirtschaftliche Unsicherheit in Westeuropa, die sich nach Auflösung des Weströmischen Reiches ausbreitet, hatte auch den Niedergang der Künste zur Folge. Selbst die großartige künstlerische Wiederbelebung unter Kaiser Karl dem Großen und seinen Nachfolgern sowie das Interesse einiger Mächtiger war kein Dauererfolg. Erst als um 1000 in Europa sich Staaten konsolidierten, gleichzeitig auch eine Kirchenreform einsetzte, kam es zu einer dauerhaften Renaissance der Künste in ganz Europa. Förderung der Künste durch die Kirche
Im Mittelalter war Landbesitz die Basis allen Wohlstandes, nur Grundbesitzer verfügten über Macht und Einfluss. Die Kirche erhielt aus einer Reihe von Gründen oft Dotationen von Grund und Boden, ziemlich schnell wurde sie zum Großgrundbesitzer, z.B. gehörte ihr im 11. Jahrhundert ein Drittel des französischen Bodens. Eine andere wesentliche Einkommensquelle waren die Pilgerspenden bei den zahlreichen Wallfahrten. Die berühmtesten Wallfahrtsorte des Mittelalters waren Rom und Santiago de Compostela (Spanien). Den heiligen Reliquien an diesen Orten schrieb man große, wundertätige Kräfte zu. Zum Schutz dieser Reliquien wurden Kirchen gebaut. Mönchsorden betreuten die Reliquien, sorgten für ordentlichen Ablauf der Wallfahrten und für Unterkunft und Verpflegung der Pilger. Die Orden brauchten für die Erfüllung ihrer geistlichen und weltlichen Pflichten ebenfalls Gebäude. Allein die Kirche verfügte über die materiellen Möglichkeiten, diesen Bedarf an kirchlichen Bauten zu decken, diese Bauten mussten ausgestattet werden mit Altären und Bildern, mit Leuchtern, Kelchen und anderem Kunsthandwerk, schließlich auch mit Plastiken. Als die Gottesdienste zunehmend reicher ausgestaltet wurden, wuchs auch der Bedarf an reich illuminierten liturgischen Büchern, an Messgewändern und gottesdienstlichem Gerät. Steinerne Wohnbauten aus dieser Zeit sind selten. Sie haben meist Wehrcharakter und sind nicht besonders wohnlich. Nur die Oberschicht der Gesellschaft konnte sich solche Bauten leisten. Die romanische Kirche
Um 1000 ist das Formenrepertoire der romanischen Kunst in Westeuropa bereits vollständig vorhanden, bis Ende des Jahrhunderts wird es voll entwickelt. Im westlichen Europa gab es zwei Kirchentypen: die Basilika mit erhöhtem Mittelschiff und offenem oder verbreitertem Dachstuhl und die überwölbte, kleinere Märtyrerkapelle. Die gebräuchlichste Art des Grundrisses der Basilika war die Kreuzform mit gesonderter Vierung, Chöre mit Apsiden, manchmal an beiden Enden. Die vielgeschossigen Westfassaden, genannt Westwerke, waren meist von zwei Türmen flankiert. Ein in rhythmische Abschnitte (Joche) gegliedertes langes Mittelschiff verband diese beiden Teile. Die Innenwände mit ihren großflächigen, glatten Mauern zwischen den Erdgeschoßarkaden und den oberen Fenstern waren meist mit Fresken dekoriert oder mit Wandteppichen behängt. In allen romanischen Kirchen gab es eine Fülle von Farben, die heute verschwunden sind. Die Märtyrerkirche findet man im Bereich des ehemaligen Römischen Reiches. Ihre Ursprünge liegen in den römischen Bauten der Provinz, die man aus den dort vorhandenen Steinen oder Ziegeln erbaut hat. Dieses Material erlaubte im Gegensatz zu den mit hölzernen Dachstühlen überspannten breiten Basilikakirchen das Überwölben, wenn auch nur in geringen Spannweiten. In der Folge wurde aus dem Steinmetz ein Steinsetzer, architektonische Steinmetzarbeiten wie Kapitelle waren nicht plastisch bearbeitet. Im Innenraum vermittelte die abwechselnde Verwendung von Säulen und Pfeilern, die strenge Gliederung der Wände durch Lisenen, Halbsäulen und Rundbogen einen Eindruck von großer Klarheit und Bestimmtheit. Die Plastik lehnte sich nicht an die Antike an. Zunächst wurde sie als Hochrelief plastisch gestaltet, vereinzelt gab es auch freistehende Figuren. Wichtig wird die Gestaltung des romanischen Stufenportals und seine Bereicherung durch Gewändefiguren. Romanische Kirchen in Frankreich
Nach vielen Versuchen hatten sich aus diesen beiden Kirchentypen zwei Grundrisse herausgebildet, die sich jedoch regional unterschieden. Dem einen Typ entspricht die große Pilgerkirche mit ihren Chorumgängen. Bei den dem Cluniazenserorden angeschlossenen Kirchen, insbesondere in Burgund, wurde der Ost-Abschluss immer reicher ausgebaut: mit einem Staffelchor und einem Chorabschluß mit Kapellenkranz, einer Reihe halbkreisförmiger oder achteckiger Nischen von unterschiedlicher Höhe oder Tiefe, die den Chor der Mönche flankierten. Im Gegensatz zur Anlage mit dem Chorumgang war diese Bauform wahrscheinlich Anlass für die Baumeister, die zentralen Räume zu überwölben, da die von den Kapellen gestützten Mauern den Gewölbedruck übernehmen konnten. Diese überwölbten Räume ausreichend zu erhellen, war schwierig, erst mit dem zunehmenden Gebrauch von Haustein (Quaderstein) in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gelang eine befriedigende Lösung dieses Problems, die dann schon zur Gotik überleitet.