Kämpfe gegen die Awaren

Mit der Eingliederung Baierns in das fränkische Reich wurde Karl vor eine neue Aufgabe gestellt: die Grenzen im Osten zu sichern. Das tatarische Reitervolk der Awaren hatte im 6. Jahrhundert seine Wohnsitze am Schwarzen Meer verlassen, Byzanz bedroht, die ostgermanischen Gepiden in der Theiß ebene im Bunde mit den Langobarden geschlagen und machte nun die Slawen im weiteren Umkreis tributpflichtig. Als sie 788 nach Baiern und Italien vorstießen, wehrte sie Karl ab, ohne ihnen eine entscheidende Niederlage zufügen zu können. Um den Nachschub für ein größeres Unternehmen zu sichern, begann Karl der Große den Bau eines Kanals, der Rhein, Main und Donau verbinden sollte: die »Fossa Carolina«. Doch schon 796 führte sein Sohn Pippin im Kampf gegen die Awaren von Italien aus die Entscheidung herbei: Unterstützt vom Markgrafen von Friaul, stieß er an der Raab vor und nahm den »Hauptring« der Awaren, der durch viele Vorwälle befestigt war. Als Siegesbeute wurde der sagenhafte, große Awarenschatz ins Frankenreich eingebracht. Karl beließ den Stammesfürsten ihre Rechte, machte sie aber zu seinen Dienstmannen. Die Macht der Awaren war nun gebrochen, zugleich aber auch ihre Widerstandskraft gegenüber den immer stärker andrängenden Slawen, sodass Karl wieder vorrücken musste, um als Schiedsrichter zwischen den Parteien zu vermitteln. In der Folgezeit wurde das Gebiet als Pannonische Mark unter fränkische Verwaltung gestellt, und die Awaren arbeiteten als zinspflichtige Bauern auf königlichen Gütern. Der fränkische Einfluss erstreckte sich noch weiter nach Süden bis an die Adria; im Osten rückten nun die Bulgaren bis an die Donau vor. Nach dem Tod des Präfekten Gerold wurde für das Gebiet östlich der Enns ein eigener Markgraf bestellt, dem das wiedererrichtete slowenische Herzogtum Karantanien, also Kärnten, untergeordnet war.