Die ersten Menschen

Die Australopithezinen, aufrecht gehende, werkzeuggebrauchende Bodenbewohner, die schon einige menschenähnliche Züge aufwiesen, sind eine Gattung der Hominiden, welche bereits vor dem ersten Auftreten der Gattung Homo lebte. Ob sie aber unmittelbare Vorfahren des Menschen sind oder ob beide Gattungen auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen, ist umstritten.

Homo habilis und Homo erectus
1964 fand Louis Leakey (1903-72) einen Schädel im Bett I der Oldowayschlucht, der menschenähnlicher war und mit 600 cm3 ein größeres Gehirnvolumen hatte als der Schädel aller Australopithezinen. Das Alter des Schädels wurde auf 1,8-1,2 Millionen Jahre datiert. Da zusammen mit diesem Schädel einige Steingeräte gefunden wurden, die Bearbeitungsspuren zeigten, nannte Leakey seinen Fund Homo habilis, den »geschickten« Menschen, und stellte ihn damit zu der Gattung, der auch der heutige Mensch angehört. Weitere, jüngere Funde sind seitdem in der Oldowayschlucht gelungen, von denen einige Merkmale zeigen, die zwischen dem ersten Fund und dem Homo erectus (leakeyi) aus dem oberen Bett II (etwa 500 000 Jahre alt) vermitteln. Ob diese Funde tatsächlich bereits der Gattung Homo zuzurechnen sind, wie der Homo erectus (leakeyi), oder ob sie fortschrittliche Angehörige der Art Australopithecus africanus oder eine eigene Art (Austraiopithecus habilis) waren, ist umstritten. Die Reihe von Hominidenschädeln aus den aufeinanderfolgenden Betten der Oldowayschlucht scheint auf jeden Fall nahezulegen, dass der Homo erectus sich aus dem Australopithecus ähnlichen Homo habilis entwickelt hat. Ob damit auch der Australopithecus africanus selbst zum direkten Vorfahren des Homo erectus wird, ist gerade durch die Funde, die Leakeys Sohn Richard seit 1971 am Rudolfsee machte, wieder zweifelhaft geworden: Der Schädel (Skull) 1470 vom Ostufer des Rudolfsees ist mit Sicherheit älter als 2,5 Millionen Jahre und zeigt so viele Merkmale der Gattung Homo, z. B. ein Gehirnvolumen von nahezu 800 cm3, dass eher an eine sehr frühe Aufspaltung in die Gattungen Australopithecus und Homo gedacht werden muss als an einen allmählichen Übergang von africanus über habilis zu erectus.

Während gesicherte Australopithecus-Funde außerhalb Afrikas bislang nicht gelungen sind, stammen die meisten Funde des Homo erectus aus Europa, China und Java, eine Tatsache, die man als Hinweis auf frühe Wanderungen des Homo erectus interpretiert.

Innerhalb der Funde von Homo erectus in Asien lässt sich eine Entwicklung feststellen, die von den älteren, primitiveren Java-Menschen (Homo erectus erectus) zu den jüngeren Peking-Menschen (Homo erectus pekinensis) führt. Der Java-Mensch war - wie alle Menschen seiner Zeit - ein Jäger, der dem Wilde folgend umherstreifte. Die Jagd auf große Beutetiere machte eine Zusammenarbeit zwischen den Jägern und damit eine Verständigung zwischen ihnen erforderlich. Sie stellte einen Selektionsdruck dar, der die Evolution in die Richtung einer komplexeren Sozialstruktur und wohl auch einer (höheren) Entwicklung der Sprache führte. Solche Überlegungen sind allerdings spekulativ, zumal in den älteren javanischen Fundstellen (Trinil, Modjokerto) keinerlei Geräte auftauchten. In jüngeren Schichten fand man Geräte, die denen der Peking-Menschen ähnelten.

Das Leben des Peking-Menschen
Reste von ungefähr 45 hominiden Individuen wurden zwischen 1927 und 1937 in Choukoutien nahe Peking bei systematischen Grabungen gefunden. Ursprünglich als Sinanthropus pekinensis bezeichnet, heißt der Peking-Mensch heute Homo erectus pekinensis. Er stellt mit einem Gehirnvolumen von etwa 1000 cm3 einen gegenüber dem Java-Menschen (880 cm3) höher entwickelten Vertreter des Homo erectus dar. Geräte und Tierknochen, die mit den menschlichen Fossilien gefunden wurden, lassen darauf schließen, dass der Peking-Mensch ein erfolgreicher Jäger war. Angebrannte Tierknochen und Feuerstellen beweisen, dass er den Gebrauch des Feuers gelernt hatte. Ob er das Feuer bereits selbst entzünden konnte oder auf natürliche Feuerquellen (Waldbrände u. ä.) angewiesen war, ist nicht entschieden. Das Feuer gab dem Peking-Menschen Licht und Wärme, half ihm das Wild zuzubereiten und hielt Raubtiere fern.

Die Funde des Homo erectus in Afrika und Europa sind bislang weniger ergiebig. Eine der wichtigsten Entdeckungen wurde 1959 in Petralona in Griechenland gemacht. Ursprünglich hielt man den hier gefundenen Schädel für den eines Neandertalers, doch ergaben genauere Datierungen, dass der Schädel einem Zeitgenossen des Heidelberg-Menschen gehörte, also etwa 400 000 Jahre alt ist. 1965 wurde in Vertesszöllös (Ungarn) ein Schädelknochen gefunden, der eine Zwischenstellung zwischen Homo erectus und Homo sapiens einnimmt (Homo erectus (sive sapiens) palaeohungaricus). Auch hier gab es Hinweise auf Feuergebrauch. Die seit 1966 in Nizza gemachten Funde erlauben eine genauere Rekonstruktion der Lebensweise des Homo erectus.

Die Datierung der Funde
Wie beim Australopithecus ist auch beim jüngeren Homo erectus eine genauere Altersbestimmung schwierig. Man nimmt heute allgemein an, dass der Homo erectus von vor mehr als einer Million Jahren bis vor ungefähr 200 000 Jahren lebte: Der Java-Mensch dürfte zwischen einer und einer halben Million, der Peking-Mensch zwischen 400 000 und 200 000 Jahren alt sein. Vor 250 000 bis 200 000 Jahren traten erste sapiens ähnliche Formen auf.

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Artikel Nr.: 2490 - Die ersten Menschen (Referat)
Kategorie: Die Evolution des Menschen
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