Der Zerfall des merowingischen Großreichs und Aufstieg der karolingischen Hausmeier

Wiederholte Teilungen führten schließlich zur Aufteilung des Merowingischen Frankenreichs in drei Reichsteile, die sich zu selbstständigen Teilreichen entwickelten, die einander bekämpften. Man unterschied Austrien (das Ostland) mit den Residenzen Reims und Metz, Neustrien (das Westland) mit Paris und Soissons und schließlich Burgund an der Loire und Rhone mit der Hauptstadt Orleans. Jeder Teilkönig nahm sich auch ein Stück vom Kuchen des reichen Südens und Südwestens, der Provence und Aquitaniens. Brutale Machtkämpfe zwischen den Königen – vor allem in Ost und West – sowie zwischen Adel und Herrschern ruinierten das Reich. Schließlich führten die Merowingerkönige nur noch ein Schattendasein. Aufstieg der karolingischen Hausmeier
In dieser Zeit rissen die obersten Hof- und Staatsbeamten, die Hausmeier – benannt nach dem lateinischen Titel »Maior domus« (der Größere im Hause, Hausälteste) -, allmählich immer größere Machtbefugnisse an sich. Waren sie ursprünglich nur Vorsteher der königlichen Hofhaltung, wurden sie bald Führer der berittenen königlichen Gefolgschaft, übernahmen die Leitung der königlichen Güter, nahmen die führende Position im Adel ein und wurden so zu den Mächtigsten im Staat. Als die eigentlichen Herrscher leiteten sie die Politik und forderten nach dem Vorbild der Könige die Erblichkeit ihres Amtes. 687 besiegte der Hausmeier von Austrien Pippin IL, der Mittlere, bei Tertry seinen Rivalen, der unbeschränkt über Neustrien und Burgund geherrscht hatte, und regierte nun über das Gesamtreich, in dem sich allerdings die Gebiete südlich der Loire sowie die Alemannen und Baiern ziemlich selbstständig gemacht hatten. Er gehörte dem Adelsgeschlecht der Karolinger an, das den Bischof Arnulf von Metz zu seinen Ahnen zählte. Mit dem Sieg von Tertry verlagerte sich der Schwerpunkt der Reichsherrschaft von der Seine an die Maas. Allerdings musste sich Pippins IL Sohn Karl, später Martell (d.h. Hammer) genannt, die Herrschaft von Neuem erkämpfen. Den Beinamen verdiente er zu Recht, denn er unterwarf die Friesen, band Alemannien wieder fest ans Reich und wurde vor allem berühmt durch seinen legendären Sieg über die Araber bei Tours und Poitiers 732. Wie Kaiser Leo III. durch die erfolgreiche Verteidigung Konstantinopels 717/18 im Osten, hatte nun Karl Martell auch im Westen den Ansturm der arabischen Weltmacht aufgehalten, deren Herrschaft vom Indus bis zum Atlantik reichte. Rettung und Christianisierung des Abendlandes
Da in diesem Zusammenhang oft von der Rettung des christlichen Abendlandes gesprochen wird, sollte man auch nachforschen, wie es um das Christentum der Germanen im Frankenreich stand. Der Taufe Chlodwigs folgte keineswegs eine planmäßige oder erzwungene Christianisierung der Franken und anderen germanischen Bevölkerungsteilen. Die Merowinger setzten sich überhaupt nicht sonderlich für die Missionierung ein. War sie aber durch die Mönche aus Irland, Schottland und England, durch Columban oder Kilian, durch Kolonat, Totnan, Pirmin, Emmeram oder Corbinian erfolgt, so schienen die Bekehrungen nicht immer sehr dauerhafte Folgen gehabt zu haben. Wichtig für die Festigung der christlichen Kirche und ihrer Gemeinden im Lande war nun vor allem eine feste Organisation. Die aus römischer Zeit stammenden Bistümer konnten die neue Aufgabe allein nicht mehr erfüllen. Hier Wandel geschaffen zu haben, ist hauptsächlich das Verdienst Willibrords, der seit 690 den Friesen den christlichen Glauben brachte und Erzbischof von Utrecht wurde, sowie die Leistung des Mönches Winfrid, der vom Papst den Namen Bonifatius erhielt, in päpstlichem Auftrag in Hessen und Thüringen missionierte und als Legat für »Germanien« die baierische Kirche organisierte, neue Bistümer gründete und für seine Tätigkeit einen Schutzbrief Karl Martells besaß. Später baten ihn Karl Martells Söhne Pippin der Jüngere und Karlmann, die fränkische Kirche zu reformieren: Die Beschlüsse der 742 einberufenen Synode erhielten Gesetzeskraft. Zunächst ging es um die Herstellung von Zucht und Ordnung in der Kirche. Keine Einigung konnte erzielt werden über die Rückgabe der Kirchengüter, die vor allem Karl Martell für geleistete Heeresdienste großzügig an Adelige verschenkt hatte. Das wichtigste Ergebnis der Synode aber war eine engere Verbindung der fränkischen mit der römischen Kirche. Über die schwierigen Fragen der Überschneidung von Landeskirchenherrschaft und Ansprüchen des päpstlichen Primats, d.h. der Vorrangstellung des Bischofs von Rom stand Pippin der Jüngere persönlich im Briefwechsel mit Papst Zacharias. Diese Verbindung sollte sich für ihn bald als nützlich erweisen.

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Info 18.01.2018 05:03
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